„Die Gewaltspirale durchbrechen!“

Faszination Fankurve 01.12.2004 0 Kommentare

Die „Swiss Football League“ SFL ist nicht länger gewillt, die Begleiterscheinungen im Umfeld der Spiele der beiden Nationalligen hinzunehmen. Thomas Helbling, Präsident der Sicherheits- und Fankommission der SFL äußert sich zu den Maßnahmen, mit denen man das Problem in den Griff bekommen will.

Stadionwelt: Hat der Schweizer Fußball ein Hooligan-Problem?
Helbling: Ich mag dieses Wort nicht, aber richtig ist: Wir haben in der Schweiz ein Gewalt-Problem innerhalb und außerhalb der Stadien. Wir stellen gerade in letzter Zeit fest, dass insbesondere Teile der Auswärtsanhänger die Spiele als Plattform suchen, um ihren Gewaltgelüsten Ausdruck zu geben.

Stadionwelt: Kürzlich haben die Präsidenten der SFL-Klubs entschieden, die so genannte „Kausalhaftung“ – ein von der UEFA seit Jahren angewandtes Modell – wieder einzuführen. Was hat es damit auf sich?
Helbling: Wir wollen die erwähnte Gewaltspirale brechen. Der Club, dessen Zuschauer bei Auswärtsspielen gewalttätig auftreten, konnte für das Fehlverhalten seiner Anhänger weder, mit Geldbußen noch mit Punktabzügen disziplinarisch verantwortlich gemacht werden. Die Abkehr von der Verantwortung der Gastklubs wurde vor rund zwei Jahren durch den FC Zürich vor einem Verbandsgericht erstritten. Einige reisende Fans nahmen das als Freibrief zur Gewaltanwendung an. Bei einer Tagung aller 28 Profi-Clubs haben sich nun die Präsidenten mit 26:2 Stimmen für die Kausalhaftung ausgesprochen.

Stadionwelt: Welche Clubs haben dagegen gestimmt?
Helbling: Der FC Basel und der FC Winterthur.

Stadionwelt: Wann tritt die Regelung in Kraft?
Helbling: Wenn der Verbandsrat des Schweizer Fußballverbandes am 27. November zustimmt, dann gilt die Kausalhaftung schon zur Rückrunde.

Stadionwelt: Reicht das, um mehr Sicherheit in den Stadien herbeizuführen?
Helbling: Natürlich nicht. Wir haben weiter Maßnahmen im präventiven Bereich beschlossen. Zum Beispiel zentrale Schulungen für die Sicherheitsverantwortlichen, die Fanbeauftragten und die Stadionsprecher der Clubs. Zudem wird die Liga pro Spieltag zu drei Spielen geschulte Sicherheitsinspizienten entsenden – bisher wurde das durch den Schiedsrichterbeobachter mit erledigt. Weiter soll auf die Rückrunde auch eine für alle Arenen gültige Stadienordnung in Kraft treten, damit der Fan auch weiß, woran er ist. Endlich wollen wir unter den Clubs besser kommunizieren, um verhängte Stadionverbote auch durchsetzen zu können.

Stadionwelt: Inwiefern war Letzteres bisher ein Problem?
Helbling: Die Datenschutzgesetze auf Bundes- und Kantonsebene geben keinen Spielraum, um legal Daten über gewalttätige Zuschauer unter den kantonalen Polizeibehörden und unter den Clubs auszutauschen. Es ist also ein leichtes, Stadionverbote zu unterwandern und aus der Anonymität der Masse Krawalle anzuzetteln. Dagegen will der Bund mit einer Hooligan-Datenbank ankämpfen, die 2006/2007, also rechtzeitig vor der EURO 2008 greifen soll.

Stadionwelt: Was ist für die EURO zu erwarten?
Helbling: Ich habe Respekt vor der Aufgabe der Organisatoren, aber keine Sorge, dass die UEFA das Probleme in den Griff bekommt, auch wenn gewaltbereite Fans aus dem Ausland anreisen. Wir von der SFL wollen mit einer Verstärkung unserer Fanarbeit zum guten Gelingen beitragen. (Stadionwelt, 01.12.2004)

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