Chronik
1937: Zuschauerrekord, Teil 1. Zum Pokalfinale gegen den Aberdeen FC kommen 147.365 in den Hampden Park. Niemals wohnten einem Spiel zweier europäischer Clubmannschaften mehr Leute bei.
1944: Nach einem Aufruf in der Zeitung Daily Record finden sich 14 Fans zusammen um die Celtic Supporters Association zu gründen. Nach rund einem Jahr ist die Anzahl bereits auf 700 angewachsen.
1970: Zuschauerrekord, Teil 2. 133.651 sehen das Halbfinale im Landesmeisterpokal gegen Leeds United – Bestmarke für Spiele im Europacup.
1972: Zuschauerrekord, Teil 3, ist einer, den sich Celtic mit Rangers teilen muss. Zeitgleich schauen innerhalb einer Stadt, mit nur zehn Kilometer Entfernung zueinander, 155.000 die Europacup-Spiele Rangers–FC Bayern München und Celtic–Inter Mailand.
1994: Bereits im Sommer 1993 wurde der „Jungle“, die für ihren „Roar“ bekannte Stehplatzgegengerade des Celtic-Parks mit Sitzplätzen bestückt. In der Saison 1994/95 weicht Celtic ins Nationalstadion aus, da im heimischen Parkhead drei Tribünenseiten erneuert werden. „Viele Fans waren damit nicht einverstanden und haben für ein Jahr mit den Heimspielen ausgesetzt“, sagt Michael Pringle.
2003: „Sombrero Day“ in Ibrox. Mit einem 1:0 bei Boavista Porto sichert sich Celtic den Einzug ins UEFA-Cup-Finale. Unter den 1.500 Mitgereisten entsteht noch am Flughafen die Idee, dass man 48 Stunden später den Rangers während des Old Firm demonstrieren muss, dass eine Reise ins sonnige Spanien ansteht. Hierbei wird zwar übersehen, dass der Endspielort Sevilla nicht am Meer liegt, doch sollte das den Spaß über hunderte Strandutensilien auf dem Platz der Rangers nicht schmälern.
2003: Celtic hat die besten Fans – das ist jetzt offiziell bestätigt. Für ihren Auftritt während des UEFA-Cup-Finales in Sevilla gibt es den Fair-Play-Award der UEFA. Zwei Dauerkarteninhaber dürfen den Preis bei einer Gala in Monte Carlo in Empfang nehmen.
Freunde & Feinde
Rangers: Wo will man anfangen? Der Rivalität zwischen Rangers und Celtic ist die vielleicht intensivste, tiefgründigste und facettenreichste der Fußballwelt. „Das ist nicht einfach nur Katholiken gegen Protestanten“, sagt Mirashvili. Infolgedessen gibt es kaum einen Aspekt, der nicht schon beleuchtet wurde und die Presse, die es angesichts dieses Duells leicht hat, die Auseinandersetzung in möglichst dramatischen Worten zu schildern, muss sich schon einiges überlegen, was sie noch schreiben will. Jüngst kam sie auf die Idee, dass der letzte Erfolg der Rangers dem Platzwart zu verdanken sei, der den Rasen so gemäht habe, dass das Muster eines protestantischen Oranier-Ordens herauskam – zum Schmunzeln.
Immerhin ist es heute bei Spielen in der Stadt vergleichsweise ruhig. Während früher ganze Straßenzüge aufeinander losgingen, hat sich inzwischen ein System zur Trennung der Fanlager bewährt. Die jeweiligen Gästefans treffen sich dabei an bestimmten Pubs oder den Niederlassungen der Supporters Clubs und werden von dort über vorher festgelegte Wege mit Bussen direkt vor den Gästeblock gebracht. So kommt es, dass die U-Bahn, die unmittelbar am Rangers-Stadion hält, Parkhead allerdings nicht ansteuert, praktisch ausschließlich von Rangers-Fans genutzt wird.
Liverpool FC: Nicht nur sind Liverpool und Glasgow die beiden britischen Städte mit den größten irischstämmigen Gemeinden, auch war Celtic der erste Verein, der dem Liverpool FC nach der Katastrophe von Hillsborough ein Benefizspiel anbot – eine Geste, die das Verhältnis bis heute prägt.
Athletic Club Bilbao: Da sich die Fans aus Bilbao in erster Linie als Basken sehen und in nicht wenigen Fällen anti-spanisch eingestellt sind, ergibt sich eine Lage, die der von Celtic innerhalb der schottischen Liga nicht unähnlich ist. Als Brüder im Geiste betreiben Fans beider Clubs deshalb schon seit einiger Zeit einen regen Austausch.
FC St. Pauli: „Seit es möglich ist, mit dem Billigflieger von Prestwick nach Lübeck zu fliegen, haben wir hier bei jedem Spiel Besuch aus Glasgow“, sagt Heiko Schlesselmann vom Fan-Laden. Was auf einen Fankongress Anfang der 90er in London begann, ist heute zu der von beiden Seiten am intensivsten betriebenen Fanfreundschaft geworden. Eine 1996 durchgeführte, mehrtägige Doppeldecker-Bus-Tour nach Glasgow hat heute in der St. Pauli Fanszene legendären Status. Aus der „Celtic Brigade St. Pauli“ ist inzwischen der „St. Pauli CSC“ geworden – Untertitel: „The rebel’s choice“ – ein Anti-Hornbyismus, der allerdings die Sache trifft, denn die große Schnittmenge in den politischen Ansichten im Fußballverständnis beider Fanszenen ist der Motor einer intakten Beziehung. Übrigens: Die nächste St. Pauli-Celtic Party am 4. Februar 2006 wird wieder ausverkauft sein. 100 Celtic-Fans werden dafür von der Insel anreisen.
Partick Thistle: Dass es in Glasgow noch einen dritten Proficlub in der dritten Liga gibt, einen, dem im Durchschnitt sogar 3.292 Zuschauer sehen, wird bei der Dominanz der beiden Großvereine fast übersehen. „We hate the boys in royal blue, we hate the boys in emerald green, so fuck the pope and fuck the queen”, singen sie und machen deutlich, dass sie weder mit der republikanischen noch mit der royalistischen Glasgower Seite sympathisieren.
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