Interview mit Christian Venghaus, dem Fanbeauftragten von Arminia Bielefeld
Stadionwelt: Letzte Saison erneut im DFB-Pokalhalbfinale gescheitert, dafür aber den Klassenerhalt geschafft – welche Gefühle überwiegen in der Fanszene?
Venghaus: Es müsste eigentlich heißen: Erneut ins DFB-Pokalhalbfinale eingezogen und frühzeitig den Klassenerhalt geschafft! Wir Bielefelder sind sehr zufrieden mit der abgelaufenen Saison. Wir spielen weiterhin erstklassig, und nur das zählt. Wir dürfen zum Beispiel wieder in München, Dortmund und endlich mal im Sommer in Hamburg antreten. Das freut natürlich die Fans, und vielleicht gelingt es ja, das Klischee des „Fahrstuhlclubs“ endlich vergessen zu machen. Sicherlich gab es aber auch ein paar Wermutstropfen. Insbesondere das DFB-Pokalhalbfinale gegen die Eintracht. Das Ausscheiden in Frankfurt war sehr bitter, weil es wohl die Chance überhaupt war, einmal ins Finale einzuziehen. Über die Folgen mag ich gar nicht nachdenken – es täte nur wieder weh, sich auszumalen, wie es wohl gewesen wäre: die Arminia im Europapokal! Dass unserer Mannschaft am Ende erneut die Luft ausging, kam bei einigen Fans dann auch nicht so gut an. Aber der überwiegende Teil der Arminen sieht die gesamte Saisonleistung sehr positiv. Das Gesamtergebnis ist positiv. Wir sind einer der kleinsten Clubs in der Liga, aber verstecken müssen wir uns mit Sicherheit nicht. Wir sind stolz auf das, was wir alle gemeinsam aufgebaut haben – und auf das, was wir noch vorhaben.
Stadionwelt: Was bedeutet für euch der Verlust der Stehplätze auf der Gegengeraden?
Venghaus: Das ist ein sehr sensibles Thema. Diese kleine und kultige Tribüne aus dem Jahr 1985 ist schon etwas Besonderes. Lange Zeit war sie fantechnisch der Mittelpunkt der Alm. In den tristen Zweitligajahren von 1985 bis 1988 und in der düsteren, aber eben auch kultigen Oberligazeit von 1988 bis 1994 war sie die Fantribüne für Jung und Alt. Hier haben sich Freunde kennen gelernt, Fanclubs gegründet und wurden witzige Schlachtrufe erfunden. Aus den genannten Gründen sind diese Fans über den geplanten Abriss natürlich sehr traurig, weil viele schöne Erinnerungen damit verbunden sind. Wieder einmal steht eine gravierende Strukturveränderung im Fanbereich an, und wieder einmal bleibt nur die Hoffnung, dass wir – im Sinne aller Fans – diesen Prozess geschultert bekommen.
Stadionwelt: Wie steht ihr zum Stadionausbau?
Venghaus: Die Pläne des Clubs sind von den Fans trotz der beschriebenen Trauer um ein liebgewonnenes Stück Alm im Allgemeinen sehr positiv aufgenommen worden. Der Endausbau wirkt schlüssig und fügt sich wirklich sehr gut in das Gesamtbild der Schüco Arena ein, aber eben auch ins angrenzende Viertel. Der Spagat zwischen Fan- und Sponsoreninteressen scheint uns gelungen zu sein. Die „Bedenken“ der Anwohner verzögern aktuell den gesamten Ablauf leider etwas, deswegen bleibt uns nur abzuwarten, wie sich die Dinge rund um das Stadion entwickeln werden. Wir Fans erhoffen uns durch den Ausbau natürlich auch eine verbesserte Stimmung.
Stadionwelt: Um den Arminia Supporters Club ist es richtig still geworden – nur 25 Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung – was passiert da?
Venghaus: Still? Ich denke nicht! Der ASC hat einen ganz wesentlichen Anteil daran, dass unser Club in kurzer Zeit auf fast 8.000 Mitglieder angewachsen ist, darunter über 3.000 im ASC. Der gesamte Club hat einen Riesensprung gemacht. In den vielen Aktionsgruppen sitzen Vertreter der Supporters mit an einem Tisch, die Aktiven begleiten zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen. Hier sei zum Beispiel die Aktion „Arminia on Tour“ genannt. Dabei handelt es sich um Aktionsstände auf Stadtfesten, Partys und Großveranstaltungen im Gebiet Ostwestfalen-Lippe, auf denen der ASC sich und die Arminia vorstellt. Die Jahreshauptversammlung des ASC lag zeitlich einfach sehr ungünstig, und ich denke, das war ein Grund für die geringe Teilnehmerzahl. Sicherlich sind die Supporters jetzt an einem Punkt angelangt, an dem genau reflektiert werden muss, welche Schritte nun sinnvoll sind und was mit welchem Aufwand wie zu realisieren ist. Eine sehr interessante Phase – aber eben auch ein nachvollziehbarer Prozess. (Stadionwelt, 01.08.2006)
Bild: )ö( – www.bielefeld-fotos.de

0 Kommentare