Interview mit Axel Nees (Mitglied der Troika Köln und des in Gründung befindlichen Dachverbandes der Fanclubs des 1. FC Köln)
Stadionwelt: Warum hat sich der neue Dachverband gegründet?
Nees: Der Auslöser war die neue Auswärtskartenregelung, von der die Fanszene ziemlich überrascht und vom Verein vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Da haben wir gemerkt, dass es auch ganz grundsätzlich an der Zeit war, eine Institution zur Bündelung der Interessen der einzelnen Fanclubs zu haben. Wir brauchen Ansprechpartner, mit denen man vorher über so etwas spricht. Wir werden dann auch gegenüber dem Verein natürlich viel geschlossener und stärker auftreten können.
Stadionwelt: Wie viele Mitglieder gibt es bis jetzt?
Nees: Bisher haben sich etwa 120 Fanclubs angeschlossen. Dabei muss man aber bedenken, dass wir uns immer noch in der Gründungsphase befinden und bis jetzt fast alles über Mundpropaganda und das Internet gelaufen ist. Das deutsche Vereinsrecht legt da ja doch einige Hürden in den Weg. Wenn wir die Vereinsgründung erst einmal richtig abgeschlossen haben, werden sicherlich noch sehr viele Fanclubs dazustoßen.
Stadionwelt: Was sind die Planungen für die kommende Saison?
Nees: Ich denke wir stehen kurz davor, den Dachverband als festen Bestandteil der Fanszene zu verankern. Das wird ziemlich sicher noch in diesem Jahr geschehen. Und dann wird es natürlich um die Themen gehen, die die Fanszene auch schon länger beschäftigt haben. Wir planen aber auch die Organisation von Fanfesten, -turnieren, -konzerten und ähnlichem.
Stadionwelt: Ist die Auswärtskartenproblematik geklärt?
Nees: Wir konnten die Regelung zwar nicht ganz verhindern, aber zumindest die gröbsten Kritikpunkte ändern. Früher konnte man fast überall Karten kaufen, heute geht das nur noch über das Internet bzw. schriftlich. Des Weiteren müssen jetzt Namenslisten abgegeben werden, inklusive Geburtsdaten etc. Das konnte leider nicht mehr komplett verhindert werden. Aber wir haben immerhin nach Verhandlungen mit dem Verein die Haftungsklausel abwenden können, mit der der jeweilige Fanclubvorsitzende für alle Mitglieder, die über seinen Fanclub Karten bekommen haben, in Haftung genommen werden kann. Optimal ist das trotzdem noch lange nicht.
Stadionwelt: Wie hat die Szene auf den erneuten Abstieg reagiert?
Nees: Der Abstieg war wirklich brutal für die Fanszene. Vor allem die Erkenntnis, dass Abstiege inzwischen anscheinend zur Normalität werden und wir zum Fahrstuhlverein geworden sind, lässt sicherlich viele von uns verzweifeln. Aufbruchsstimmung gibt es daher kaum, es überwiegen Frustration und Ernüchterung. In den letzten Jahren gab es immer große Visionen seitens des Vereins, die inzwischen alle verglüht sind. Es sind zwar laut der örtlichen Revolverblätter schon wieder 20.0000 Dauerkarten verkauft worden, doch wie die Stimmung aussehen wird, kann ich nicht sagen. Die Spiele um 18 Uhr am Freitag sowie die am Montag kommen da natürlich noch erschwerend hinzu. Ich hoffe nur, dass der Abstieg die Szene nicht völlig sprengt, sondern uns vielleicht sogar noch mehr zusammenschweißt. (Stadionwelt, 01.08.2006)
Bild: Stadionwelt

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