„Die Szene steht am Scheideweg.“

Faszination Fankurve 01.08.2006 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Erzgebirge Aue ist nicht nur sportlich in der zweiten Liga etabliert, sondern hat sich auch durch seine lebendige Fanszene einen Namen gemacht. Nach einem durchwachsenen Jahr steht nun jedoch ein Umbruch an. Mario Dörfler von den „Ultras Aue“ erklärt die Hintergründe.

Stadionwelt: Wie ist die Entwicklung der Auer Fanszene im vergangenen Jahr verlaufen?
Dörfler: Aus Ultrasicht herrschte absoluter Stillstand. Das hat sich schon während der Rück-runde angedeutet, das war alles nicht so der Bringer. Deshalb haben wir uns in der Sommerpause Gedanken über eine Umstrukturierung gemacht. Zum ersten Spieltag wollen wir den Stillstand beseitigt haben und anders auftreten. Wir wollen uns einfach weiterentwickeln.

Stadionwelt: Wo lagen die Gründe für den Stillstand?
Dörfler: Es gab mehrere interne Probleme, die mit der gesamten Fanszene zusammenhingen. Wir wollen einen neuen Anlauf nehmen, die Interessen etwas zu bündeln. Eventuell nehmen wir deshalb jetzt auch die Gründung eines Dachverbandes in Angriff. Die Szene steht am Scheideweg: Entweder es klappt jetzt mit der Umstrukturierung, oder wir stehen vor großen Problemen.

Stadionwelt: Wie haben sich die Probleme geäußert?
Dörfler: Zunächst einmal dadurch, dass wir viel weniger Choreos auf die Beine gestellt haben als noch in den Vorjahren. Das hatte mit der internen Umstrukturierung zu tun, lag aber auch an manchen Stellen an Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit dem Verein. Daher ist es ein weiteres Ziel, in Sachen Choreos wieder mehr Aktivität zu zeigen. Ein Anlass wäre da zum Beispiel das 60-jährige Bestehen des Vereins seit seiner Gründung als Wismut Aue.

Stadionwelt: In welchen Bereichen gab es Konflikte mit dem Verein?
Dörfler: Das betraf in erster Linie Stadionverbote. Man muss abwarten, wie das in Zukunft gehandhabt wird. Wir hoffen, dass die positiven Erfahrungen der WM, wo trotz großer Panikmache fast alles ruhig blieb, dazu beitragen, dass die Haltung des Vereins sich verändert. Ich bin mir fast sicher, dass sich das zumindest auf die beiden oberen Ligen auswirken wird. Eigentlich haben wir einen ganz guten Draht zu den Verantwortlichen, aber bestimmte Sachen wurden immer wieder künstlich aufgebauscht.

Bild: Marcus

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Stadionwelt: Seht ihr eure Interessen ausreichend vertreten?
Dörfler: Auch hier ist die Entwicklung noch mit einem großen Fragezeichen versehen. Das Fanprojekt in Aue ist eigentlich eine gute Sache, die setzen sich sehr stark ein. Aber trotzdem muss man abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, etwa was Kontrollen und das Aufhängen von Zaunfahnen angeht.

Stadionwelt: Wie ist das Auer Publikum zu charakterisieren? Eher kritisch oder eher gleich-gültig?
Dörfler: Die Ultraszene für sich ist natürlich immer kritisch. Aber es ist uns auch gelungen, die breite Masse bei vielen Themen mitzuziehen und sie darauf hinzuweisen, dass sie sich ihre Auffassung von Fußball erhalten sollen.

Stadionwelt: Dresden ist abgestiegen, Zwickau und Chemnitz spielen in unteren Ligen. Wie seht ihr eure Rolle in der Region?
Dörfler: Fantechnisch sind wir den anderen einen Schritt voraus. Aber dafür haben wir auch das Eventpublikum, das schwierig zu koordinieren ist. Das Dresden-Derby wird uns auf eine Art schon fehlen, aber auf der anderen Seite freuen wir uns natürlich, dass die abgestiegen sind. Wir haben bei den Derbys im letzten Jahr schon gut Flagge gezeigt. Das war zwar in der zweiten Liga schwierig, umso besser ging es aber bei den Oberligaspielen unserer zweiten Mannschaft. Ich denke, insgesamt ist Aue eine gute Adresse in der zweiten Liga. Was die Ultraszene angeht, sind wir ziemlich weit vorne.

Stadionwelt: Seht ihr eure Rolle durch den Erstliga-Aufstieg von Energie Cottbus in Gefahr?
Dörfler: Cottbus war nie das große Derby. Da gab es zwar mal einen Choreobattle und einige Pyroaktionen. Aber das wurde vor allem durch die Medien groß gemacht. Die Konkurrenz mit Dresden, Zwickau oder Chemnitz ist deutlich tiefer verwurzelt. Außerdem sind sich hier alle sicher, dass Cottbus nur ein Jahr in der Bundesliga spielen wird. (Stadionwelt, 01.08.2006)

Bild: Marcus
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