Die Fans des FC Schalke 04 haben keine leichte Saison hinter sich. Trainerwechsel, Sorgen um die Clubfinanzen, dazu wenig berauschender Fußball. Warum die Stimmung trotzdem nicht am Boden ist und die Fans Hoffnung auf mehr Spaß an ihrem Club haben, verrät Frank Arndt, Vorsitzender des Supporters Club.
Stadionwelt: Welche Erwartungen habt ihr an die neue Saison?
Arndt: Im Moment ist alles noch etwas ruhig. Man merkt schon eine gewisse WM-Müdigkeit. Aber die attraktiven Auswärtsspiele sind jetzt schon gut nachgefragt, die Heimspiele sowieso.
Stadionwelt: Was hat die abgelaufene Spielzeit für die Schalker Fanszene gebracht?
Arndt: Im Prinzip ist alles ruhig geblieben. Nur die „Ultras Gelsenkirchen“ hatten mit der ein oder anderen Sache Probleme.
Stadionwelt: Wie läuft die Kommunikation mit dem Verein?
Arndt: Vorbildlich, wir haben einen guten Draht. Die Fans werden bei wichtigen Entscheidungen mit einbezogen, zum Beispiel bei der Preisgestaltung.
Stadionwelt: Dem zurückgetretenen Manager Rudi Assauer sagt man große Fannähe nach. Wer ist jetzt euer Ansprechpartner?
Arndt: Assauer war für die Fans nie maßgeblich. In meiner Zeit als Supporters-Club-Vorsitzender kann ich mich nicht erinnern, auch nur ein Wort über Fanthemen mit ihm gesprochen zu haben. Er hat sich vor allem für die Mannschaft verantwortlich gefühlt. Unser Ansprechpartner ist Geschäftsführer Peter Peters. Das läuft in der Regel ziemlich entspannt ab.
Stadionwelt: Der Supporters Club hat kürzlich sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Wie fällt euer Fazit des ersten Jahrzehnts aus?
Arndt: Der Einfluss der alten Fanclubs hat sich ziemlich abgeschwächt. Wir haben mittlerweile knapp 600 Mitglieder, davon sind etwa 20 Prozent aktive Mitglieder, die regelmäßig an unseren Veranstaltungen teilnehmen. Knapp 500 Leute kann man als Allesfahrer bezeichnen. Bei uns gab es um die bestimmenden Themen wie Trainerwechsel oder Assauer-Rücktritt nie so viel Aufregung, weil der SC sehr nah am Vereinsgeschehen dran ist. Diesen Status haben wir uns erarbeitet. Man sieht es allein daran, dass der Verein uns für die Jubiläumsfeier den Innenraum der Arena zur Verfügung gestellt hat. Dort waren dann 1.000 Leute.
Bild: Stadionwelt
Stadionwelt: Wie geht ihr mit den ständigen Diskussionen um die Finanzsituation um?
Arndt: Da sind wir leider nicht so nah dran, aber der Verein geht insgesamt recht offen mit dem Thema um. Wenn Fragen aufkommen, ließen sich bislang relativ problemlos Gesprächsrunden mit Finanzchef Josef Schnusenberg oder dem Aufsichtsrat organisieren. Der Verein stellt die Lage deutlich dar und beantwortet die meisten Fragen. Allen hier ist klar, dass der sportliche Erfolg mit dieser auf einen internationalen Wettbewerb ausgerichteten Mannschaft nicht ausbleiben darf. Aber das interessiert eigentlich nur einige neue Fans aus den Arena-Zeiten. Viele der älteren haben mehr als zehn Jahre keine Erfolge gesehen, deshalb fürchten sie auch einen möglichen Absturz nicht wirklich.
Stadionwelt: Es gab im letzten Jahr einige Fandemonstrationen für den Erhalt der Glückauf-Kampfbahn. Welchen Stellenwert nimmt das Thema Tradition für euch ein?
Arndt: Schon einen recht hohen. Beim Thema Glückauf-Kampfbahn gehen die Meinungen allerdings auseinander. Dass sie erhalten bleibt ist klar, aber in welcher Form? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder als Trainingsplatz für die Jugendmannschaften, als Treffpunkt, an dem Fanclubs und -organisationen ihre Geschäftsräume errichten, als Museum oder sogar als Veranstaltungsort, nachdem die „Public Viewing“-Geschichte dort so gut gelaufen ist. Die Stadt hat da das letzte Wort. Merkwürdig ist allerdings, dass der Verein das Stadion vor einigen Jahren schon einmal kaufen wollte, um dort den Jugendbereich anzusiedeln, die Stadt sich aber damals gesperrt hat.
Stadionwelt: Wie gehen die Fans mit der stark erfolgsorientierten Haltung des Vereins und den mal wieder ausgerufenen Meisterzielen um?
Arndt: Ach, das ist doch nur Trommeln. Es herrscht hier in der Fanszene nicht die Auffassung, unbedingt Meister werden zu müssen. Die meisten wollen einfach wieder mehr schönen Fußball sehen, der Erfolg stellt sich dann automatisch ein. (Stadionwelt, 01.08.2006)

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