„Es entwickelt sich was.“

Faszination Fankurve 01.08.2006 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Stadionwelt sprach mit Vorsänger Carsten Klöpping über die aktuellen Entwicklungen, die Erfahrungen aus der ersten Saison Profifußball und das Ansehen des SC Paderborn in anderen Szenen und der eigenen Stadt.

Stadionwelt: Wie habt ihr eure erste Saison im Profifußball erlebt?
Klöpping: Es fi el gleich auf, dass die Polizei robuster zu Werke geht und vielmehr Präsenz zeigt. Für uns Fans bedeutete der Aufstieg weitere Fahrten und eine Kostenexplosion. Die Szene ist seitdem natürlich gewachsen, die Fanclubs haben guten Zulauf. Leider hat der Verein auf die neuen Umstände kaum bis gar nicht reagiert. Wir haben keinen richtigen Fanbetreuer, keinen Ansprechpartner mehr. Beispielsweise wurde die Gegengerade mit „normalen“ Leuten voll gestopft. Die Fans, die Stimmung machen wollten, waren weit verteilt. Deswegen gibt es nun einen Vorsänger, der die Stimmung koordiniert. Das ist von der ganzen Fanszene gut angenommen worden.

Stadionwelt: Was gibt es noch innerhalb der Fanszene zu verbessern?
Klöpping: Es ist das alte Ding zwischen Paderborn und Neuhaus. Durch die frühere Rivalität gibt es immer noch Leute, die nicht akzeptieren wollen, dass es nur noch einen Verein gibt. Das kommt aber so langsam. Wenn der Verein auch noch die Arbeit verbessert, sind wir auf einem guten Weg. Wir haben einen Fanbeirat gegründet, der alle Fanclubs an einen Tisch holt und unsere Interessen vertritt. Wir fangen jetzt bei Null an.

Stadionwelt: Und wie definiert sich bei euch die Ultraszene?
Klöpping: Obwohl ich der Vorsänger bin, gehöre ich einem Kuttenfanclub an. Ich brauche da keine klare Trennung. Wir wollen auch Choreos und große Fahnen haben und Stimmung machen. Trotzdem möchte ich aber ein Trikot tragen, ich sehe da keinen Gegensatz. Unsere Ultraszene ist noch jung und in sich nicht homogen. Wir sprechen hier von 50 Leuten in drei Gruppen.

Bild: bluelight

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Stadionwelt: Also haben die Ultras einen schweren Stand in Paderborn?
Klöpping: Viele sehen sie eher skeptisch. Zu Hause beteiligen sie sich kaum an der Stimmung. Auswärts ist das schon besser, da ziehen alle an einem Strang. Leider kommt mit dieser neuen Fankultur auch Gewalt in die Stadien. Das gab es hier vorher nie.

Stadionwelt: Welche Bedeutung hat für euch das neue Stadion?
Klöpping: Es wäre ein Riesenfortschritt für Verein und Fanszene. Wir würden endlich hinter dem Tor stehen und könnten die stimmungsfreudigen Fans bündeln. Aber es ist wie alles hier in dieser Stadt. Ob es die Kammerspiele, die Eishalle oder das neue Fußballstadion ist. Eine Person hat immer etwas dagegen, und dann scheitert es. Nun sieht es so aus, als würde endlich weitergebaut und dazu gleich eine neue Halle für die Basketballer. Vom Sport her ist Paderborn langsam erstklassig, von der Stadt her noch lange nicht.

Stadionwelt: Gerade dieser Ruf der Provinz eilt Paderborn voraus. Wir wurdet ihr von anderen Fangruppen empfangen?
Klöpping: Wir sind halt noch ein Provinzclub und wurden am Anfang auch so behandelt. Da wurden wir belächelt: „Die bringen eh nur 100 Euro mit und das reicht noch für den ganzen Block für ’ne Bratwurst.“ Beim Auswärtsspiel in München wurden wir aber auch gelobt, weil wir trotz der Niederlage richtig Party im Block gemacht haben. Da waren wir noch eine Stunde nach dem Spiel im Stadion und haben gefeiert. Auch unser Auftritt in Bochum war gelungen. In Aachen haben wir allerdings 90 Minuten Antisupport über uns ergehen lassen müssen. Sonst waren eher die kleineren Clubs abgeneigt. Die waren bei uns mit 50 Mann, und auf einmal kamen wir bei denen mit 500 Leuten an. Da haben die auch gemerkt, dass bei Paderborn mittlerweile doch was geht.

Stadionwelt: Wie sieht es in der eigenen Stadt aus?
Klöpping: Früher kamst du in eine Kneipe und bist nur nach Dortmund oder Schalke gefragt worden. Mittlerweile interessiert sich die ganze Stadt für den SC. Man läuft mit Kappe oder Trikot durch die Stadt und wird auf das letzte Spiel angesprochen. Die Mannschaft spielt guten Fußball, die Leute kommen ins Stadion. Es entwickelt sich was. (Stadionwelt, 01.08.2006)

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