Die abgelaufene Saison war sportlich wenig erfreulich für alle, die es mit dem VfB Stuttgart halten. Probleme im Vorstand und eine sportliche Talfahrt prägten das Bild. Erstmals seit vier Jahren treten die Schwaben nicht international an. Doch wie ist die Saison aus Fansicht gelaufen? Stadionwelt sprach mit Markus Schmalz vom Commando Cannstatt.
Stadionwelt: In letzter Zeit häuften sich bei euch die Proteste gegen den Präsidenten. „Vorstand raus“ war zu hören. Was hat es damit auf sich?
Schmalz: In Bielefeld gab es erstmals ein Spruchband mit der Aufschrift „Keine Ahnung, keine Planung, kein Konzept – Vorstand raus“, die Proteste zogen sich mehr oder weniger über die gesamte Rückrunde. Nach dem Abgang von Felix Magath zu Bayern ist es unserer Meinung nach versäumt worden, einen Mann mit Fußballsachverstand in den Vorstand zu holen. Und die Verantwortung für diese und andere Abläufe im Verein trägt nun mal der Präsident.
Nun haben wir mit Horst Heldt endlich einen Mann im Management, der als Ex-Spieler den fußballerischen Background mitbringt und zudem bei den Fans großes Ansehen genießt. Leider ist er aber kein Vorstandsmitglied.
Stadionwelt: Auf Choreografien bezogen sah man bessere Jahre in Stuttgart. Außer der Soldo-Choreo am letzten Spieltag gab es kaum größere Aktionen.
Schmalz: Das ist richtig. Wir hatten in der vorletzten Saison fast nur Aktionen gegen Stadionverbote und Repression, weil uns dieses Thema wichtig war. In der vergangenen Saison wollten wir uns dann wieder mehr auf uns und den Verein konzentrieren. Wir hatten zu Anfang der Saison ein paar kleinere Aktionen wie die Traditionschoreo gegen Bielefeld, danach gab es bis zur Soldo-Choreo so gut wie nichts mehr. Wir haben einfach keinen Bock gehabt, Choreos zu machen, weil uns andere Dinge wichtiger waren. Außerdem hat die vergangene Saison keinen Anlass zu optischen Highlights geboten.
Stadionwelt: In der vergangenen Saison hattet ihr mit willkürlichen Ausreiseverboten bei den UEFA-Cup-Auswärtsspielen zu kämpfen. Was hatte es damit auf sich?
Schmalz: Wir hatten vor der Saison ein Testspiel in Karlsruhe. Dort gab es bei 150 Leuten Personalienfeststellungen und es wurden Verfahren wegen Landfriedensbruch eingeleitet. Obwohl so gut wie alle Verfahren eingestellt wurden und es bei keinem einzigen zu einem Prozess kam, wurden bei allen internationalen Spielen gegen verschiedene Personen aus diesem Kreis Ausreiseverbote ausgesprochen mit der Begründung, dass diese Personen „das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland gefährden könnten“.
Bild: Stadionwelt
Stadionwelt: Neben den „normalen“ innerdeutschen Freundschaften haben sich bei euch auch einzelne Kontakte nach Südamerika in der vergangenen Saison ergeben. Wohin genau?
Schmalz: Drei Leute von uns waren über einen längeren Zeitraum in Südamerika und haben in Argentinien führende Leute der Banda von Independiente kennen gelernt. Mit denen sind sie dann zu den Spielen gefahren und waren die ganze Zeit über dort unten mit ihnen unterwegs. Zur WM kam einer der führenden Leute und Anstimmer von Independiente nach Deutschland und wohnte einige Zeit bei einem unserer Südamerika-Fahrer in Stuttgart. Es handelt sich um Einzelkontakte von ein paar Leuten unserer Gruppe, nicht um eine Freundschaft der gesamten Gruppe. Allerdings ist durch die Kontakte Stuttgart dort unten bekannt. Wir sehen diese Kontakte positiv und können von einer Kurve wie Independiente eine Menge lernen.
Stadionwelt: Mit der Fertigstellung des Carl-Benz-Centers soll es auch Fanräume in der Cannstatter Kurve geben. Ein Fortschritt für die Szene?
Schmalz: Im Moment laufen die Gespräche und Planungen, wie die Fanräume eingerichtet und später genutzt werden sollen. Es bleibt abzuwarten, wie das nach der Fertigstellung im September genau aussieht. Ein Fortschritt wird es aber, denke ich, allemal, da wir, was Räumlichkeiten angeht, im Vergleich zu anderen Szenen extrem schlecht dastehen. Die ganze letzte Saison hatten wir keine feste Anlaufstelle und noch nicht mal einen geeigneten Raum für unser Material. (Stadionwelt, 01.08.2006)

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