Die Ultras Nürnberg haben in den letzten zwölf Monaten große Anstrengungen unternommen, ihren Club und seine Fanszene zu gestalten. Sebastian Grau fasst zusammen, inwiefern dies gelang.
Mannz: In der letzten Saison habt ihr den Verkauf des Stadionnamens mit der Umbenennung des Franken-Stadions in Max-Morlock-Stadion gekontert. Mit Erfolg?
Grau: Innerhalb der Fanszene wurde das gut aufgenommen. Der nächste Schritt wird sein, den Begriff Max-Morlock-Stadion in den Köpfen möglichst vieler Fans zu „zementieren“. Wir versuchen das durch den Verkauf entsprechender T-Shirts und Schals. Ob das außerhalb der so genannten Szene gelingt, wissen wir aber nicht. Dort werden viele eher den kommerziellen Stadionnamen übernehmen. Wobei man aber sagen muss, dass die Lokalpresse oft „Franken-Stadion“ schreibt und in den Kolumnen sogar „Max-Morlock-Stadion“ vorkommt. Andere Fanszenen wie Mainz oder Leverkusen haben uns mit Spruchbändern unterstützt, was wir sehr gerne gesehen haben.
Mannz: Die Blöcke wurden nun nach Club-Legenden benannt – ein Zugeständnis an den Fanwillen nach mehr Tradition?
Grau: Das kann man so sehen. Vor allem, weil die Blöcke zunächst auch Sponsorenbezeichnungen erhalten sollten. Man wollte dann aus der Nordkurve die „Max-Morlock-Kurve“ machen, was aber ebenfalls nicht den Fanwünschen entsprach, denn auch der Begriff „Nordkurve“ ist heilig. Nun wird Block 8 der Max-Morlock-Block werden.
Mannz: Vor einem Jahr ist das Gros der Ultras Nürnberg in den Oberrang gezogen. Seid ihr mit der Entwicklung zufrieden?
Grau: Neben der Etablierung des Stadionnamens gehört dieser Geschichte unser Hauptaugenmerk. Weil es Probleme mit Verein und Ordnungsamt gibt, sind wir hier aber noch nicht wirklich weiter gekommen.
Bild: www.pumuckl94.de
Mannz: Welche Probleme sind das?
Grau: Weil es im unteren Teil noch ca. 30 bis 40 Fans gibt, die auf ihrem Dauerkartenplatz beharren und der Club es sich mit denen nicht verderben will, kann er den Block nicht mit freier Platzwahl verkaufen. Wir werden jetzt mal mit den Leuten reden und das auf informellen Weg klären. 70 Prozent der Leute im unteren Teil des Blocks 8 sind ja bereits bei den UN. Das Ordnungsamt macht sich eher wegen fehlender Wellenbrecher Sorgen.
Mannz: Die Fahne eurer Gruppe scheint ihren Platz auch noch nicht gefunden zu haben und hing nur vorübergehend vor dem Block. Warum?
Grau: Das übliche. Die Nürnberger Versicherung zahlt einen sechsstelligen Betrag und will deshalb nicht weichen. Weil es im Unterrang aber viele UN-Mitglieder gibt, wird dort im nächsten Jahr nicht mehr die „1.FC“-, sondern wieder die „Ultras“-Fahne hängen.
Mannz: Praktiziert ihr immer noch die auf Wachstum ausgelegte Mitgliederpolitik?
Grau: Eine echte Mitgliedsliste existiert ja nicht, nur eine Saisonkarte, mit der man gewisse Rechte hat, am Wirken der UN teilzunehmen. Wir haben diese noch einmal verbilligt – auf 5 Euro. Sie hat sich am letzten Spieltag der letzten Saison schon 800-mal verkauft, was aber nichts daran ändert, dass sich die Ultras Nürnberg über den aktiven Kern definieren.
Mannz: Vor einem Jahr haben wir über eine neu strukturierte Fanarbeit gesprochen. Was ist daraus geworden?
Grau: Das ist etwas ins Stocken geraten. Anfang August trifft sich aber zum ersten Mal der Fanrat mit jeweils zwei Vertretern der Ultras Nürnberg, des Fanverbandes und des Supporters Club mit dem Fanbeauftragten und dem Vizepräsidenten. Dieses Treffen soll sich dann im Zwei-Monats-Rhythmus oder bei Bedarf wiederholen.
Mannz: Ihr hattet zuletzt enorme Schwankungen bei der Zuschauerzahl…
Grau: Anfänglich hat man die Karten über einen Sponsor und das Radio verramscht. Als es in der Rückrunde lief, wurden dann aber tatsächlich 40.000 verkauft. Kein Wunder, denn es war die erfolgreichste Saison, die die meisten je mit dem Club erlebt haben. Das wird höchstwahrscheinlich so weitergehen. In dieser Sommerpause werden wir den Dauerkartenrekord brechen. (Stadionwelt, 01.08.2006)

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