Neue Auswärtsrekorde in neuen Arenen?

Faszination Fankurve 01.08.2006 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Interview mit Matthias Stein, Fan-Projekt Jena, und Toni Schley, Horda Azzuro

Stadionwelt: Wie bereitet ihr euch auf das „Neuland“ zweite Liga vor?
Stein: Für das Fanprojekt und die älteren Fans ist die 2. Liga kein wirkliches „Neuland“, denn von 1991 – 94 und 1995 – 98 war der FC Carl Zeiss ebenfalls zweitklassig. Momentan ist das Fan-Projekt bemüht, möglichst viel an Informationen einzuholen, z. B. was den Fans in den jeweiligen Stadien erlaubt oder verboten ist. Diese Informationen werden wir auch so breit gestreut wie möglich an die Fanszene weitergeben. Wir werden auch wieder einen Jenaer „Fan-Guide“ zur Saison herausgeben. Je mehr der Fan an Informationen hat, um so sicherer kann er sich beim Auswärtsspiel verhalten, z. B. Fanutensilien, die auswärts untersagt sind, gleich daheim lassen, oder halt das Fan-Projekt um Vermittlung in dieser Sache bitten. Außerdem wird es wohl zu unseren Aufgaben gehören, Aufklärung über unsere Fanszene zu betreiben, da viele Fans und Verantwortliche in den alten Bundesländern „Ost-Fans“ oft mit Randale in Verbindung bringen. Eine gewisse Transparenz kann hier helfen, Vorurteile schon im Vorfeld abzubauen und Vertrauen zu schaffen.

Stadionwelt: Die Debatte um den Standort eurer Heimkurve war eines der zentralen Themen in der abgelaufenen Saison…
Stein: Die Gespräche von Bürger-initiative „Pro Südkurve“, FC und Fan-Projekt mit dem neu gewählten Oberbürgermeister verliefen recht konstruktiv. Der politische Wille, eine Veränderung im Sinne der Fans herbeizuführen, ist offensichtlich vorhanden. Da dies aber aufgrund der Sicherheitsvorschriften mit Baumaßnahmen verbunden sein wird, die Kosten verursachen, wird die Lösung eher mittel- bis langfristig kommen. Ich denke, das wird von den Fans so mitgetragen, wenn am Ende der Entwicklung eine tragfähige Variante steht.

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Bild: Stadionwelt

Stadionwelt: Die Horda Azzuro beteiligt sich, so wie die meisten Ost-Gruppen, nicht an bundesweiten Zusammenschlüssen. Was sind eure Gründe?
Schley: Entweder die behandelten Themen von bundesweiten Fanvereinigungen tangierten uns in der Vergangenheit kaum, oder uns missfiel die im Vorfeld meist viel zu lasch und unkommunikativ geführte Mobilisierung. Wenn man beispielsweise zwei Tage vor einer geplanten Demo von eben dieser erfährt, lässt man die heimische Mobilisierung lieber gleich stecken. Was die Zukunft hinsichtlich solcher Zusammenschlüsse bringt, liegt wohl vor allen Dingen an den Inhalten und der gezielten Mobilmachung.

Stadionwelt: Was erwartet ihr hinsichtlich der Ost-Derbys?
Stein: Bedeutung und Kulisse der Spiele werden größer sein, insofern werden auch Interesse und Brisanz zunehmen, zumal man gegen die Auer seit 2000 und gegen die Rostocker gar seit 1994 kein Punktspiel mehr aus-getragen hat. Auch sieht der jüngere Teil der Fanszene die früheren freundschaftlichen Kontakte ins Erzgebirge nicht so gerne.

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Stadionwelt: Darf nun mit einem starken Anstieg an Auswärtsfahrern gerechnet werden?
Stein: Die Entwicklung bleibt spannend. Vom „Thüringen-Derby“ mit zuletzt 4.000 Jena-Fans am Steigerwald einmal abgesehen, stellten in der Nachwendezeit 3.000 Auswärtsfahrer zum Spiel in Kaiserslautern Jenaer Rekord dar, eine Zahl, die auch vor Jahresfrist beim Relegationsspiel in Neuruppin erreicht wurde. Angesichts der Attraktivität vieler Gegner und Stadien dürften diese Werte einige Male erheblich übertroffen werden. Allerdings wird da sicherlich auch eine gewisse Zahl von „Arena-Touristen“ mit am Start sein, und beim 1860-Spiel auch diverse Oktoberfestbesucher. Es wird eine unserer Aufgaben sein, darauf zu achten, dass hier kein Konfliktpotenzial mit den aktiven Fans entsteht.

Stadionwelt: Stichwort „Gegen den modernen Wessi-Ultra“ – Spaß oder Grundhaltung?
Schley: Die Fahne wurde von uns gemalt, um mit einem kleinen Augenzwinkern die Antwort auf die unserer Meinung nach zu häufigen „Gegen den modernen Fußball“-Fahnen in westdeutschen Stadien zu geben. Einfallslos und abgekupfert wirken diese zumeist, auch sind sie nicht nur für uns kein wirklich ernstzunehmendes Protestmedium. Die Ost-West-Debatte in der deutschen Ultra-Szene wurde da lediglich als Aufhänger genutzt, nicht mehr und nicht weniger. (Stadionwelt, 01.08.2006)

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