„Regularien auf fanfreundliches Level bringen“

Faszination Fankurve 01.08.2006 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Nach einer turbulenten Saison mit vielen Misstönen sind bei Hertha BSC Fans und Verein bemüht, das Kriegsbeil zu begraben. Doch es schwelen bereits neue potenzielle Konflikte, wie die „Harlekins Berlin“ zu berichten wissen.

Stadionwelt: Seit einem Jahr gibt es den Förderkreis Ostkurve. Wie fällt die Bilanz aus?
HB: Insgesamt kann man die Entwicklung als positiv bezeichnen, auch wenn die Resonanz aus der Szene noch größer sein könnte. Er wurde ins Leben gerufen, um neben der Durchführung von Choreos die Zusammenarbeit verschiedener Gruppen innerhalb der Kurve zu fördern. Ihm gehören aber auch viele Einzelpersonen an, die zum überwiegenden Teil in der Ostkurve beheimatet sind. Besonders wichtig ist, dass man es geschafft hat, viele Kräfte auf einer Ebene zu bündeln. Gerade nach den Vorfällen in der Rückrunde war die Motivation für aufwändige Aktionen allerdings im Keller.

Stadionwelt: Ihr meint den Konflikt zwischen Fans und Vorstand?
HB: Ja. Zunächst sollte klargestellt werden, dass die Kritik nicht nur von uns, den Harlekins Berlin, sondern von vielen Teilen der Fanszene ausging, im Endeffekt aber nur auf uns projiziert wurde. Im Zentrum stand der Schuldenberg von mittlerweile circa 50 Millionen Euro und die Art und Weise, mit der dieser scheinbar immer wieder unter den Tisch gekehrt werden sollte. Herr Hoeneß räumte eigene Fehler nicht ein und stellte Kritiker in der Öffentlichkeit oftmals als polemisch dar. Kritische Mitglieder sollten wegen vereinsschädigenden Verhaltens sogar ausgeschlossen werden. Spruchbänder mussten am Stadioneingang abgegeben werden, und es wurden Anmeldefristen für Flyer und Transparente auferlegt. Diese Regularien wieder auf ein fanfreundlicheres Level zu bringen sehen wir derzeit als eines unserer Hauptziele an.

Stadionwelt: Die WM ist vorbei. Blüht nun die Initiative für echte Stehplätze in der Ostkurve wieder auf?
HB: Von einer Initiative in die nächste zu starten wäre mit Sicherheit kontraproduktiv. Außerdem ist der Wille nach Stehplätzen derzeit nicht wirklich elementar, schließlich stehen in der Ostkurve alle, und man hat keine immensen Nachteile durch die Sitze.

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Bild: Stadionwelt

Stadionwelt: Wird die Fankultur à la WM Einfluss auf die Vereinsfankultur in der WM-Hauptstadt Berlin nehmen? Überträgt sich diese Partystimmung ins Olympiastadion?
HB: Viel wird sich wohl nicht ändern. Anscheinend versucht der Verein aber auf die WM-Welle aufzuspringen und verwendet nun den Schriftzug „Berlin 2006“ im Wappen auf den Trikots. Wir finden, das ist der Gipfel der Peinlichkeit.

Stadionwelt: Auf dem Trikot wird das dritte Wappen in drei Jahren zu sehen sein. Ist der neue Entwurf Anlass für Kommerzkritik?
HB: Nur bedingt. Prinzipiell stehen wir Retro-Trikots wie dem aus der Saison 04/05, das originalgetreu dem Berliner Meistertrikot von 1906 nachempfunden und als Ergänzung zu den normalen Trikots eingeführt wurde, sehr positiv gegenüber. Wir waren sogar sehr erfreut, dass der Verein seine Wurzeln nicht vergisst. Der Adler war jedoch nur übergangsweise auf den Trikots zu finden, denn es handelt sich um das Vereinslogo des Berliner SC, der 1923 mit dem BFC Hertha fusionierte und sich 1931 wieder von Hertha trennte. Dieser Adler ist mit dem aktuellen Logo jedoch nicht einmal vergleichbar. Zudem wurde unser Identifikationsmerkmal Nummer 1, die Herthafahne, dafür geopfert. Auf Fanartikeln sind zum Teil nun Blau-Gelb die Hauptfarben.

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Stadionwelt: Zurzeit beschränkt sich der Prostest auf eine Onlinepetition. Werden weitere Schritte folgen?
HB: Das kann man noch nicht genau sagen. Eine wichtige Rolle spielt dabei natürlich, inwieweit der Verein auf die Forderung eingeht und Kompromissbereitschaft signalisiert. Andere Vereine wie beispielsweise Frankfurt oder Cottbus haben es vorgemacht, dass Fans in der Trikotfrage erfolgreich mit einbezogen werden können. Wir hingegen werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Für uns als Fans zählen halt auch ideelle Werte – und das sollte von den Verantwortlichen geachtet werden. (Stadionwelt, 01.08.2006)

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