Stadion- und Megafonverbot

Faszination Fankurve 01.08.2006 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Das Ziel „direkter Wiederaufstieg“ wurde im Breisgau verfehlt – zudem drückten, wie Matthias Günter von den „Natural Born Ultras“ berichtet, weitere Probleme auf die Stimmung.

Stadionwelt: Zum Schluss der Saison hatte der SC Freiburg noch eine kleine Chance auf den Aufstieg. Gab das einen Schub?
Günter: Eigentlich waren es nur die letzten zwei, drei Spiele, wo kurz etwas Euphorie aufkam. Aber das hatte sich genauso schnell wieder erledigt. Von Fanseite her war es ein Muss: zurück in die 1. Liga. Und in der ganzen Saison gab es sehr wenig Euphorie, im Gegenteil: Die Zuschauerzahlen sind bei uns erheblich eingebrochen. Nicht selten waren es unter 10.000, auch wenn bei den offiziellen Angaben die nicht anwesenden Dauerkarteninhaber mitgezählt wurden.

Stadionwelt: Freiburg-Supporter gelten auch nicht gerade als große Auswärtsfahrer…
Günter: Zum einen gibt es ziemlich viele weit entfernte Spiele. Aber auch allgemein sind die Mitfahrer merklich weniger geworden. Kein Wunder, wir waren so ziemlich das schlechteste Auswärtsteam. Ich glaube, wir haben insgesamt in fünf Jahren kaum drei Partien gewonnen. Bei den Älteren hat die Motivation nachgelassen, viele sieht man nicht mehr oft. Und bei den Natural Born Ultras – da haben ja fast 90 Prozent Stadionverbot.

Stadionwelt: Von 20 betroffenen Leuten wegen der Vorkommnisse nach dem KSC-Spiel wurde gesprochen. Wie lange läuft das Verbot, und macht ihr rechtlich etwas dagegen?
Günter: 20 ist richtig. Die Stadionverbote laufen dreieinhalb Jahre – das ist bis zum 30. Juni 2009. In Rechtsfragen wird einiges versucht, ich möchte aber jetzt dazu nichts sagen, es ist ein schwebendes Verfahren.

Stadionwelt: In den Foren las man von Grabenkämpfen innerhalb der Fanszene…
Günter: Auf jeden Fall hatte NBU auch immer viele Gegner. Nach den Stadienverboten gab es beim Support in Mitte Nord Lücken, da wollten dann einige zeigen, dass es auch ohne Ultras geht. Aber ich habe den Eindruck, das schläft schnell wieder ein.

Bild: Marcus Schneegaß

Bild: Marcus Schneegaß

Stadionwelt: Und über die Megafonfrage wurde abgestimmt?
Günter: Der Zusammenschluss der Fanclubs, die Fan-Gemeinschaft, hat das als Umfrage in der letzten Winterpause gemacht. Das Ergebnis war eine knappe Mehrheit pro Megafon. Doch der Verein hat keine Gesprächsbereitschaft signalisiert, und das Megafonverbot gilt weiter. Da schiebt jeder den Schwarzen Peter herum: Der Verein sagt, die Stadt habe das vorgeschrieben, die Stadt verweist auf die Polizei, und die Polizei auf den Verein.

Stadionwelt: Neben solchen Querelen könnte man aber die Verjüngungskur des Teams positiv sehen?
Günter: Ja. In dieser Spielzeit kommen fünf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. So sind es insgesamt acht, die im letzten Jahr Profi Verträge bekommen haben. Damit können sich die Fans sicher besser mit der Mannschaft identifizieren. Das war eine Zeit lang nicht so.

Stadionwelt: Gibt’s denn sonst noch was Positives aus dem Breisgau zu berichten?
Günter: Immerhin scheint jetzt die Vereinsführung zu kapieren, dass es sich lohnt, etwas für mehr Zuschauerinteresse zu tun und Fans anzulocken. Wir waren ja zuvor zehn Jahre lang quasi ausverkauft, Interessierte konnten gar nicht an Karten kommen. Jetzt macht der Club endlich mehr Werbung. Das fängt beim ganz normalen Spielplakat an. Daneben soll es Aktionen mit freien Schülerkarten geben. Und mit dem Kauf einer Dauerkarte hat man jetzt freien Eintritt bei allen Vorbereitungsspielen. Das geht in die richtige Richtung – auch wenn ich glaube, dass in diesem Zweitligajahr der Schnitt kaum steigen wird. Auch von Fanseite soll wieder mehr kommen. Wir werden versuchen, mehr Jüngere zu integrieren und besonders die Zahl der Auswärtsfahrer zu erhöhen.

Stadionwelt: Wie siehst du die neuen Anstoßzeiten?
Günter: Der Anpfiff am Sonntag um 14 Uhr dürfte weniger ein Problem sein. Dagegen ist Freitag 18 Uhr gerade für die Berufs-tätigen schon ziemlich knapp. Und bei Auswärtsfahrten ist das dann richtig problematisch, da braucht man mindestens einen halben Tag Urlaub. Und montags – da ändert sich nichts, Montagsspiele bleiben sehr unbeliebt. (Stadionwelt, 01.08.2006)

Bild: Marcus Schneegaß
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