Manuel Haas von den Phönix Sons blickt zurück auf ein für die KSC-Fanszene eher ungewöhnliches Jahr.
Stadionwelt: Die Karlsruher Fanszene hatte ihre stärksten Momente immer dann, wenn es dem Verein schlecht ging. Wie sieht das jetzt aus, nachdem es nach einigen Jahren im Abstiegsstrudel besser läuft?
Haas: Dass es mal keine Existenzängste gab, hat man an der Grundstimmung gemerkt. Die meisten haben sich zurückgelehnt und sich über eine entspannte Saison gefreut, die am Ende ja noch einmal spannend wurde. Hinzu kam aber auch, dass die Reibereien mit der Polizei einige ermüdet haben und ihnen auch ein wenig die Lust genommen wurde. Den üblichen Platzsturm zum Finale gab es trotzdem, auch wenn er dieses Jahr von der DFL untersagt wurde. Das ist in Karlsruhe einfach ein Ritual, und das lassen wir uns nicht nehmen.
Stadionwelt: In den letzten Monaten eskalierte das Verhältnis zwischen Fans und Polizei so sehr, dass selbst die Supporters Karlsruhe die Kommunikation einstellten. Was muss dazu noch gesagt werden?
Haas: Nichts mehr. Das wird nicht mehr durchgekaut. Wir halten nur den Kontakt, der notwendigerweise gehalten werden muss.
Stadionwelt: Seit der letzten Saison betreibt das Fanprojekt ein neues Fanhaus. Wie wurde es angenommen?
Haas: Es sind nicht unbedingt mehr KSC-Fans als früher da, aber dadurch, dass die Phönix Sons und die Supporters Karlsruhe dort nun ein eigenes Büro haben, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten.
Stadionwelt: Zudem gibt es einen neuen Fanbeauftragten.
Haas: Burkhard Reich, einer unserer Ex-Spieler, der zuvor Leiter des Merchandising war.
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Bild: Norman Schlegel
Stadionwelt: Vielerorts werden Ex-Spieler in dieser Funktion kaum akzeptiert.
Haas: Viele können aber ganz gut mit dem. Das so genannte „Drei-Säulen-Modell“ (Supporters – Fanbetreuung – Fanprojekt) funktioniert, und wenn er die offiziellen Dinge erledigt, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das klappt.
Stadionwelt: In den nächsten Jahren wird der KSC ein neues Stadion bekommen. Wünscht ihr euch dort eine Gegengerade nach bewährtem Karlsruher Muster? Oder drohen Sitzplätze?
Haas: Da ist die Meinung der Fanszene gespalten. Die Idealisten wollen eine Gegengerade, die Realisten gehen nicht davon aus, dass man ein Stadion der heutigen Bauart mit Stehplätzen in diesem Bereich bauen wird. Selbst wenn man das durchboxt, muss man Kompromisse eingehen und beispielsweise großflächige Werbeflächen akzeptieren. Die Supporters Karlsruhe favorisieren deshalb eher eine Hintertortribüne – die paradoxerweise „Gegengerade“ heißen soll –, allerdings mit fanfreundlichen Bedingungen.
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Stadionwelt: Das heißt konkret?
Haas: Viele Freiheiten auf 6.000 bis 8.000 echten Stehplätzen – also keine „Hühnerstangen“, Vorsängerpodest, ausreichend Fahnenplätze, also so wenig Vermarktung wie möglich, Platz für den Container der Supporters Karlsruhe und keine VIP-Logen im Rücken. Dazu mindestens 2.000 Stehplätze für Gästefans, und zwar nicht oben links in der Ecke. Man soll mehr von denen mitbekommen, als es im bisherigen Wildpark der Fall ist.
Stadionwelt: Andere Fanszenen in vergleichbarer Situation – hier sei exemplarisch Aachen genannt – wollen bei der Gestaltung beteiligt sein und formulieren forsch ihre Forderungen.
Haas: So ein Thesenpapier gibt es bei uns seit vier Jahren – damals haben wir es auch im Fanzine „Phönix aus der Asche“ veröffentlicht. Seither liegt es in den Schubladen des Vereins und hat da schon mehrere Manager überdauert. Die Supporters haben nun eine aktuelle Stunde veranstaltet, in der die Anregungen der Mitglieder gesammelt wurden. Die sind nun in einem neuen Thesenpapier berücksichtigt.
Stadionwelt: Wie viel Einfluss werdet ihr nehmen können?
Haas: Wir werden hoffentlich mit am Tisch sitzen. So wie die Zusammenarbeit mit dem Verein bisher läuft, sollte das auch klappen. Wenn man mit den Fans an einem Strang zieht, wird es sicher nicht so kommen, dass wir direkt das erste Spiel im neuen Stadion boykottieren müssen. (Stadionwelt, 01.08.2006)
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