Wer am heutigen Donnerstag bei Sturm Graz Karten erwerben möchte, wird an den Schaltern von ungewohntem Personal bedient. Die Spieler des österreichischen Bundesligisten leisten mit dem Verkauf ihren Beitrag für den von Insolvenz bedrohten Club.
Gut eine Woche ist es her, dass SK Sturm beim Handelsgericht Graz Antrag auf Konkurseröffnung bzw. Zwangsausgleich stellte. Die Fans versuchen unterdessen, Hilfe für den Verein zu organisieren. Dieser Tage erging ein Aufruf und flattert seither durch die virtuelle Welt: „Jetzt zählt’s – Auf ins Stadion!“ lautete die Betreffzeile der entsprechenden E-Mails, verbunden mit der Bitte: „Schickt dieses E-Mails an andere Sturmfans weiter und sorgen wir gemeinsam für ein volles Stadion.“ Georg Kleinschuster vom Fanclub „Grazer Sturmflut“ erklärt im Stadionwelt-Gespräch, wie sein Verein und Fans gemeinsam um das Überleben vom SK Sturm kämpfen.
Stadionwelt: Der SK Sturm steht nach einer über Jahre währenden sportlichen und wirtschaftlichen Krise vor dem Aus. Wie ist der aktuelle Stand?
Kleinschuster: Am Dienstag gab es eine Gläubigerausschusssitzung. Auf dieser hat sich eine Investorengruppe zusammengefunden, der mit Alexander Stangl auch ein Fanvertreter angehört. Sie will den Konkurs auffangen, fordert allerdings die den Rücktritt von Präsident Hannes Kartnig und beansprucht selber drei Posten im Vorstand. Kommt das zustande, wird die Investorengruppe mit ihrem Geld den Spielbetrieb stützen und auf einer noch einzurufenden Generalversammlung den Verein übernehmen. Von Seite der organisierten Fans – Grazer Sturmflut, Brigata Graz und Jewels Sturm – ergeht deshalb der Aufruf, dass jeder, dem etwas an unseren Verein liegt, in den drei Spielen bis zur Winterpause ins Stadion kommt und am besten noch Freunde, Familie oder Kollegen mitbringt. Für den kurzfristigen Fortbestand benötigen wir schließlich Einnahmen aus dem Karten- und Fanartikelverkauf.
Stadionwelt: Eine schlichte, wenn auch effektiv scheinende Idee. Andere Vereine haben Maßnahmen wie Retter-T-Shirts, Blutspendeaktionen oder ähnliches organisiert und wegen der Originalität viel Erfolg damit gehabt.
Kleinschuster: Es gibt da einige Ideen, aber darunter ist noch nichts Spruchreifes. Die Mittel zur vorläufigen Rettung wären ja durch die Investoren auch vorhanden. Es geht in erster Linie darum, allen möglichen Geldgebern zu signalisieren, dass der Verein lebt. Natürlich freuen wir uns auch über das Geld, was in den in den Spielbetrieb fließt.
Die Proteste gegen Präsident Hannes Kartnig halten an: ein Spruchband vom letzten Heimspiel gegen MattersburgBild: Grazer Sturmflut
Stadionwelt: Am kommenden Wochenende kommt mit Altach nicht gerade der attraktivste Gegner nach Graz. Wie viele Zuschauer wären unter normalen Umständen gekommen und wie viele werden es nun sein?
Kleinschuster: Normalerweise so 7.500. Aber bei einer vorsichtig optimistischen Schätzung kann man von einem ausverkauften Haus ausgehen, also von 15.300 Zuschauern.
Stadionwelt: Jahrelang waren sich Fans und Verein spinnefeind. Wie ist es, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht und nun zur Kooperation nahezu gezwungen ist?
Kleinschuster: Das galt und gilt ohnehin nur für den Vorstand. Mit dem Team haben wir uns ja immer schon gut verstanden. Mit dem Masseverwalter (entspricht in Deutschland dem Konkursverwalter, d. Red) haben wir nach ersten Gesprächen auch einen guten Kontakt aufbauen können. Er hat versichert, dass jeder ab jetzt eingenommene Euro nur dazu verwendet wird, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Nichts soll in die Tilgung irgendwelcher Altlasten fließen oder dazu dienen, Funktionäre aus ihren Haftungen zu kaufen.
Stadionwelt: Wie reagiert eigentlich die Fanszene Eures Lokalrivalen Grazer AK? Dramatische Situationen bewirken schließlich manchmal ein Überdenken der Verhältnisse.
Kleinschuster: Sie haben zum Boykott des nächsten Derbys am 11. November aufgerufen. Es wurde zwar Sätze wie „Keinen Euro für Sturm“ ausgesprochen, aber wahrscheinlich geht es da um deren eigene interne Probleme. Ihnen geht es ja kaum besser als uns. Es gibt sicher einige GAK-Sympathisanten, die auch Sturm helfen würden, aber das gilt nicht für deren organisierte Fans. (Stadionwelt, 02.11.2006)
Foto-Update 03.11.2006: Großer Andrang auf der Geschäftsstelle von Sturm Graz. Durch die Mithilfe der Lizenzspieler wurden bis zum Donnerstagabend 12.000 Karten für das Spiel gegen Altach verkauftBild: Grazer Sturmflut
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