Das neu entdeckte Mekka für’s Winterpausen-Hopping

Faszination Fankurve 27.12.2006 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Seit jeher ist die Winterpause Hochsaison für Groundhopper. Von der Anwesenheits-„Pflicht“ beim eigenen Club befreit, war in den letzten Jahren meist England das Ziel hunderter Deutscher. Ein heute immer beleibter werdendes Ziel: Argentinien.

Die beiden HSV-Anhänger Carsten und Steffen aus Hamburg sind der sportlichen Tristesse ihres eigenen Clubs für drei Wochen entflohen und hoffen bei der Reise ins Land der Gauchos sowie nach Chile und Uruguay, dass ihre leidgeprüfte Fußball-Seele neuen Mut fassen kann. „Es ist schon geil zu sehen, wie fanatisch die Fans hier sind», schildern sie ihre Eindrücke im Café Locos por el Fútbol (Cafe für Fußballverrückte), einem beliebten Treffpunkt in Buenos Aires.

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<p class=Abkühlung für heißgelaufene Fans – hier bei River Plate
Bild: Nic Deltort

Die Reise haben sie minutiös geplant und sich vorab im Internet über Spielzeiten, Ticketverkauf und Anreisemöglichkeiten zu den Stadien informiert. „Südamerika ist eine andere Welt, die Stadionbesuche und das Drumherum sind auch Abenteuer“, sagt Carsten, der im Sommer zur Vorbereitung einen Spanisch-Intensivkurs belegt hat. Nicht ohne Grund führt auch die englische Zeitung „The Observer“ in der Liste der 50 Wettkämpfe, die jeder Sportanhänger zumindest einmal im Leben gesehen haben sollte, den „Superclásico“ Boca Juniors gegen River Plate an erster Stelle – noch vor dem Tennis-Finale in Wimbledon oder dem Großen Preis von Monaco in der Formel 1.

Der Versuch, Tickets für ein Heimspiel der Boca Juniors in der mythenumrankten Bombonera an der Stadionkasse zu kaufen, stellt sich als schwieriger als erwartet heraus. „Die reden hier nicht so, wie es in meinem Lehrbuch steht“, sagt Carsten. Wer sich nicht auf sein eigenes Organisationstalent verlassen will, kann seinen Stadionbesuch samt Abholung und Rücktransport ins Hotel aber auch bei speziellen Touranbietern buchen. Wer eine Begleitung der etwas anderen Art wünscht, kann Ausschau halten nach harten Fans, „Barras bravas“ genannt, die Touristen gegen entsprechendes Entgelt mitnehmen. Die gefürchtete Boca-Fangruppe „La Doce“ hat Berichten argentinischer Medien zufolge ausländische Gäste schon für 150 Dollar mitgenommen.

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<p class=Fanatismus, der den meisten Europäern unbekannt ist – hier ein Bild aus Rosario
Bild: Nic Deltort

Zu den Besonderheiten der argentinischen Fankultur hält Reinhard Krennhuber vom österreichischen Fußballmagazin „ballesterer fm“ fest: „Die Gesänge sind variantenreich, sehr melodisch und gehen oft über mehrere Strophen. Die Fans sind ähnlich wie die italienischen Ultras organisiert, verzichten aber auf technische Hilfsmittel wie Megafone.“ Auch wenn die eigene Mannschaft hoffnungslos im Rückstand liegt, nehme die Unterstützung von den Rängen nicht ab. Nicht zuletzt die Spielstätten selbst machten einen großen Teil des Reizes aus: „Die Stadien sind zwar teilweise alt, im Gegensatz zu den europäischen Konsumtempeln steht aber der Fußball im Mittelpunkt.“

Von Argentinien aus können auch Fußball-Ausflüge in die Nachbarländer Uruguay und Chile unternommen werden. Brasilien liegt ebenfalls nahe, doch empfiehlt sich für das Land des fünffachen Weltmeisters eigentlich ein separater Fußball-Urlaub, wie erfahrene Groundhopper meinen. In Uruguay ist alles eine Nummer kleiner, doch auch das hat seine Reize. Die Bindung der Fans an den Club aus dem eigenen Stadtteil ist dort sehr stark zu spüren. Und auch in Chile kann man etwa bei Begegnungen von Universidad Católica oder Colo Colo enthusiastische Fans erleben, die einen Stadionbesuch wert sind. (Stadionwelt/dpa, 27.12.2006)

Ein zehnseitiges Portrait über die Fanszene Argentiniens lesen Sie im Stadionwelt-Magazin Nummer 19

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