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| Gerald von Gorrissen |
Seit September ist Gerald von Gorrissen (29) Leiter der DFB-Fananlaufstelle. Kurzum: er macht den Job des DFB-Fanbeauftragten. Im Interview bilanziert er die ersten Monate und erklärt, was sich Fans von seiner Tätigkeit versprechen können.
Stadionwelt: Was genau stand in der Jobbeschreibung des DFB-Fanbeauftragten?
von Gorrissen: Es gab keine klassische Stellenbeschreibung, wie man sie aus der Zeitung kennt.
Stadionwelt: Und wie sehen die Aufgaben dann aus?
von Gorrissen: Natürlich gab es ein Konzept, aber ich hatte bei der Aufgabengestaltung auch Spielräume. In erster Linie sehe ich die Fananlaufstelle als Kommunikationsplattform, als Schnittstelle zwischen Verband und Fans. Zudem bin ich für die Fan-Betreuung bei Länderspielen verantwortlich und bin der Ansprechpartner für Regionalligisten. Durch meine Arbeit in der „Task Force gegen Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ hat sich ergeben, dass ich auch für untere Ligen zuständig sein werde.
Stadionwelt: Was können sich Fans vom Posten des Fanbeauftragten versprechen?
von Gorrissen: Vor allem, dass es jetzt eine Person gibt, die die Ansichten von Fans gesteuert in den Verband und seine Gremien trägt. Vorher gab es so etwas nicht.
Stadionwelt: Wirst Du auch bei Stadionverboten vermitteln?
von Gorrissen: Nein, ich bin keine Beschwerdestelle. Man darf meine Position nicht mit der im Raum stehenden Ombudsstelle verwechseln.
Stadionwelt: Du selbst warst acht Jahre lang bei Preußen Münster in der Fanarbeit tätig. Gab es aus der Szene Kritik an Deiner Entscheidung, den Job beim DFB anzunehmen, dem noch immer Vorurteile entgegen gebracht werden?
von Gorrissen: Komischerweise gar nicht. Ein paar Sprüche habe ich hier und da natürlich zu hören bekommen, aber die waren allesamt lustig gemeint. Viele Anhänger sehen in meinem Posten eine Chance für Fans.
Stadionwelt: Warum denkst Du, ist ein solcher Posten erst jetzt entstanden? Schließlich bestehen viele Probleme nicht erst seit gestern.
von Gorrissen: Ich habe das Gefühl, dass beim DFB ein grundsätzlich anderes Denken in Bezug auf Fans und Fanthemen eingesetzt hat, was aus Fankreisen auch anerkannt wird.
Stadionwelt: Fast zeitgleich hat die Liga eine ähnliche Stelle geschaffen: Gibt es eine Zusammenarbeit mit Deinem DFL-Pendant Thomas Schneider?
von Gorrissen: Punktuell ja. Zum Beispiel bei der Task Force. Alles in allem unterscheiden sich unsere Aufgabenfelder. Thomas Schneider ist als Fan-Beauftragter der DFL für die Bundesligen zuständig. Ich, wie ich bereits sagte, für die Regionalligen und darunter sowie die Nationalmannschaft. Generell arbeiten wir in klar abgegrenzten Bereichen, tauschen uns aber natürlich aus.
Bild: DFB
Stadionwelt: Stichwort „Nationalmannschaft“. In manchen Kreisen wird der Fanclub ob des Sponsorings und anderer Dinge belächelt bis abgelehnt.
von Gorrissen: Leider wird vielfach der Eindruck vermittelt, dass es sich um eine rein kommerzielle Geschichte handelt, weil Coca-Cola den Fanclub unterstützt. In erster Linie kann durch dieses Engagement der Mitgliedsbeitrag niedrig gehalten werden. Der Fan Club selber besteht mittlerweile aus einem ziemlich aktiven Kreis. Jedes Bundesland hat einen Regionalvertreter. Die organisieren Treffen, bieten Reisen zu Länderspielen an und versuchen mit den Fanszenen vor Ort etwas auf die Beine zu stellen.
Stadionwelt: Gibt es Tendenzen, dass sich auch der „harte Kern“ der deutschen Fanszene an Dich wendet?
von Gorrissen: Ich war früher schon regelmäßig bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft. Daher kenne ich viele Leute. Bisher ist das alles ganz gut angelaufen. Auf Zypern gab es beispielsweise Probleme, weil die Tickets an der Tageskasse teurer waren als im Vorverkauf. Das haben wir regeln können, so dass die Leute die Differenz erstattet bekamen. Das habe ich noch vor Ort vielen mitteilen können. Ich denke, es fällt auf, dass nun jemand vom DFB direkt im Fanblock ist.
Stadionwelt: Kann man zwischen Verband und Fans überhaupt noch vermitteln?
von Gorrissen: Ja, das hat mir erst das Fan-Forum am vergangenen Freitag verdeutlicht.
Stadionwelt: Erzähl doch bitte etwas zum Fan-Forum, das von DFB und DFL ausgerichtet wurde.
von Gorrissen: Es ging darum, den ersten Fan-Kongress im Sommer inhaltlich vorzubereiten. Verschiedene bekannte Fan-Initiativen wurden eingeladen, damit sie ihre Themen und Anregungen mit einbringen konnten. Das Forum hat mir gezeigt, dass es kontroverse Diskussionen gab, sich aber beide Seiten aufeinander eingelassen haben.
Stadionwelt: Du bist seit geraumer Zeit in der Fanarbeit tätig. Lässt sich mit dieser Erfahrung ein Vergleich zwischen früher und heute wagen?
von Gorrissen: Ich denke schon, dass ich das kann. Es ist immer eine andere Subkultur, die im Mittelpunkt steht. Erst waren es die Kutten, dann prägten Hooligans das Bild und jetzt sind es die Ultras. In einigen Städten wie Offenbach haben sie sich aber auch gar nicht durchgesetzt oder bilden sich schon wieder zurück. In Vereinen wie Frankfurt oder auch Karlsruhe sind sie absolut tonangebend. Ich bin gespannt, wer die nächste Generation ist. (Stadionwelt, 5.2.2007)


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