Seit Jahren ist das DFB-Pokalfinale für die beteiligten Fanszenen ein echtes Highlight. Seit einiger Zeit gehört eine Choreographie fast schon zum Standard-Repertoire. Stadionwelt blickt auf die Kurvenshows der letzten Endspiele zurück.
Am 16. Mai 1998 spielten Bayern München und der MSV Duisburg ein Finale, das der FCB kurz vor Schluss für sich entscheiden konnte. Eine Choreo gab es nur auf Seiten der Rot-Weißen, die in der Marathontorkurve standen. Für die Umsetzung bedeutet dieser Standort einige Hindernisse. 1998 war das noch nicht weiter schlimm, weil sich die Pappenchoreo nur über die rechte Seite der Kurve erstreckte.
Ein Jahr später wagten sich die Fans des Rekordpokalsiegers zwar an weiße Pappen, aber immer noch nicht an die Überbrückung des Leichtathletikhindernisses heran. Ihnen gegenüber standen die Anhänger aus Bremen, die mit in den Unterrang heruntergelassenen Pappierrollen optisch an südamerikanische Fanblöcke erinnerten.

Das darauf folgende Finale bestritten erneut Werder und Bayern. Der Anhang aus der Hansestadt präsentierte zwischen den beiden Rängen des Berliner Olympiastadions ein großes Spruchband mit der Aufschrift „Cupfighters“. Die Fähnchen kamen von einem Sponsor. Die Bayern, zum dritten Mal in Folge mit dem Marathontor „gestraft“, erschufen aus roten und weißen Zetteln die Abkürzung des Vereinsnamens.
2001 hatte ein Berliner Team das Pokalfinale erreicht: Union schlug sich wacker, unterlag Schalke letztendlich aber mit 2 zu 0. Eine Blockfahne mit der Aufschrift „Eisern Union“ war im Unterrang zu sehen. Die Fans aus dem Ruhrgebiet begrüßten ihr Team mit weißen Zetteln im Unter- und blauen Zetteln im Oberrang.

Die Königsblauen fanden sich ein Jahr später erneut in der Hauptstadt ein. Ihr Gegner kam aus Leverkusen. Eine große Choreo wurde von den Rheinländern nicht präsentiert: Das Spruchband mit dem Stadtnamen verschwand hinter einer massiven Rauchsäule. Wegen der vielen Spiele und der Organisation der Champions League Fahrten war aus Zeitgründen nicht mehr möglich gewesen. Auf Schalker Seite waren gleich drei große Blockfahnen mit der Aufschrift „Unsere Stadt“, „Unser Verein“ und „Unser Pokal“ zu sehen.
2003 verteilte sich der Bayernblock wieder um das Marathontor herum. Dieses Mal war es allerdings durch eine Stahlrohrtribüne fast geschlossen – nur gab es von roter Seite keine Choreographie zu bewundern. Angesichts der Masse von „neutralen“ Zuschauern in dem zusätzlichen Bereich hätte die Umsetzung ein ziemliches Wagnis dargestellt. Dem Anhang aus Kaiserslautern war das egal: Unter dem Motto „Unser Verein erstrahlt in altem neuen Glanze“ ging der abgekürzte Stadtname aus der Sonne hervor.
Das Jahr 2004 brachte zwei der aufwendigsten Endspiel-Choreos überhaupt: Mit Aachen kehrte eine Fanszene endgültig ins bundesdeutsche Rampenlicht zurück. Für die Fans von Werder war das „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ schon viel eher zur Gewohnheit geworden. Die Fans aus der Hansestadt hatten eine riesige Blockfahne vorbereitet, die eine Mauer mit Graffiti-Kürzeln der einzelnen Gruppen zeigte. Im Oberrang darüber hing ein Spruchband mit der Aufschrift „Wir sind die Wand, die hinter Euch steht“. Auf Aachener Seite hieß es „Eine geile Kurve für eine geile Mannschaft“. Das geschlossene Bild von schwarzen und gelben Papptafeln wurde nur durch einen Baukran inmitten des Marathontors etwas getrübt.

Der Kran war mittlerweile weg, dennoch hatten sich die Bayern 2005 zum wiederholten Mal mit dem Tor herumzuschlagen. Das Problem wurde auf geschickte Weise gelöst: Zwei sich umfassende Hände symbolisierten den Übergang. In den Blöcken links und rechts davon stachen die Meisterschale und der Pokal aus weißen Papptafeln hervor. Die gesamte Aktion stand unter dem Motto „Gute Freunde kann niemand trennen“. Gegner Schalke war ebenso spektakulär: Aus blauen und weißen Papptafeln entstand das Wort SIEG. Wie gegenüber auch fand die Trophäe Eingang in die Choreo.
Ein Teil der Bayern-Fanszene blieb dem letzten Finale aus verschiedenen Gründen fern. Dieses Mal waren die Bayern um den Platz rund um das Tor herumgekommen und bezogen sich in ihrer Choreo sogleich darauf: „Tore gibt es ja viele…Das Siegestor steht in München“. Die Fans der Eintracht aus Frankfurt verkleideten das Marathontor rot, darunter befand sich eine Abbildung des DFB-Pokals. Die Menschen in der Kurve trugen weiße oder schwarze Plastikumhänge. Die mit den weißen schwenkten rote Fähnchen. (Stadionwelt, 24.5.2007)





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