„Die Stimmung im Block war extrem gut“

Faszination Fankurve 01.06.2007 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Carsten Münch ist nicht nur Fan der deutschen Elf, sondern auch Regionalbetreuer des Fan Club Nationalmannschaft für das Ruhrgebiet. Im Gespräch mit Stadionwelt erzählt er von seiner Tätigkeit, dem Spiel in Tschechien und Wembley.

Stadionwelt: Du selbst bist Regionalbetreuer für den Bereich Ruhrgebiet im Fan Club Nationalmannschaft. Was sind deine Aufgaben? Wie viele Regionalbetreuer gibt es? Wie wird man Regionalbetreuer?
Münch: Vor etwa zwei Jahren wurden Betreuer über die Fanclubseite gesucht. Der DFB wollte Leute aus der Szene, die quasi als Mittelsmänner zwischen Verband und Fans fungieren. Deren Arbeit ist zeitlich nicht befristet und absolut ehrenamtlich. Bundesweit gibt es 15 Betreuer, die Reisen organisieren, Fans im Fan Club zusammenführen und so weiter. Die Grundidee des Fan Club war eine weiße Wand im Stadion, also weniger Bundesligafans und mehr Nationalmannschaftsfans, zu haben. Daran arbeiten wir als Regionalbetreuer mit.

Stadionwelt: Der Fan Club hat um die 40.000 Mitglieder. Wie organisiert man eine solche Masse von Leuten, die nur sehr wenig miteinander zu tun haben?
Münch: Die Masse ist ein Problem. Allein im Ruhrgebiet handelt es sich um 15.000 Personen. Es wird versucht viermal pro Jahr regionale Treffen abzuhalten. Einmal pro Jahr gibt es ein überregionales, das dieses Jahr vermutlich in Nürnberg stattfinden wird. Dazu sieht man sich natürlich am Rande der Länderspiele.

Stadionwelt: Zu den Spielen in Deutschland gibt es immer Choreos: Wer bastelt, wer bezahlt?
Münch: Es gibt ein Choreo-Team, das aus ungefähr zehn Fans besteht. Unter anderem sind Leute von S04 beteiligt. Die planen und gestalten die verschiedenen Choreographien. Mit der Bezahlung ist das gänzlich verschieden: Teilweise werden die Aktionen durch Mitgliedsbeiträge finanziert, teilweise unterstützt uns der DFB. Eine kommerzielle Choreo wird es allerdings nie geben. Auch weil der Sponsor das gar nicht möchte.

Eins der vielen Produkte des Choreo-Teams.<br />Bild: Phil.pcl@t-online.de“ loading=“lazy“></p>
<p class=Eins der vielen Produkte des Choreo-Teams.
Bild: Phil.pcl@t-online.de

Stadionwelt: Hast Du bei der WM Spiele gesehen?
Münch: Insgesamt habe ich 16 Spiele gesehen, darunter alle mit deutscher Beteiligung.

Stadionwelt: Gibt es für Mitglieder im Fan Club Nationalmannschaft denn eine Bevorzugung bei der Kartenverteilung?
Münch: Ja, bei der Weltmeisterschaft war es für viele Mitglieder schon möglich an Karten für ein WM-Spiel zu kommen. Einige haben sogar mehrere Spiele gesehen. Ich denke, dass es ein hoher Prozentsatz durch den Fan Club in die Stadien geschafft hat.

Stadionwelt: Hieß es nicht mal, dass die Mitgliedschaft in dieser Hinsicht keine Bevorzugungen bringen soll?
Münch: Früher war das wohl mal so. Mittlerweile ist es aus meiner Sicht so, dass man als „normaler“ Fan schwerer an Karten für Länderspiele kommt, denn wir Mitglieder haben ja ein Vorkaufsrecht. Dauerhaft werden die Mitglieder des Fan Clubs noch weiter bevorzugt werden: Der DFB möchte wissen, wer in seinem Block steht.

Stadionwelt: Wie sieht es mit der Akzeptanz des Fan Clubs bei anderen Fans der Nationalmannschaft aus?
Münch: Die Akzeptanz ist nicht überall voll da. Anfangs hat sich das hauptsächlich am Sponsor Coca Cola festgemacht. Ich selbst war auch zwiegespalten, aber der Fan Club wird immer transparenter. Und die Sponsoren helfen der Fanszene auch.

Stadionwelt: Du selbst warst beim brisanten Länderspiel gegen Tschechien in Prag. Erzähl mal was dazu.
Münch: Die Stimmung im Block war extrem gut, auch der Zusammenhalt war viel besser als beispielsweise in Bratislava. Insgesamt waren um die 3.500 Deutsche im Stadion, davon geschätzte 2.500, die Mitglieder im Fan Club Nationalmannschaft sind. Um das Stadion herum hatte die Polizei alles im Griff und es blieb ruhig.

Der deutsche Block in Prag.<br />Bild: www.cfhh.net“ loading=“lazy“></p>
<p class=Der deutsche Block in Prag.
Bild: www.cfhh.net

Stadionwelt: Und in der Stadt?
Münch: Es waren viele Deutsche unterwegs und es kam zu Auseinandersetzungen mit Tschechen und Engländern.

Stadionwelt: Touristen aus England?
Münch: Ungefähr 800 Engländer waren in Prag, die wegen ihres Quali-Spiels nach Israel wollten, aber nicht landen durften. Die nach Prag umzuleiten, war natürlich mehr als unglücklich.

Stadionwelt: Am 22. August wird Deutschland mit einem Gastauftritt gegen England in Wembley spielen. Das dürfte eines der ganz großen Highlights werden, oder?
Münch: Natürlich ist das für viele ein absolutes Highlight. Leider ist es nicht das erste im neuen Wembley-Stadion, aber dennoch hoffen alle auf ein großes Spiel und sind heiß. Die Nachfrage nach organisierten Reisemöglichkeiten ist immens. Allein aus dem Ruhrgebiet stehen schon jetzt vier Busse fest.

Stadionwelt: Du selbst bist Fan des BVB. Leidet die Tätigkeit als Vereinsfan unter deinem Engagement beim Fan Club Nationalmannschaft?
Münch: Ich fahre zu sehr vielen Dortmundspielen. Mittlerweile ist das ein bisschen weniger geworden. Das hat aber mehr mit beruflichen Dingen als mit dem Fan Club Nationalmannschaft zu tun, weil das Nationalteam ja spielt, wenn die Bundesliga pausiert.

Stadionwelt: Seit einiger Zeit gibt es mit Gerald von Gorrissen einen DFB-Fanbeauftragten. Wie sieht die Zusammenarbeit aus. Oder wer ist der Ansprechpartner für Euch?
Münch: Die Zusammenarbeit mit Gerald von Gorrissen ist noch ausbaufähig. Sein Arbeitsfeld entsteht erst nach und nach. Ein regelmäßiger Austausch existiert bisher nicht, aber bei Problemen kann man sich an ihn wenden. Unser Hauptansprechpartner ist Michael Kirchner vom DFB. (Stadionwelt, 1.6.2007)

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