Aus Ultras Duisburg wird Kohorte Duisburg

Faszination Fankurve 20.06.2007 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Nach circa zehn Jahren erklärten die Ultras Duisburg ihre Auflösung und werden fortan in der Kohorte Duisburg aufgehen. Stadionwelt sprach im Rahmen der Sommerpausen-Interviews mit Andreas Jörißen, der viele Jahre bei den Ultras aktiv war.

Stadionwelt: Die Ultras Duisburg haben sich etwas überraschend aufgelöst. Kannst Du etwas dazu sagen?
Jörißen: Für mich kam das natürlich nicht sehr überraschend. Im Laufe der Zeit haben sich in Duisburg mehrere Ultragruppen oder auch ultraorientierte Gruppen auf verschiedene Weise, beispielsweise als Abspaltung der Ultras Duisburg, entwickelt. In der Kohorte Duisburg, so der neue Name, soll sich das ganze Potential der Szene, also Ultras und auch Unterstützer, sammeln

Stadionwelt: Wie wird sich die Kohorte strukturell darstellen?
Jörißen: In der Kohorte finden sich nicht nur die Ultras Duisburg, sondern auch die Zebrabande und die High Society, die sich ebenfalls aufgelöst haben. Die Zahl der Aktiven in der Kohorte wird sich schätzungsweise auf 50 bis 70 Personen belaufen. Jeder kann Mitglied werden. Halbjährlich muss man sich jeweils neu entscheiden

Stadionwelt: Wird sich die Kohorte durchsetzen können?
Jörißen: ich denke schon, weil Idee und Grundvoraussetzung gut sind. Die Akzeptanz unter der Masse der Stadiongänger für Ultras und ihre Aktivitäten ist da. Vielleicht wird der Name aufgrund des militärischen Hintergrunds ein wenig abschrecken, aber ein größeres Problem erwarte ich deswegen nicht.

Stadionwelt: Dem MSV ist die Rückkehr in die Bundesliga direkt gelungen. Ist die Euphorie überhaupt zu bremsen?
Jörißen: Alles in allem war die Stimmung schon sehr gut. In Duisburg ist Euphorie leider immer sehr von der Leistung abhängig.

Stadionwelt: Welche Höhepunkte gab es?
Jörißen: Am letzten Spieltag zuhause gegen Essen aufzusteigen ist natürlich etwas Besonderes, schließlich ging es auch für die um viel. Das Spiel ist genauso verlaufen wie wir uns das vorgestellt haben und wurde schnell zum Selbstläufer. Wenn 10.000 bis 15.000 Leute in Duisburg beim Fußball „durchdrehen“ ist das natürlich ein Höhepunkt für mich. Aus dem Gästeblock war irgendwann gar nichts mehr zu hören.

Stadionwelt: Ist es denn ruhig geblieben?
Jörißen: Hinter der Nordkurve haben sich nach Spielende etwa 50 bis 100 Essener gezeigt, die sind angesichts der Übermacht aber schnell weggerannt.

Stadionwelt: Hat sich im letzten halben Jahr neben der Auflösung der Ultras noch etwas verändert?
Jörißen: Ja. Seit einiger Zeit haben wir vor dem Heimblock in der Nordkurve zwei Capos mit Megaphonen.

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Bild: Stadionwelt

Stadionwelt: Gibt es da keine Abstimmungsschwierigkeiten?
Jörißen: Auf keinen Fall, weil die beiden ja nicht gegeneinander arbeiten. Sie teilen sich sogar das Podest, stehen vielleicht ein bis eineinhalb Meter auseinander. Mittlerweile haben sie sich gut abgestimmt. Auswärts ist hin und wieder nur ein Vorsänger erlaubt, dann wechseln sie sich ab: Jeder macht eine Halbzeit.

Stadionwelt: Wie sieht es mit Nachwuchs in Duisburg aus?
Jörißen: In der Rückrunde wurden die Jungspunde als Nachwuchsabteilung der Ultras ins Leben gerufen. Natürlich gehen die jetzt ebenfalls in die Kohorte über. Das sind circa 15 Leute, die bereits gute Ansätze zeigen und sich vollkommen in die richtige Richtung entwickeln.

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Stadionwelt: Wird es 2007/08 wie in der letzten Erstligasaison zu jedem Heimspiel eine Choreo geben?
Jörißen: Ich denke, dass das eine einmalige Aktion war, die übrigens sehr an der Substanz der Ultraszene genagt hat. Das war einfach zu viel Arbeit. Deswegen kamen auch einige Abspaltungen zustande. Einige hatten nicht die Zeit, ständig an Choreos zu basteln. Dem Druck wird man sich freiwillig nicht mehr aussetzen, sondern sich wohl eher auf einige besondere Spiele wie Bochum, Schalke oder Dortmund konzentrieren.

Stadionwelt: Die letzte Frage der diesjährigen Sommerpausen-Interviews gebührt dem am Wochenende anstehenden Fankongress. Fährst Du hin? Was hast Du für Erwartungen?
Jörißen: Ja, ich werde am Wochenende in Leipzig sein. Die Frage ist meiner Meinung nach die, wieweit die Funktionäre offen sind, auf die Anliegen von Fans einzugehen. Bei aller Kritik am „modernen Fußball“ und „Kommerz“, sind gewisse finanzielle Dinge einfach nicht zu ändern. Mir geht es zum Teil um kleine Dinge: Zum Beispiel kann es nicht sein, dass man in Duisburg vor der Kurve keine Transparente aufhängen darf, weil dort Werbebanden sind. Die allgemeinen Themen wie Repression und Stadionverbote sind natürlich mindestens ebenso wichtig, auch wenn wir in Duisburg in der letzten Saison davon nicht so extrem betroffen waren wie vielleicht einige andere Fanszenen. Dennoch hoffe ich, dass sich bei den Stadionverbotsrichtlinien etwas ändert. Und die Verantwortlichen müssen sich eingestehen, dass nicht nur Fans Fehler machen. (Stadionwelt, 20.6.2007)

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