„Ich bin mir sicher, dass Fans Gestaltungsmöglichkeiten haben“

Faszination Fankurve 21.06.2007 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

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Volker Goll
Bild: KOS

Vor dem Fankongress am kommenden Wochenende in Leipzig sprach Stadionwelt mit Volker Goll. Der Mitarbeiter der Koordinationsstelle Fan-Projekte (KOS) äußerte sich über Erwartungen, eine geteilte Fußballstadt und polarisierende Personen.

Stadionwelt: Wie stark war die KOS in die Vorbereitungen des Fankonresses eingebunden?
Goll: Von Anfang an. Das erste Treffen fand auf Anregung des DFB zu Beginn dieses Jahres statt. Ich selbst bin als Vertreter der KOS zudem in der Kongressleitung. Die besteht weiterhin aus Gerald von Gorrissen von der Fananlaufstelle des DFB, Thomas Schneider dem Koordinator Fanangelegenheiten der DFL, Prof. Dr. Gunter A. Pilz und Matthias Scheurer von der Interessengemeinschaft Unsere Kurve. Helmut Spahn, der Sicherheitsbeauftragte des DFB, hat den Vorsitz. Es wäre auch absurd gewesen, die KOS nicht einzubinden, weil wir eine Schnittstellenfunktion innehaben. In diesem Bereich ist man doch gut beraten, wenn man sich von uns beraten lässt.

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Stadionwelt: Insgesamt haben sich wohl um die 420 Personen angemeldet. Rund 50 Vereine, teilweise sogar unterhalb der vierten Liga, werden vertreten sein. Wie lässt sich eine derart große Gruppe halbwegs organisieren. Vor allem vor dem Hintergrund, konstruktive Ergebnisse erzielen zu wollen.
Goll: Genau dies wird die Herausforderung sein. Wie konstruktiv der Kongress wird, wird sich erst im Nachhinein herausstellen. Von Anfang gab es eine große Offenheit für sämtliche Vorschläge. Erstaunlicherweise haben sich viele Fans und Fanvertreter bei der Themenfindung zurückgehalten. Methodisch und inhaltlich hätte der Kongress noch voller sein können. Natürlich ist die Zurückhaltung bis zu einem gewissen Punkt auch nachvollziehbar, weil sich ein Feindbild DFB nicht von heute auf morgen auflöst. In Punkto Organisation haben wir die Hoffnung und Erwartung, dass sich die Gruppen absprechen und aufteilen.

Stadionwelt: Was kann aus dem Fankongress entstehen?
Goll: Wir setzen auf mehr Kommunikation. Sprich: Dass es danach zwischen engagierten Fans und den Entscheidern in den Verbänden häufiger zur Begegnungen kommt. Seitens des DFB wurde das bisher genauso kommuniziert, was im Vergleich zu früher schon alleine einen Fortschritt darstellt.

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Stadionwelt: Nun war immer nur die Rede von DFB, wie sieht es mit der Beteiligung der DFL aus?
Goll: In der Hinsicht darf man gespannt sein. Thomas Schneider hat von Beginn an mitgearbeitet, die Anwesenheit von weiteren DFL-Vertretern beziehungsweise Verantwortlichen halte ich für erforderlich.

Stadionwelt: Hast Du gehört, dass es Fangruppen gibt, die sich dem Kongress total verweigern?
Goll: Ja, sicherlich gibt es Leute, die der Meinung sind, ein Gespräch mit dem DFB könne zu nichts führen. Ich bin mir allerdings sicher, dass Fans Gestaltungsmöglichkeiten haben, die sie aber auch in Anspruch nehmen müssen. Erst wenn diese Freiräume versperrt sind, ist Protest auch nachvollziehbar.

Stadionwelt: Gibt es ein beherrschendes Thema?
Goll: An der Stadionverbotsproblematik hängen sicherlich die größten Erwartungen. Aber auch die Datei Gewalttäter Sport ist ein wichtiges Thema, das mit den anwesenden Polizeivertretern direkt vor Ort besprochen werden müsste. Möglicherweise wird das mit zuständigen Beamten der ZIS stattfinden, obwohl ich diesbezüglich eine gesonderte Veranstaltung für sinnvoller halte.

Stadionwelt: Das Rahmenprogramm ist auch reichhaltig…
Goll: Ja, es gibt Lesungen und Filmvorführungen. Bemerkenswert finde ich, dass Sachsen und Lok Leipzig zwei getrennte Veranstaltungen organisiert haben. Für den Transfer zwischen den Veranstaltungen soll ein Shuttle-Bus eingesetzt werden. So können wenigstens die Kongressteilnehmer die „Grenzen überwinden“. Aber das spiegelt natürlich die Lage des Fußballs in Leipzig wieder.

Stadionwelt: Birgt die Einbindung von Professor Gunter A. Pilz möglicherweise ein Risiko? Innerhalb der Szene wird an ihm viel Kritik geübt.
Goll: Gunter Pilz hat sich in der Vorbereitung des Fankongresses ebenfalls für Rahmenbedingungen eingesetzt, die einen transparenten und kritischen Dialog ermöglichen. Das war absolut konstruktiv: Zum Beispiel erinnerte er stets daran, dass relevante Verbandsvertreter in zeitlich angemessenem Umfang in Leipzig dabei sein müssen, um sich der Kritik der anwesenden aktiven Fans zu stellen. (Stadionwelt, 21.6.2007)

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