„Wir werden unseren wackeren Weg darstellen“

Faszination Fankurve 29.02.2008 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Dieser Tage ist ein Buch über die Fans, speziell die Verrückten Köpfe, des FC Wacker Innsbruck erschienen. Im Interview mit Stadionwelt äußert sich Autor Tommy Gaßler zu „FC Wacker Innsbruck…wir werden sterben für euch!“ und der Fanszene des Bundesligisten.

Tommy Gaßler ist Gründungsmitglied der Verrückten Köpfe, war Vorsänger auf der Nordtribüne des Tivoli und zudem Obmann beim FC Wacker Innsbruck.

Stadionwelt: Das Buch ist zum 17-jährigen Bestehen der Verrückten Köpfe erschienen. Normalerweise passiert so was zum zehn- oder 20-jährigen Bestehen einer Gruppe.
Gaßler: Die 17 ist eine Insidergeschichte. Ich weiß gar nicht so genau, ob ich das erzählen soll. Eine der ersten Choreos lautete schon 117 % VK. Zurück geht die Zahl auf unsere Schulzeit. Es gab einen lispelnden Mathelehrer, der die 17 besonders schön ausgesprochen hat. Damals war das ein running gag. Deswegen war klar, dass es zum 17. Geburtstag Aktionen geben würde. Die nächste Feier findet dann zum 117-jährigen Bestehen statt.

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<p class=Wacker-Fans in Salzburg.
Bild: Patrick Seitz

Stadionwelt: Teil der vielen Aktionen ist das bereits erwähnte Buch. Kannst Du etwas dazu erzählen?
Gaßler: Ich finde, dass die vielen englischen Hooligan-Bücher an Langweiligkeit kaum zu überbieten sind. Ich wollte ein Buch, das – wie die Ultras im Stadion – kreativ ist. Deswegen habe ich mir viele Gedanken gemacht. Letztendlich habe ich mich für das Genre der Novelle in Tagebuchform entschieden.

Stadionwelt: Also handelt es sich um ein fiktives Buch?
Gaßler: Fiktive und reale Ereignisse sind miteinander verknüpft. Die Grenzen verschwimmen. Die Leser sollen sich fragen, was wahr und was nicht wahr ist. Antworten gibt es natürlich keine. Selbstverständlich hangelt es sich an den Höhepunkten der Innsbrucker-Szene entlang. Alles in allem soll man es als Hommage an die guten alten Zeiten verstehen.

Stadionwelt: Vorgestellt wurde das Buch am 22. Februar, oder?
Gaßler: Das stimmt und zwar im Kulturcafé Propolis in Innsbruck. Dabei wurde nicht nur das Buch präsentiert, sondern auch das dazugehörige Theaterstück, ein Monolog, uraufgeführt. Zudem gab es Interviews und so weiter. Insgesamt waren um die 80 Leute – jung und alt – von den verschiedensten Gruppen da.

Heimspiel gegen Rapid Wien.<br />Bild: Andreas Dietrich & Thomas Karlik“ loading=“lazy“></p>
<p class=Heimspiel gegen Rapid Wien.
Bild: Andreas Dietrich & Thomas Karlik

Stadionwelt: Nun handelt das Buch über die Fans des FC Wacker. Wie stellt sich die Szene im Jahr 2008 denn deiner Meinung nach dar?
Gaßler: Mit Tivoli Nord existiert eine Art Dachverband, dem die vier wichtigsten Fanclubs angehören. Die größten Gruppen sind dabei die Verrückten Köpfe und Nordpol Innsbruck. Etwas kleiner sind die I Furiosi, ein tirolweiter Fanclub, der seit 2000 besteht und aus Wien die Green Black Danube. Zusätzlich dazu gibt es das W-Team, ehrenamtlichen Mitarbeiter des FC Wacker Innsbruck, das gerade zum e.V. wird. Die Mitglieder dieses Fanvereins setzen beispielsweise Dinge wie die Homepage des Clubs um. Mit dem Wackerladen betreiben Leute aus der Szene den offiziellen Fanshop. Der Erlös kommt dem Club zugute, aber auf die Art und Weise ist gesichert, dass die angebotenen Vereinsartikel gut aussehen.

Stadionwelt: Die Verrückten Köpfe werden 17. Andere Ultragruppen in Österreich sind vergleichbar früh gegründet worden. In Deutschland sind die Gruppen noch sehr viel jünger. Hat Ultra-Österreich Ultra-Deutschland in dieser Hinsicht etwas voraus?
Gaßler: Ich denke schon, dass wir Deutschland in vielen Dingen einen Schritt voraus sind. Natürlich lachen auch wir über unseren Fußball, wenn es um Themen wie das spielerische Niveau oder dauernde Namenswechsel geht. Einzig die organisierte Fanszene dürfte international auf einem hohen Level sein. Wir sind nach den Ultras Rapid, die sind von 1988, die zweitälteste Gruppe im Land. Andere ultraorientierte Szenen wie Austria Wien oder Graz sind bald gefolgt. Ultra in Österreich hat sicherlich auch viel mit der Nähe zu Italien zu tun. Städte wie Bergamo sind aus Österreich sehr schnell erreichbar. Dazu haben viele Italienisch in der Schule gelernt, so dass man nicht nur die Kurven gesehen, sondern auch die Hintergründe einfacher durchschauen konnte.

Stadionwelt: Pflegt Ihr Freundschaft zu italienischen Gruppen?
Gaßler: Es gibt freundschaftliche Kontakte zu den BNA aus Bergamo. Jedes Jahr nehmen wir beispielsweise an einem mehrtägigen Zeltfest teil, das in Bergamo stattfindet. Auch mit den Freak Brothers aus Ternana besteht eine Freundschaft.

Stadionwelt: Und wie sieht es mit deutschen Gruppen aus?
Gaßler: In Deutschland ist die freundschaftlichste Verbindung die zu den Ultras Frankfurt. Gerne sind aber auch Fans aus St. Pauli bei uns auf dem Tivoli gesehen. Wir nehmen regelmäßig an deren Turnier teil.

Stadionwelt: Die Szenen der Clubs in Österreich stellen sich höchst unterschiedlich dar….
Gaßler: Das stimmt: Zum einen gibt es kleine Dorfvereine wie beispielsweise Ried, deren Szene eine wirklich gute Entwicklung genommen hat. Bei anderen, hier kann man Altach oder Lustenau nennen, ist das nicht der Fall. Dann gibt es mit Red Bull Salzburg einen Kommerzverein mit verschenkten Dauerkarten und bestochenen Fans, die allerdings auch schnell pfeifen, wenn der Club nicht so spielt wie sie sich das vorstellen. Zu guter Letzt sind da natürlich noch die traditionellen Clubs. Dieses Jahr ist mit LASK Linz ein solcher endlich wieder aufgestiegen.

Vorgestern gegen Austria Wien gab es eine Pyroshow mit 15 Bengalen.<br />Bild: Verrückte Köpfe“ loading=“lazy“></p>
<p class=Vorgestern gegen Austria Wien gab es eine Pyroshow mit 15 Bengalen.
Bild: Verrückte Köpfe

Stadionwelt: Letzter Punkt soll die bevorstehende EM sein. Wie stehst Du dazu?
Gaßler: Ich glaube, man sollte zwischen Vorfeld und der EM selber differenzieren. Die Polizei führt derzeit einige sinnlose Maßnahmen testweise durch. Die Sicherheitsvorkehrungen werden merklich strenger, Strafen leichter als zuvor ausgesprochen. Zum Beispiel kann es plötzlich ein Problem geben, wenn man eine Bengale anzündet. Das war offiziell zwar immer verboten, wurde aber grundsätzlich geduldet. In der Berichterstattung ist selbst bei kleinsten Dingen oft von Hooligans die Rede. Auf der anderen Seite ist die Europameisterschaft in Innsbruck für den Club und die Szene eine große Chance. Viele aktive Szene-Mitglieder sind voll eingebunden, weil wir die Fanbotschaft machen. Es wird während der Dauer des Turniers eine alternative Liga namens LISA geben. Das bedeutet Liga für Integration, Sport und Antirassismusarbeit. Kurz: Es herrscht schon eine gewisse Vorfreude und wir werden unseren wackeren Weg darstellen. (Stadionwelt, 29.2.2008)

„FC Wacker Innsbruck…wir werden sterben für euch!“ im Stadionwelt-Shop

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