„Allerdings halten wir uns bei den Spielen eher zurück“

Faszination Fankurve 25.04.2008 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Durch die EM-Auslosung ist Klagenfurt verstärkt ins Blickfeld deutscher Fans gerutscht. Der Clubfußball selber machte in der letzten Zeit Schlagzeilen, weil der SV Pasching dorthin transferiert wurde. Stadionwelt sprach mit Mario Zolle von den Amigos Kärnten.

Stadionwelt: Um die Geschichte der Fans in Kärnten zu verstehen, muss man auch die Geschichte der dort ansässigen Vereine kennen, oder?
Zolle: Das stimmt. 1920 wurde Austria Klagenfurt als Kaufmännischer Sportverein gegründet. Der Club spielte viele Jahrzehnte in violett-weiß. Aufgrund einer Spielgemeinschaft mit dem Villacher SV ist er 1997 in FC Austria/VSV umbenannt worden. Zwei Jahre später folgte eine erneute Umbenennung in FC Kärnten. Dabei wurden die Kärntner Landesfarben gelb, rot und weiß als neue Vereinsfarben gewählt. 2001 gelang dem Club der Aufstieg in die erste Liga, man gewann den Pokal und spielte mehrfach im Europapokal. Dieser Club spielt derzeit in der zweiten österreichischen Liga.

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Wörtherseestadion: Hier spielt Pasching-Nachfolger Austria Kärnten. Und bei der EM die deutsche Mannschaft.
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Stadionwelt: Und was ist mit Pasching?
Zolle: Weil das EM-Stadion gebaut wurde und viele Leute der Ansicht waren, dass es der FCK sportlich nicht in die erste Liga schaffen würde, kam man auf die Idee, den SV Pasching nach Klagenfurt zu transferieren, um im neuen Stadion einen Bundesliga-Club zu haben. Der spielt jetzt im Wörtherseestadion unter dem Namen SK Austria Kärnten. Die Farben sind schwarz und weiß. Der FC Kärnten trägt seine Heimspiele demgegenüber weiter in einer kleineren Arena, die vielleicht 3.500 Zuschauer fasst, dem Sportzentrum Fischl aus.

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Stadionwelt: Und Du selbst bist von Fan von…
Zolle: Ich selbst gehe seitdem ich ein Kind bin zur Austria. Also dem Club, der heute in der zweiten Liga spielt und FC Kärnten heißt. 1995 hat sich unser Fanclub die Amigos gegründet. Wie sind ein eingetragener Fanclub des FCK.

Stadionwelt: Und wie steht ihr zu dem „Pasching-Club“, der plötzlich in Klagenfurt spielt?
Zolle: Ein Großteil von uns geht zu den Spielen. Ich bin ebenfalls oftmals da. Allerdings halten wir uns bei den Spielen eher zurück. Es hat sich mit der Gründung des SKA ein eigener offizieller Fanclub gegründet, die Löwen. Andere wie die Tigers oder die Optimisten unterstützen das Team. Wir halten uns wie gesagt zurück. Das sieht beispielsweise so aus, dass unsere Amigos-Zaunfahne bei Spielen im Wörtherseestadion nicht regelmäßig hängt. Ich persönlich trage auch keinen schwarz-weißen Schal, sondern unsere Schals in gelb-rot-weiß, den Farben unseres Bundeslandes Kärnten.

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Fans des FC Kärnten beim Spiel gegen Kapfenberg.
Bild: amigos.fckaernten.com

Stadionwelt: Also schlägt das Herz für den FCK und nicht für Austria Kärnten?
Zolle: Es schlägt für den Kärntner Fußball und natürlich in erster Linie für den FC Kärnten. Zwar sind wir bemüht, auch SK Austria als Vertreter Kärntens in der ersten Liga in einem gewissen Rahmen zu unterstützen, das darf aber nicht auf Kosten des FCK gehen. Uns ist es in diesem Zusammenhang wichtig, dass die Eigenständigkeit und Identität des FC Kärnten als Nachfolgeverein der ehemaligen Klagenfurter Austria langfristig erhalten bleibt.

Stadionwelt: Zeitweilig bestand die Möglichkeit, dass es in der nächsten Saison zu einem Zweitliga-Derby in Klagenfurt hätte kommen können. Nun hat Austria die Klasse gehalten…
Zolle: Der Klassenerhalt von Austria Kärnten hat natürlich bei den meisten Kärntner Fußballfans so kurz vor der Euro Freude ausgelöst. Von einer richtigen Euphorie wie zu besten Zeiten der Klagenfurter Austria in den 80er Jahren beziehungsweise. des FC Kärnten vor einigen Jahren kann man glaube ich aber nicht sprechen. In dieser Situation appellieren wir von Seiten des Fanclub Amigos auch eindringlich an die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger im Land Kärnten und in der Stadt Klagenfurt den FC Kärnten, den bisher wohl erfolgreichsten Fußballverein unseres Landes, nicht zu vergessen.

Stadionwelt: Da dein Herz vor allem für den FCK schlägt, hätte die Zugehörigkeit beider Clubs zu einer Liga vermutlich das Ende deiner Unterstützung des Pasching-Nachfolgers bedeutet, oder?
Zolle: Ich denke, dass das meinen Abschied bei dem Verein bedeutet hätte. Auswärts fahre ich sowieso nur ganz selten mit Austria Kärnten mit. Alles in allem wäre es für Klagenfurt und Kärnten vielleicht nicht schlecht, wenn die beiden Vereine in irgendeiner Form zukünftig zusammenfinden würden. Nun wird es wichtig sein, dass auch der FC Kärnten mit seinem jungen aufopfernd kämpfenden Team rund um Nenad Bijelica, den man in der deutschen Bundesliga ja auch aus seinen Zeiten bei Kaiserslautern noch kennen dürfte, den Klassenerhalt in der zweiten Liga schafft. Dann heißt es zusätzlich noch das Lizenzverfahren der Bundesliga zu überstehen. Das dürfte neben der sportlichen Qualifikation auf Grund der aktuellen Situation fast das schwierigste Match für den FCK werden.

Stadionwelt: Wie sind die Zuschauerzahlen der beiden Clubs?
Zolle: Beim FC Kärnten sind sie auf Grund der neuen Situation leider etwas eingebrochen. Alles in allem liegen sie etwa zwischen 500 und 1.000. Zu Austria Kärnten gehen natürlich deutlich mehr. Es kommen in der Regel 10.000 bis 15.000. Das hängt aber auch mit vielen Freikartenaktionen zusammen, die in und um Klagenfurt durchgeführt werden.

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Heimspiel von Austria Kärnten gegen Mattersburg.
Bild: amigos.fckaernten.com

Stadionwelt: Und vermutlich auch mit dem neuen Stadion, das bei der EM zwei Spiele der Deutschen Nationalmannschaft sieht.
Zolle: Sicherlich hat das damit zu tun. Architektonisch ist das Wörtherseestadion aus meiner Sicht ein Hit. Noch fehlt das Leben. Zum Beispiel gibt es keinen Fantreffpunkt wie ein Vereinslokal Außerdem ist der Rückbau nach der EM hier immer wieder ein Thema.

Stadionwelt: Stichwort Europameisterschaft: Klagenfurt hat Spiele aus der Gruppe erwischt, die aus der Sicht vieler am Brisantesten ist. Herrscht in der Stadt eher große Vorfreude oder große Angst?
Zolle: Sicherheit ist natürlich das große Thema in Klagenfurt. Das Budget wurde erhöht und die Diskussion wird sich, umso näher das Turnier rückt, noch weiter zuspitzen.

Stadionwelt: Und wie ist deine persönliche Vorfreude…
Zolle: Ich freue mich auf jeden Fall, dass Klagenfurt ein EM-Austragungsort ist. Positive Erwartungen müssen sein. Wir stehen in Kontakt mit „Österreich am Ball“. Das ist eine Initiative, die das öffentliche Bewusstsein für die EM verbessern soll

Stadionwelt: Zu guter Letzt: Was kannst Du an touristischen Tipps für Klagenfurt und die Region geben?
Zolle: Der Großteil wird sich im Zentrum abspielen. Dort gibt es etliche Lokalitäten. Auch rund um den Wörthersee, also in der Nähe des Stadions, gibt es genug Möglichkeiten. (Stadionwelt, 25.4.2008)

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Wörtherseestadion: Hier spielt Pasching-Nachfolger Austria Kärnten. Und bei der EM die deutsche Mannschaft.
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Fans des FC Kärnten beim Spiel gegen Kapfenberg.
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Heimspiel von Austria Kärnten gegen Mattersburg.
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