Sparta Prag ist der erfolgreichste Club Tschechiens. Der Rekordmeister kann sich dabei auf eine große Anhängerschaft verlassen, die nicht allein aus der tschechischen Hauptstadt stammt. Im Interview äußert sich Otto, langjähriger Sparta-Fan, über den Hauptstadtclub.
Stadionwelt: Erzähl uns bitte kurz etwas über Sparta Prag.
Otto: Prag selber hat mehrere Erstligavereine. Sparta ist ein traditioneller Verein, der 1893 gegründet wurde. Sparta ist tschechischer Rekordmeister und gilt als größter Club des Landes. Unter anderem hat er Spieler wie Koller und Rosicky hervorgebracht.
Stadionwelt: Hat Sparta den landesweit größten Anhang?
Otto: Das kann man so sagen. In der abgelaufenen Saison, die wir hinter dem Stadtrivalen Slavia als Zweiter beendet haben, hatten wir einen Zuschauerschnitt von circa 8.000 bis 9.000. Immerhin haben wir noch den Pokal gewinnen können. In der Vorsaison beim Doublegewinn lag der Schnitt bei 14.000. Sparta-Fanclubs gibt es nicht nur in Prag, sondern sind über ganz Tschechien verteilt.
2005/06: Heimspiel gegen Jablonec.Bild: Southerner
Stadionwelt: Was für relevante Fangruppen existieren bei Sparta?
Otto: Es gibt keine Kutten wie in Deutschland. Natürlich existieren einige Ultragruppen. Ultras und Hooligans sind in Tschechien aber nicht derart getrennt wie das zum Beispiel in Deutschland der Fall ist. Die Ultras Sparta sind keine Organisation, die nach festgelegten Regeln handelt. Es ist eher eine Art loser Zusammenschluss, unter dem Dinge wie Choreos organisiert werden. Für den klassischen Fanblock benötigt man einen Ausweis, den der Verein ausstellt. Um ihn zu erhalten, muss man älter als 15 Jahre sein. Spielabhängig können dort zwischen 100 und 600 Fans stehen. Ich selbst war 1996 an der Gründung der ersten Fangruppe beteiligt. Vorher gab es keine wirklichen Fanclubs. Wir waren auch für das erste Fanzines, erste Ultraschals, erste Banner und die erste Choreo verantwortlich. Zum Champions League-Spiel gegen Bordeaux haben wir Pappen und Luftballons gezeigt.
Stadionwelt: Welche Vereine können sich neben Euch über eine gute Unterstützung verlassen?
Otto: Banik Ostrau hat viele Fans. Durch eine Neugründung gibt es mittlerweile zwei Bohemians Prag. Der Club von 1905 zieht viele linke Fans an und hat einen guten Zuschauerschnitt. Das Stadion ist immer voll. Auch FC Brno kann sich auf ein großes Potenzial verlassen
Stadionwelt: Was pflegt Ihr an Freundschaften?
Otto: Sparta hat keine richtige Freundschaft. Es gibt allenfalls Kontakte zum FC Nitra und Košice aus der Slowakei sowie den Münchner Löwen. Früher auch zu Union Berlin. Andere Clubs pflegen Hoolfreundschaften. Brno und Slovan Bratislava machen zum Beispiel gemeinsame Sache. Da sind auch Pilsen und der Viertligist FC Klatovy dabei. Banik Ostrau unterhält Verbindungen zu GKS Kattowitz aus Polen.
Sparta-Fans beim Stadtderby gegen Slavia in der letzten Saison.Bild: www.almtraumpaderborn.de
Stadionwelt: Bei den Feindschaften dürfte der Stadtrivale Slavia weit vorne liegen, oder?
Otto: Sportlich ist Slavia natürlich der Erzrivale. Fantechnisch haben die sich in den letzten Jahren entwickelt – jetzt können sie mithalten. Deren Szene wächst. Auch Bohemians ist bei Sparta ein großes Thema, weil viele Hools und Ultras aus dem Sparta-Umfeld eher rechts sind. Auf Hoolebene gilt Ostrau als großer Feind. Dadurch, dass es sich um eine große Agglomeration handelt, in der nur ein Club existiert, hat Banik ein sehr großes Potenzial. Und die hassen Prag.
Stadionwelt: Wie sieht der Support in tschechischen Stadien aus?
Otto: Der hängt stark von den Spielen ab, ist aber nicht mit der Bundesliga vergleichbar. Natürlich gibt es Choreos und so. Das Spiel auf das alle schauen, also das wichtigste Spiel des Jahres, ist das Prager Derby zwischen Sparta gegen Slavia.
Stadionwelt: Ist der Einsatz von Pyrotechnik erlaubt oder wenigstens geduldet?
Otto: Bei internationalen Spielen natürlich nicht. Auch in der Liga wird es leider immer weniger, ist nach Absprachen aber immer noch möglich.
Stadionwelt: Wie sieht es mit Auswärtsfahrten aus?
Otto: Die Masse hängt extrem vom Gegner ab. Kürzere Strecke werden mit dem Auto bewältigt, meistens wird aber mit dem Zug gefahren. Die Entscheidung darüber wird auch von den Gefahren abhängig gemacht. Bei wichtigen Partien können auch mal 2.000 bis 3.000 Sparta-Fans fahren. 1993 sind um die 3.000 Sparta-Fans in Parma gewesen. Das Derby gegen Slavia werte ich dabei nicht als Auswärtsspiel, da haben wir das halbe Stadion, also 10.000 Plätze.
Stadionwelt: Wie sieht es mit Gewalt aus?
Otto: Das nimmt ab, weil immer mehr Polizei in und um die Stadien zu finden ist. Vieles läuft auf der Wald-und-Wiese-Schiene ab. Bei Sparta gegen Banik war erstmals ein Richter im Stadion, damit Personen, falls notwendig, sofort abgeurteilt werden können. Das soll jetzt wohl immer der Fall sein.
Nach Absprachen ist der Einsatz von Pyro in Tschechien erlaubt.Bild: www.borussia-world.de
Stadionwelt: Hierzulande ist das Wort Kommerz in aller Fanmunde. Ist das ein Problem mit dem sich Fußballfans in Tschechien ebenfalls auseinandersetzen müssen? Wenn ja in welchem Maße?
Otto: Deutschland ist das große Vorbild für den tschechischen Fußball. Was bei Euch los ist, kommt hier langsam auch: Alkoholverbot, komplett vermarktete Stadien, überall entstehen Sitzplätze, alles wird teurer.
Stadionwelt: Was kostet der Eintritt?
Otto: Umgerechnet vielleicht 3,50 Euro. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass die Leute wesentlich weniger verdienen.
Stadionwelt: Spielt die Nationalmannschaft in der aktiven Szene eine Rolle?
Otto: Ich sehe eine Entwicklung wie in Holland. Echte Fans gehen nur sehr wenige hin. In den 90ern haben sich die aktiven Gruppen bei der Nationalmannschaft noch getroffen und haben das Team gemeinsam unterstützt. Das lief friedlich ab. Mittlerweile ist die Nationalmannschaft reiner Kommerz und zieht eine andere Art Publikum an. (Stadionwelt, 23.7.2008)
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