Keine Winterpause, Anpfiff um zwölf Uhr mittags und Vereine in den Händen ausländischer Investoren. England ist die Heimat des modernen Fußball. Stadionwelt sprach mit Mike Adams vom FC United of Manchester über ihren „Punk-Fußball“.
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Punk – Football. Ein Hauch von Anarchie weht durch die Stadien der unteren Ligen.
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Stadionwelt: Ihr habt euch bekanntlich nach der Übernahme Eures geliebten Vereins durch Malcom Glazers gegründet und wolltet wieder echten Fußball genießen. Wie schwer fiel Euch damals der Schritt und habt ihr es jemals bereut?
Mike Adams: Für mich persönlich war es nicht so schwierig, wie wahrscheinlich viele denken. Denn es zeichnete sich schon vorher ab. Die Spielbesuche vor der Gründung des FC United of Manchesters waren eine seelen- und freudenlose Erfahrung. Es fühlte sich an, als ob der „Kampf“ langsam aber sicher, verloren ist. Selbst die Kampagnen und Aktionen der IMUSA (Anm. d. Red. Independent Manchester Supporters Association – Unabhängige Vereinigung der Supporter von Manchester United FC) zeigten keinerlei Wirkung mehr.Im Vorfeld der Übernahme von Manchester United FC durch einen Investor nahm man bei allen United Supporters den Willen und auch die Kraft wahr, gemeinsam gegen den Investor zu demonstrieren. Wir fühlten uns wie eine Einheit, die nichts zu verlieren hatte. Doch als die Unterschrift unter dem Übernehmavertrag stand war die gesamte Kraft verschwunden. Wir waren quasi gelähmt und begriffen ziemlich schnell, dass die Schlacht verloren war. Der FC United of Manchester war dann für uns der natürliche Weg weiter gegen diese Übernahme und vor allem gegen diese Art des modernen Fußballs zu protestieren.
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Stadionwelt: Wie is der aktuelle Stand der Dinge, gibt es eigentlich so etwas wie Zusammenarbeit zwischen dem FC United of Manchester und Manchester United FC?
Mike Adams: Leider kann ich hier keinerlei positive Antwort geben. Auf Vereinsebene gibt es keinerlei Kontakte zwischen uns und Manchester United FC. Es verwundert aber auch nicht, wenn man bedenkt, dass ein Sir Alex Ferguesson sich immer wieder negativ über unseren Verein und unsere Vereinsführung äußerte. Unglücklicherweise trieben diese Äußerungen einen Keil zwischen Hardliner der beiden Vereinen. Aber ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass der Großteil von „United“ keinerlei Antipathie gegen den Manchester United FC hegt. Denn wir alle waren, sind und werden ewig Fans von Manchester United FC bleiben.
Pioniere nicht, aber Vorbilder gerne. Der FCUM basiert auf seinen Fans.
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Stadionwelt: In den letzten Jahren gab es in Europa eine Handvoll Neugründungen oder Übernahmen von Vereinen durch die Fans. Habt ihr jemals damit gerechnet,dass ihr so eine Vorreiterrolle einnehmen werdet?
Mike Adams: Wir müssen fair sein und die Lorbeeren weitergeben. Die echten Vorreiter diesbezüglich waren die Jungs vom AFC Wimbledon. Wir haben enorm viel von ihnen gelernt und profitiert. Ohne sie wäre die Gründung sehr viel schwerer gewesen, als sie war. Wir hoffen jedoch, dass unser Model, und auch das vom AFC Wimbledon, weiterhin vielen Fans als Beispiel dient. Es muss eine Pflicht sein, gegen diese Art des Fußball zu protestieren und aktiv dagegen vorzugehen.
Stadionwelt: Gibt es eventuell Kontakte zwischen Euch und dem Fanverein aus Liverpool, AFC Wimbledon und Ebbsfield oder gebt Ihr bei solchen Vorhaben Hilfestellung?
Mike Adams: Ich persönlich habe keine Kontakte zu Liverpool oder Ebbsfield. Nur nach Wimbledon gab es die bereits oben erwähnten Verbindungen in der Anfangszeit. Ich hoffe natürlich, dass die Klubs erfolgreich sind und es schaffen. Beim AFC Liverpool habe ich allerdings erhebliche Bedenken bezüglich der Langlebigkeit des Vereins, da mir ihre „raison d`etre“ nicht wirklich schlüssig ist. Grundsätzlich ist es aber schwierig, anderen Clubs als Club mit Mannschaften im Spielbetrieb richtig aktive Hilfe zu geben. Dafür fehlt einfach die Zeit.
Stadionwelt: Wie sieht Euer Verwaltungsapparat aus? Ihr spielt in der Northern Premier League und lockt im Schnitt 4.000 Zuschauer ins Stadion. Ist der FC United of Manchester ein Full-Time Job geworden?
Mike Adams: Der FC United of Manchester hat genau zwei Vollzeitbeschäftigte. Das sind unser Manager und dessen Sekretär. Der Rest setzt sich Teilzeitbeschäftigten und ehrenamtlichen Helfern, die uns an Spieltagen tatkräftig unterstützen, zusammen.
Die Fans folgen ihren Verein auch gerne zu internationalen Spielen.
Bild: www.fcumick.me.uk
Stadionwelt: In den vergangenen Jahren habt ihr auch ein paar mal in Deutschland gespielt. Wie wichtig sind Euch solche Spiele?
Mike Adams: Die Spiele sind für uns sehr wichtig. Viele von uns Fans waren es ja gewohnt, durch ganz Europa zu reisen und Manchester United FC zu supporten. Natürlich ist es aber nicht nur für unseren Anhang etwas Besonderes. Auch für unsere Spieler ist so ein internationales Aufeinandertreffen nicht alltäglich. Aus Vereinssicht sind derartige Ausflüge auch eine Chance neue Leute, die unsere Vision teilen, kennenzulernen und alte Kontakte zu pflegen. Allerdings muss man bei aller Freude auch die Kosten im Auge behalten. Die Gewinnspanne von United of Manchester ist nicht groß. Da wendet man jeden Penny zweimal.
Stadionwelt: In Marburg letzten Sommer hattet ihr 500 Fans mit dabei. Man konnte nach der Gründung noch lesen, dass so manch einer mit Manchester United zu internationalen Spielen fährt. Nun bietet ihr selbst das. Hättet Ihr euch jemals träumen lassen, dass ihr nach so kurzer Zeit schon international spielt?
Mike Adams: Unsere Fans sind fantastisch. Es ist unglaublich wie leidenschaftlich sie sind. Es war für uns zwar kein Wunder, dass es so viele waren, aber dass das Spiel in Marburg so ein Erfolg wurde, hat auch uns überrascht.
Beim FC United of Manchester sind noch echte Emotionen auf den Rängen zu finden.
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Stadionwelt: Während ihr eine gute Zeit bei internationalen Spielen haben könnt, müssen die Fans in England einen steinigen Weg gehen. Man sieht keinerlei farbenfrohe Fahnen rund ums Stadien, hört kaum noch Gesänge, man kann störende Leute per SMS aus dem Stadion werfen und der Fan wird ständig videoüberwacht. Gibt es überhaupt noch echte Fans in den oberen Ligen?
Mike Adams: Der Fan in den höheren Ligen ist noch nicht ganz tot, doch ohne lebenserhaltende Maßnahmen wird er schon ziemlich bald ausgestorben sein. Der gewöhnliche emotionsgeladene Fan, der mit seinen Freunden singend auf den Tribünen das Spiel verfolgt, ist schlichtweg nicht das, was sich der Verein und die Behörden im Stadion wünschen. Die übertriebene Anzahl an Ordnern, die exorbitanten Ticketpreise und die fernsehgerechten Anstoßzeiten haben tausende von echten Fans, die ihr Herzblut für den Verein gaben, aus den Stadien getrieben. Jetzt findet man auf deren Plätzen irgendwelche meinungslosen Kunden, die sich das Spiel anschauen, um auf der nächsten Dinner-Party darüber zu reden.
Stadionwelt: 550 Pfund hat letztes Jahr die billigste Dauerkarte bei Manchester United FC gekostet. Selbst die Northern Premier League hat einen Namenssponsor. Wäre es nicht Zeit, dass ein Kontrollorgan den englischen Fußball reguliert?
Mike Adams: Ich war lange ein Verfechter für eine unabhängige Regulierungsinstitution im Fußball. Aber es gibt einfach zu viele wirtschaftliche Interessen dahinter, die so eine Einrichtung verhindern. Desweiteren ist unsere Regierung einfach nicht mutig genug diesbezüglich einzugreifen, auch wenn sie die Kraft dazu hätte. Somit liegt die ganze Bürde auf den Schultern der Fans, und solange die Fans nicht kollektiv gegen den aktuellen Zustand aufstehen, wird sich auch nichts ändern.
Die Aussicht in die Zukunft – Hoffentlich bald ein eigenes Stadion.
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Stadionwelt: Was wünscht Du Dir bezüglich des FC United of Manchester für die Zukunft?
Mike Adams: Ich hole mir schnell meine bezaubernde Jeannie aus der Flasche und wünsche mir folgende drei Punkte: 1. Ein eigenes kleines Stadion in Salford oder Manchester mit Vereinsheim und allem was dazu gehört, damit wir uns endlich „zuhause“ fühlen können. 2. Dass wir uns weiterhin positiv in unsere Heimatgemeinde einbringen können und weiterhin Sozialbenachteiligten helfen dürfen. 3. Drei Punkte am kommenden Wochenende.
Stadionwelt: Was müsste passieren, dass Du wieder zum Manchester United FC gehst?
Mike Adams: Ich bin und werde ewig Manchester United FC Fan bleiben. Das ist eine Sache, die liegt so tief in meinem Herzen, das wird niemals jemand aus mir herausbringen. Jedoch kann ich niemals einen Fußball lieben, der mehr einem Wirtschaftsunternehmen als einem Fußballverein, ähnelt. Falls es jemals wieder so wie in den 80ern oder 90ern werden sollte, wird man auch mich wieder im Old-Trafford sehen. Doch bis dahin geniesse ich weiterhin „meinen“ Verein FC United of Manchester. Hier spielen elf individuelle Charaktere auf dem Feld, umgeben von Leuten, die eine Idee teilen und die alle im Geiste verwandt sind. (Stadionwelt, 20.01.2009)
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