Beim 1. FC Köln geht es dieser Tage vor allem um die Rückkehr von Lukas Podolski. Aber nicht nur: Ein Podcast, eine Demonstration, Bündnisarbeit und karitative Aktionen sind nur einige Dinge, über die die Wilde Horde im Interview mit Stadionwelt erzählt.
Stadionwelt: Wie zufrieden seid Ihr mit dem sportlichen Abschneiden eurer Mannschaft in der Hinrunde? Als Aufsteiger ist es mehr als OK, oder?
Wilde Horde: Sportlich kann man sicherlich hochzufrieden sein. Viele hätten das so nicht unbedingt erwartet. Die Transferpolitik hat dieses Mal gepasst. Wenn das so bleibt, ist zu hoffen, dass sich vielleicht langfristig mal eine intakte Mannschaft entwickelt, die dauerhaft wieder in der ersten Liga bleiben kann.
Stadionwelt: Wie sieht die Organisation und die Mitgliederzahl der Wilden Horde im Jahr 2009 aus?
Wilde Horde: Wir haben nach wir vor ein offenes Mitgliedersystem, was nicht heißt, dass wir den Leuten nicht auch die Werte der Gruppe vermitteln wollen. Jede Person, die sich anmelden will bekommt von uns erstmal ein Infoblatt, auf dem steht, was wir wirklich wollen und wer wir sind. So kann jeder schauen, ob er oder sie zu uns passt oder eher doch woanders besser aufgehoben ist. Momentan sind wir 620 Personen. Der harte Kern beläuft sich auf 100 bis 130 Leute.
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Fahnenmeer in der Kölner Südkurve
Bild: www.wh96.de
Stadionwelt: Welche sind zurzeit die anderen relevanten Gruppen der Kölner Fanszene?
Wilde Horde: Vor allem ist in diesem Zusammenhang der Dachverband der aktiven Fanclubs des FC zu nennen, der in der letzten Zeit, richtig ins Rollen gekommen ist. Dem Dachverband ist es gelungen, alle Gruppen der Fanszene an einen Tisch zu bringen. Ultra, Kutte oder sonst was spielt da keine Rolle. Konkrete Aufgaben sind die Vernetzung nach innen und die Kommunikation nach außen. Arbeiten sollen nicht nur auf eine Gruppe, sondern auf die ganze Szene verteilt werden. Da es sich dabei um Bündnisarbeit handelt, muss man auch mal Zugeständnisse machen. Letztendlich kann man gegenüber dem Club und anderen Institutionen aber besser auftreten. Wir freuen uns sehr über sie gute Entwicklung und werden auch weiterhin gerne mit aller Kraft an diesem Projekt mitarbeiten.
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Stadionwelt: Stichwort Verein: In der letzten Sommerpause kam es vermehrt zu Gesprächen zwischen der Geschäftsführung des 1. FC Köln und Vertretern aus der Fanszene. Was waren die Ursachen und zu welchen Ergebnissen kam man? Wie ist aktuell das Verhältnis zur Geschäftsführung?
Wilde Horde: Das Verhältnis lässt sich als angespannt beschreiben. In der Sommerpause ist uns per Einschreiben mitgeteilt worden, dass uns bestimmte Dinge wie Spruchbänder verboten werden, wir weniger Arbeitsausweise erhalten und wir das Logo des FC nicht verwenden dürfen. Begründet wurde das mit einem Spruchband gegen Helmes und dem Platzsturm nach dem letzten Heimspiel der Zweitligasaison gegen Mainz, mit dem der Aufstieg entsprechend gefeiert wurde. Letztendlich wurde ein Kompromiss gefunden, weswegen es unsererseits keinen Streik gab. Ein fader Beigeschmack ist aber geblieben, schon angesichts der Mitteilung per Einschreiben und solchen Einschnitten für Kleinigkeiten.
Protest beim Auswärtsspiel in Kaiserslautern
www.fck-fotopage.de
Stadionwelt: Vor mehr als einem Jahr wurde die Kölner Fanszene anlässlich des Amateurderbys gegen Leverkusen mit über 40 lokalen Stadionverboten hart getroffen. Wie ist dort der Stand der Dinge?
Wilde Horde: Insgesamt gab es Stadionverbote gegen 43 Personen. Dieser Tage sind aber 43 lupenreine Freisprüche in diverse Haushalte geflattert. Hoffentlich sind die 43 dann beim ersten Heimspiel der Rückrunde wieder im Stadion. Nun besteht die Hoffnung, dass sich der Verein in der Thematik der Vergabe etwas bewegt. Gespräche sind geplant. Transparenter und fairer sollte es aus unserer Sicht werden. Gerade dieser Skandal zeigt doch, dass die Vergabepraxis so unter keinen Umständen weiterlaufen kann und dringendster Handlungsbedarf besteht. Der verein sperrt 43 seiner treuesten Fans ungerechtfertigter Weise für ein Jahr aus und dass kann doch wirklich nicht angehen. Ein Stadionverbot sollte erst nach einer ordentlichen Gerichtsverhandlung und entsprechender Verurteilung erteilt werden. Wie kann es sein, dass die Unschuldsvermutung für uns als Fußballfans außer Kraft gesetzt wird? Hier muss sich schnellstmöglich etwas ändern und wir gehen gespannt in die schon anvisierten Gespräche mit unserem Verein.
Stadionwelt: Die Freude über die Rückkehr in die Bundesliga wurde durch die Aussprache von Stadionverboten gegen die beiden Vorsänger der Gruppe getrübt. Wie gut wurden die beiden Nachfolger angenommen?
Wilde Horde: Die ersten beiden Auswärtsspiele hat die Umstellung problemlos und wirklich gut funktioniert, auch wenn es für alle eine schwierige Situation war. Beim ersten Heimspiel der beiden neuen Vorsänger gab es Pfiffe. Uns hat erschreckt, wie wenig Kredit vom Oberrang da war. Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir nach den Stadionverboten für die bisherigen Vorsänger ja gar keine andere Wahl hatten. Ganz klar wurden bei dem Spiel auch ein paar Fehler gemacht, viele Kleinigkeiten sind zusammengekommen. Zum Beispiel war die Anlage falsch eingestellt. Mittlerweile hat sich das aber alles eingependelt und es geht wieder aufwärts. Stadionverbote halten uns nicht auf!
Stadionwelt: Ein Riesenthema in der Presse war die Fahne der „Ultras Mönchengladbach“, die beim Derby von euch gezeigt wurde. Die Rivalität mit den Fans vom Niederrhein ist wieder stark entflammt, oder?
Wilde Horde: Die Rivalität zu den Gladbachern ist länger schon wieder ein großes Thema. Die UMG-Fahne war nur eine Reaktion auf den Verlust einer Sektionsfahne, die von den Gladbachern im Stadion präsentiert wurde. Das Zeigen der Fahne im Stadion war also unsere späte Genugtuung der Rache. Es war krass, wie das ganze Stadion die Fahne gefordert hat und auch welche Wellen das alles in der Presse geschlagen hat. UMG hat sich in der Folge auch aufgelöst. Mittlerweile gibt es dort viele kleinere Gruppen, die sich wohl erst einmal finden müssen.
Heiß diskutierte Szene beim Derby gegen Mönchengladbach – erbeutete Fahne
Bild: www.wh96.de
Stadionwelt: Auch das Mönchengladbach Fanprojekt nahm durch einen offenen Brief zu diesem Thema Stellung. Wie ging man in der Kölner Fanszene mit dem Brief um?
Wilde Horde: In erster Linie war der Brief absolut unprofessionell. Köln wurde zum Beispiel mit Sternchen geschrieben. In dem Brief wurde zur Gewalt aufgerufen, parallel „Dieb sucht Ehre“-Aufkleber verklebt. Als Fanprojekt geht das gar nicht. Dazu gab es unwahre Vorwürfe, wir würden Zahlungen vom Verein erhalten. Der FC hätte darauf, gar nicht reagieren sollen. Alles in allem war der Brief sehr amüsant und zeigte die Inkompetenz des Fanprojekts unserer Feinde. Man scheint also nicht nur auf Ultrabasis einiges an Lernbedarf zu haben.
Stadionwelt: Auch in diesem Winter gab es wieder eine von Euch organisierte soziale Aktion. Unter dem Motto „Unser letztes Hemd für Köln“ hat die WH Kleiderspenden am Stadion entgegen genommen. Wie war die Resonanz der Stadionbesucher?
Wilde Horde: Das ist im Rahmen von „Horde karitativ“ beim Spiel gegen den HSV geschehen. Die Resonanz war riesig. Insgesamt sind an zwei Ständen um die 300 Altkleidersäcke abgegeben worden. Auch die Jungs von Poptown aus Hamburg haben 15 bis 20 Säcke beigesteuert. Die Säcke wurden dann der Obdachlosenbetreuung Gulliver übergeben, um die Bedürftigen durch diesen harten Winter zu bringen.
Stadionwelt: Im letzten Jahr habt ihr Euch an der neuen Kampagne „1:0 – Kultur gegen Rassismus“ beteiligt. Worum geht es dabei?
Wilde Horde: Dabei handelt es sich um ein von uns mitgegründetes Bündnis verschiedener Gruppen und Organisationen wie Köln Kickt, dem Come Together Cup, der Bunten Liga, dem NS DOK. etcetera, die in irgendeiner Form gegen Rassismus arbeiten und etwas mit Fußball zu tun haben. Es handelt sich um den Versuch, in der Stadt auch kulturell etwas zu leisten. Es soll Leute zum Denken und nicht nur zu einer Anti-Haltung bewegen. Im Rahmen des Anti-Islam-Kongresses von Pro Köln hat das Bündnis ein Fußballturnier mit 32 Mannschaften und 500 Teilnehmern veranstaltet. Am 28. Januar wird es eine Podiumsdiskussion in Kooperation mit Verein und Fanprojekt über das Thema rechte Markenkleidung im Fußball geben.
Stadionwelt: Nach dem Heimspiel gegen den Hamburger SV gab es eine Demonstration unter dem Motto „FC-Fans gegen Polizeigewalt – Weder Freund noch Helfer“. Von Seiten der Fans wurde dabei der Einsatz der Polizei beim Heimspiel gegen Hoffenheim kritisiert. Was war passiert und wie zufrieden war man am Ende mit der Durchführung des Protests?
Wilde Horde: Das ganze war ursprünglich gar nicht als Demo geplant. Von der Polizei wurde im Vorfeld allerdings gefordert, dass wir den Marsch als Demo anmelden, sonst würde er gewaltsam aufgelöst. Eine Frechheit, der wir als Gruppe auch nicht nachgekommen wären. Wir stehen der Staatsgewalt nicht mehr als Gesprächspartner zur Verfügung. Unser sozialpädagogisches Fanprojekt hat dann zur Entspannung der Lage beigetragen und das Ding entsprechend als Demo angemeldet. Bei dem Marsch handelt es sich um ein wiederkehrendes Ritual. Zusammen mit den Stadionverbotlern wird nach Spielende ein kurzer Marsch gemacht, um ihnen auch weiterhin ein Gefühl von Stadionatmosphäre zu geben und ihnen die für sie so wichtige Solidarität zu bekunden.
Demonstration gegen Polizeiwillkür vor dem RheinEnergieStadion
Bild: www.wh96.de
Stadionwelt: Und warum dann eine Demo gegen Polizeigewalt?
Wilde Horde: Bei der vorherigen Heimpartie gegen Hoffenheim hat sich die Polizei zwischen die aus dem Stadion kommenden Fans und die Stadionverbotler gestellt. Keiner wusste weshalb. Zuerst dachten wir, dass sie die beiden Gruppen für rivalisierende Gruppen hielten. Allerdings standen die SKBs in der Nähe, weswegen der Polizei klar gewesen sein musste, dass es sich ausschließlich um Kölner handelte. Anstatt einzuschreiten haben sie jedoch lediglich gelacht und sich an dem dann folgenden „Schauspiel“ erfreut. Wenn es bei einem Spiel keine Probleme gibt, dann schaffen die Herren sich eben selber welche. Allgemein gab es von Fanseite kein Interesse an einer Auseinandersetzung. Es wurde zu einem friedlichen Abzug aufgerufen. Der Polizei wurde sogar ein Pokal überreicht, der zufällig zur Hand war. Die Beamten hatten aber offensichtlich anderes im Sinn und haben ordentlich dazwischen geknüppelt. Auch auf Frauen, die bereits umgestoßen am Boden lagen.
Das haben sich die Anwesenden natürlich nicht bieten lassen und sich entsprechend zur Wehr gesetzt. Eine völlig unnötige Auseinandersetzung, die da von der polizei provoziert wurde und in deren Folge beschlossen wurde, den Marsch beim nächsten Spiel, ebenjenem gegen Hamburg, auszuweiten und alle FC-Fans zur Teilnahme aufzurufen. Viele sind dem nachgekommen. Auch 30 Chosen Few-Mitglieder. So haben wir ein deutliches Zeichen gesetzt, dass wir uns der Repression nicht taten- und wortlos ausliefern werden.
Stadionwelt: Deutschlandweit ist die mögliche Rückkehr von Lukas Podolski zum 1. FC Köln ein Thema. Würde sich die Wilde Horde über die Rückkehr sehr freuen?
Wilde Horde: Natürlich würden wir uns über seine Rückkehr mehr als freuen. Lukas ist und bleibt ne kölsche Jung. Krass war jedoch, dass er beim Heimspiel gegen Bayern von den Massen derart gefeiert wurde, immerhin hat er nicht unser Trikot getragen. Das ganze Drumherum könnte einiges an Unruhe stiften. Zudem ist zu befürchten, dass noch mehr Leute ins Stadion kommen, bei denen der FC nicht im Vordergrund steht. Freudentaumel ist zwar angebracht, aber es sollte nicht noch weiter zu einer regelrechten „Poldimania“ ausarten, wenn wir diesen Punkt nicht schon überschritten haben.
Stadionwelt: Euren Freunden aus der französischen Hauptstadt brachte die Auslosung im UEFA-Cup nach einem Gastspiel auf Schalke nun mit dem VfL Wolfsburg erneut einen deutschen Gegner. Intensiviert so etwas die Freundschaft?
Wilde Horde: Prinzipiell ist es für uns natürlich interessant, unsere Freunde aus Paris in unserem tagtäglichen Umfeld zu erleben. Schalke war gut, weil die Pariser vor dem Spiel mit 180 Leuten nach Köln gekommen und wir gemeinsam nach Gelsenkirchen gereist sind. So mussten sie leider auch mal bei einem eigenen Spiel den deutschen Sicherheitswahn erleben und wir waren die mitgereisten Gäste. Da der FC in absehbarer Zeit vermutlich nicht europäisch spielen wird, wären Spiele außerhalb Deutschlands für uns natürlich interessanter. Für unsere Stadionverbotler sind Partien in Deutschland auch nicht wirklich toll, da sie auch hier Ausgesperrte bleiben. Statt Genua, St. Petersburg oder Istanbul dürfen wir sie jetzt nach Wolfsburg begeleiten. Super Los!
Zu Gast beim SV Werder Bremen
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Stadionwelt: Was ist sonst noch Thema?
Wilde Horde: Ihr werdet bald wieder von uns hören. Momentan wurde die Nullausgabe eines Podcasts von unserer Jungen Horde produziert. Zukünftig soll es einmal pro Monat den Podcast „Kölsche Tön – Ultrà auf die Ohren“ geben. Zum einen ist das ein verantwortungsvolles Projekt für den Nachwuchs, zum anderen können wir damit die Zensur des Vereins zu umgehen. So können wir mehr Leute erreichen. Unter anderem ist das notwendig, weil wir unseren Infoflyer den „Schwaadlappen“ nur noch auswärts verteilen. Wir wollen offen unsere Meinung sagen und uns nicht bevormunden lassen. Hierzu müssen neue Mittel und Wege ausprobiert werden, um dennoch im einem transparenten und stetigen Austausch mit der Kurve zu stehen. (Stadionwelt, 23.01.2009)
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