„Welche Anderen aus Salzburg?“

Faszination Fankurve 23.02.2009 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Austria Salzburg wurde vor gut drei Jahren von Red Bull übernommen und total umgestaltet. Fast alle Fans drehten den Bullen den Rücken zu und gründeten die Austria neu. Stadionwelt sprach mit Moritz Grobovscheck von den Tough Guys 92.

Stadionwelt: Mit der Gründung des FC Red Bull Salzburg und der damit verbundenen Übernahme von Austria Salzburg habt Ihr euch entschlossen, die Austria neu zu gründen und in der untersten Liga wieder ganz von vorne anzufangen. Wie fällt das Fazit zweieinhalb Jahre nach der Aufnahme des Spielbetriebs aus?
Grobovscheck: Sportlich gesehen sind wir mehr als zufrieden. Die Aufstiege beflügelten uns natürlich, wobei die Erwartungen von uns selbst immer wieder herunter geschraubt werden mussten. Wir würden uns selbst viel zu viel Druck aufbauen, wenn wir alles gleich überschätzen würden. Natürlich hoffen wir stets auf das Beste für unsere Austria. Doch es gibt gleichzeitig auch Probleme. Das können wir nicht verleugnen. Unsere Jugendarbeit wächst nicht proportional zu unseren Kernverein. Das muss sich ändern, denn das ist ja schließlich die Zukunft eines jeden Vereins.

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Die Austria spielt auch in den unteren Ligen vor vollen Tribünen
Bild: Rupert Bogersperger

Stadionwelt: In welcher Liga spielt die Austria mittlerweile?
Grobovscheck: Wir sind mittlerweile in der fünfthöchsten Liga angekommen und wir freuen uns über jeden weiteren Aufstieg. Wobei alles schon in einem gewissen Maß bleiben sollte. Wenn alles zu schnell geht läuft man auch Gefahr, zu viele Fehler zu machen, da man einfach einiges übersieht.

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Stadionwelt: Austria Salzburg hatte ähnliche Probleme, wie beispielsweise FC United of Manchester. Lange Zeit konnte keine eigene Spielstätte gefunden werden. Wie ist denn der aktuelle Stand?
Grobovscheck: Ich weiß nicht, ob man das wirklich miteinander vergleichen kann. Das Umständliche bei uns in Österreich ist folgendes: Um eine Spielstätte betreiben zu dürfen, muss man sich einem Dachverband anschließen. Es gibt den schwarzen, roten und blauen Verband. Dieser Anschluss wird fast erzwungen und dann muss man trotz Zwangszugehörigkeit auch noch 30.000,- Miete für unsere aktuelle Spielstätte im Sportpark West zahlen. Alles in allem sind wir mit der momentanen Stadionsituation recht zufrieden, da wir dort gemäß der österreichischen Auflagen sogar bis in die Regionalliga spielen dürfen.

Stadionwelt: Im Dezember 2006 ist die Tribüne des Union Platzes, der damaligen Spielstätte abgebrannt. Wie sehr traf Euch der Brand der Tribüne damals?
Grobovscheck: Dies traf uns tief im Herzen. Der Platz lag mitten in der Stadt, direkt unter der Burg. Es war ein absoluter Traum. Wir hegten sogar Hoffnung, das Stadion nochmals ausbauen zu können. Wer für den Lausbubenstreich verantwortlich war, weiß niemand. Auf jeden Fall waren es keine motivierten Leute. Sonst hätte man die Probleme auch anders regeln können. Es war aber schon ärgerlich, denn dort haben wir wesentlich weniger an Miete bezahlt und wir waren einem anderen Dachverband zugeordnet. Nach dem Brand haben wir in kompletter Eigenregie eine neue schöne Holztribüne errichtet. Das schweißte uns als Gruppe noch mal enger zusammen. So dass man sagen kann: im Endeffekt hat es sogar etwas Positives gehabt. Auch wenn man in diesem Zusammenhang nicht wirklich das Wort positiv verwenden kann. Zumal kurz nach dem Brand auch noch bekannt wurde, dass das Areal bereits anderswertig verplant war.

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Die im Dezember 2006 abgebrannte Tribüne des Union Platzes
Bild: Rupert Bogensperger

Stadionwelt: Du warst einige Zeit im Vorstand der Austria aktiv. Jetzt bist Du wieder in die „Kurve“ zurückgekehrt. War das nicht Deine Welt oder wechseln sich Mitglieder bei der Vereinsführung ab?
Grobovscheck: Ja und nein. Es wechseln sich schon Leute ab. Da der Vorstand demokratisch gewählt wird. Doch ich bin aus eigenen Interessen von meinem Amt als Vorstand zurückgetreten. Dafür gab es mehrere Ursachen. Ich war drei Jahre von 2005 bis 2008 im Vorstand aktiv und die Auffassungsunterschiede der anderen Mitglieder im Vorstand nahmen immer mehr zu. Da wurden auf einmal Dinge diskutiert, die in meinen Augen für einen Verein in unserer Größe absolut nicht notwendig waren. Die Gründung einer GmbH wäre diesbezüglich nur ein Beispiel. Letztendlich wurde es auch umgesetzt. Aber ich bin der Meinung, eine Ausgliederung/Verpachtung von Merchandising und Gastronomie wäre um einiges sinnvoller gewesen. Ein anderer Punkt war die Rückkehr eines Vorstandmitglieds der „alten Austria“, das sich bei der Übernahme des FC nie wirklich zur Austria bekannt und sich bei wichtigen Treffen nie laut dagegen ausgesprochen hat. Ich war immer ein Befürworter von Rückkehrern der alten Austria. Dazu stehe ich immer noch. Aber wenn sich schon jemand wieder einbringen möchte, dann muss es auch ein echtes Aushängeschild der Austria sein.

Stadionwelt: Wie sah denn dein Arbeitsalltag als Vorstandsmitglied aus?
Grobovscheck: Überall offiziell meinen Senf dazu abgeben im Sinne der Austria, das war interessant. Man bekommt einen guten Einblick hinter die Kulissen eines Vereins und merkt wieviel Arbeit auch in den unteren Klassen in der Führung eines Vereins steckt. Ich habe mich um das Sportsponsoring und die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert. Nur wie gesagt, wenn es keinen Spaß mehr macht, sollte man aufhören. Doch ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich die Zeit im Vorstand nicht bereue und gerne daran zurückdenke.

Stadionwelt: Welche Gruppen sind momentan in der Kurve bei Euch aktiv?
Grobovscheck: Generell kann man sagen, dass es die gleichen wie bei der alten Austria sind. Von 40 Fanclubs sind uns 35 treu geblieben. Die fünf anderen Clubs sind uns auch nur vom Papier bekannt und nicht wirklich aktiv gewesen. Die aktivsten sind immer noch ganz klar die Tough Guys 92 und Ultras Union sowie ihre Sektion Viennola, welche im Übrigen auch zwei Vorstandmitglieder stellten. Einer ist nur mehr am Papier, der andere ist nicht mehr Mitglied der Union. Von diesen Gruppen kann man schon sagen, dass sie die Kurve im Griff haben.

Stadionwelt: Ziehen alle Gruppen an einem Strang? Oder gibt es auch bei einem Fanverein hin und wieder unterschiedliche Ansichten?
Grobovscheck: Zum größten Teil sind wir schon alle einer Meinung. Wir sind auch alle der Meinung, dass es schlichtweg ein falsches Zeichen ist, wenn ein ehemaliges Union Mitglied nun Stadionverbote forderte. Die Austria spielt eben in einer der unteren Liga, da braucht man nicht gleich um Hilfe rufen, wenn einmal Pyro gezündet wird. Auch ein Platzsturm nach dem Spiel stellt für uns kein Grund für so eine Forderung dar. Zumal bei der damaligen Aktion niemand zu Schaden kam oder ging irgendwas zu Bruch. Aber egal. Eigentlich ist das nicht mal der Rede wert. Um zurück auf Deine Frage zu kommen, wir versuchen schon so gut es geht, dass die gesamte Kurve miteinander für ihre Ziele kämpft. Aber es gibt natürlich auch verschiedene Meinungen zu ein paar Themen, das lässt sich nicht vermeiden und ist auch gut so, wir leben schließlich nicht in einer Diktatur.

Stadionwelt: Ihr bringt zu Auswärtsspielen fast genauso viele Leuten wie zu 1. Liga-Zeiten mit. Wie hoch ist denn ungefähr die Mitgliederzahl der aktiven Szene?
Grobovscheck: Das lässt sich gar nicht so genau beziffern. Bei Heimspielen besuchen uns im Schnitt 1.500 Leute. In der ersten Saison waren es noch knapp 2.000 Zuschauer pro Spiel. Aber wir haben uns mittlerweile bei einem sehr guten Mittelmaß eingependelt. Und im Vergleich zu den oberen Ligen stehen wir doch gar nicht so schlecht da, oder? Auswärts bewegen wir uns momentan bei Zahlen rund um die 300 bis 800, wobei hier eben fast nur die oben genannten Gruppen anwesend sind. Für die Gastgeber sind unsere Spiele immer ein Geldsegen, da sie gerne die Eintrittspreise hochschrauben, wenn die Austria kommt. Wir sind der einzige Verein, der die Dorfplätze mit echten Fans bereichert.

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Austria-Fans beim Auswärtsspiel
Bild: Tobias Fiederling

Stadionwelt: Wie ist denn das aktuelle Standing in der Stadt Salzburg? Die Ränge bei den Austria Heimspielen sind trotz niedriger Liga stets gut gefüllt. Aber auch Red Bull hat gute Besucherzahlen. Hat der Club auch eine nennenswerte Fanszene?
Grobovscheck: Das kann man nicht sagen, Salzburg ist keine so große Stadt. Generell haben wir festgestellt, dass die Salzburger lieber zu uns kommen, als zu tanzenden Matadoren in eine Arena. Eine Fanszene habe ich bisher beim FC Salzburg minimal gesehen. Zu uns kommen eben Fans und keine Besucher, die eine Show sehen wollen. Wir haben einen sehr guten Zuschauerschnitt. Wir brauchen uns nicht zu beschweren.

Stadionwelt: Gibt es Kontakt mit Red Bull Salzburg Fans, beispielsweise den Salzburg Patriots?
Grobovscheck: Nein, wie auch? Wer sind die Anderen aus Salzburg? Wir haben noch nie was von denen gehört oder gesehen.

Stadionwelt: Fehlen Euch bei den Spielen in den unteren Ligen eigentlich die Rivalen aus den erfolgreicheren Jahren der Austria?
Grobovscheck: Klar, wir würden lügen, wenn das nicht der Fall wäre. Wir spielen quasi ständig ohne Gegner auf den Rängen. Hier und da zeigt sich die Dorfjugend und meint pöbeln zu müssen. Aber das kann man nicht ernst nehmen. Das ist lächerlich. Die Stimmung schaukelt sich mit echten Gegnern auf den Rängen eben immer noch ein bisschen weiter nach oben. So etwas fehlt ganz klar. Aber wir sind ja auf einem guten Weg, bald wieder auf alte Bekannte zu treffen.

Stadionwelt: Als Red Bull vor einigen Jahren übernahm, haben sich viele Szenen mit Euch solidarisiert. Was ist an Kontakten übrig geblieben, sind Freundschaften entstanden?
Grobovscheck: Freundschaften sind dadurch nicht entstanden. Das blieb alles bei den Solidaritätsbekundungen.

Stadionwelt: Nach Dortmund gibt es schon lange eine Verbindung, oder?
Grobovscheck: Von unserer Gruppe jetzt nicht. Von Union schon. Wir respektieren die Freundschaft, aber wir tragen sie in keinster Weise aktiv mit.

Stadionwelt: Dortmund ist bei Ultras Union auch mit Trauer verbunden. Ein Mitglied verstarb auf der Heimreise von Dortmund. Wie wird dem Verstorbenen gedacht?
Grobovscheck: Das war ein tragischer Unfall. Es intensivierte die Freundschaft zwischen Salzburg und Dortmund. Die Trauerfeier war damals ein großer Zusammenlauf. Es kamen sehr viele von beiden Szenen, um noch einmal Abschied zu nehmen. Es war ein trauriger Tag in der Geschichte der Austria. Aber man muss auch sagen, dass die Freundschaft nach der Beisetzung nicht mehr wirklich so hochkam. Es findet zwar noch Austausch statt, aber nicht mehr in dem Maße wie rund um die Trauerfeier. Die Union gedenkt dem Verstorbenen jedes Jahr mit einem Gedächtnisturnier, welches allerdings nicht nur von Salzburger und Dortmunder Gruppen bestritten wird. Hierzu ist fast jeder eingeladen und die Union freut sich auch auf neue Gruppen. Denn das Turnier ist ja schließlich für einen guten Zweck.

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Zusammen in die Zukunft – Fans und Mannschaft
Bild: Rupert Bogensperger

Stadionwelt: Was sind die nächsten Meilensteine, die der Masterplan zur Rückkehr in höhere Gefilde vorsieht?
Grobovscheck: Es existieren bei der Austria keine wirklichen Meilensteine oder ein Masterplan. Wir freuen uns über jeden weiteren Aufstieg, der uns unserem Ziel, die Austria wieder in den oberen Ligen zu etablieren, näher bringt. Aber wir dürfen auch andere Dinge, wie die Jugendarbeit, nicht aus den Augen verlieren. Es bleibt also abzuwarten, was die Zukunft noch alles mit sich bringt. (Stadionwelt, 23.02.2009)

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Die Austria spielt auch in den unteren Ligen vor vollen Tribünen
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Die im Dezember 2006 abgebrannte Tribüne des Union Platzes
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Austria-Fans beim Auswärtsspiel
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Zusammen in die Zukunft – Fans und Mannschaft
Bild: Rupert Bogensperger

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