„Alles rund um Fußball und Fankultur in Lateinamerika“

Faszination Fankurve 30.03.2009 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Mit dem Erscheinen der Erstausgabe von „Pasión Latina“ wurde der deutsche Fanzinemarkt um ein interessantes Heft erweitert. Stadionwelt sprach mit Jan-Henrik Gruszecki, Mitglied der Chefredaktion, über den Fußball und die Fans in Lateinamerika.

Stadionwelt: Wie oft wird „Pasión Latina“ in Zukunft erscheinen, welche Themen werden behandelt?
Gruszecki: Wir hoffen, Pasión Latina alle zwei Monate herausbringen zu können. Mit Planungen in Südamerika ist das nun immer so eine Sache – „mañana“ heißt hier eher „vielleicht irgendwann“ und nicht unbedingt „morgen“. Das erleichtert das Erstellen des Heftes nicht unbedingt. Zudem können einem Klausurpläne oder ähnliches auch noch einen Strich durch die Rechnung machen. Gut, welche Themen werden behandelt? Alles rund um Fußball und Fankultur in Lateinamerika. Wir versuchen stets einen Mix aus reinen Fußballthemen und Fanthemen zu bilden. Viele unserer Leser kommen nicht aus der Ultraszene, sondern möchten einfach nur etwas über den Ligafußball lesen – da müssen wir stets eine gesunde Mischung finden.

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<p class=Die Erstausgabe mit 63 Seiten, komplett in Farbe
Bild: Pasion Latina

Stadionwelt: Erzähl uns doch mal etwas über die Erstausgabe. Was sind die Highlights dieser Ausgabe?
Gruszecki: Viele Europäer kennen nur die Gruppen von Boca und River Plate, von daher war für die meisten sicher die La-Doce-Historie das Highlight – ebenso wie das Interview mit Los de Abajo von La U. Die, die den Fußball in Lateinamerika verfolgen, haben die Rückblicke auf die Apertura in Argentinien und die Copa Sudamericana sofort verschlungen. Ein argentinischer Freund von mir ist 2001 nach Deutschland geflüchtet – er ist ganz begeistert davon, dass er nun das Ligasystem versteht – ist schon ziemlich kompliziert, wenn man nach den Spieltagen teilweise vier Tabellen sieht, die je eine andere Bedeutung haben. Der heilige Diego begeistert auch in Deutschland noch die Fußballfans, vor allem die, die ihn spielen sehen durften.

Stadionwelt: Kannst Du schon einen kleinen Ausblick auf das zweite Heft geben?
Gruszecki: Der Schwerpunkt wird dieses Mal auf Brasilien liegen. Land, Liga, Leute und natürlich Fanszenen. Hinzukommt, dass es die Uruguayos nun auch geschafft haben, die Meisterschaft auszutragen. Das wird natürlich auch ein Thema sein. Außerdem werden wir einige Hintergrundinformationen zu einem der heißesten Clásicos Argentiniens liefern. Zudem gibt es wieder eine Kleinigkeit aus dem Leben von Diego Maradona.

Stadionwelt: Neben den Storys aus der Fankurve gibt es auch Artikel, die sich mit dem Geschehen auf dem Platz beschäftigen. Was macht deiner Meinung nach den Fußball in Südamerika aus und vor allem anders als den hiesigen?
Gruszecki: Wie in dem Text „Lateinamerika vs. Europa“ schon dargestellt, so ist es vor allem schade, dass Länder wie Brasilien und Argentinien mit die besten Spieler der Welt hervorbringen, Messi, Agüero, Demichelis, Kaka, Ronaldinho, Robinho & Co., jedoch in Europa die Stiefel schnüren. Trotzdem gelingt es den Südamerikanern regelmäßig, den Europäern bei direkten Vergleichen den Schneid abzukaufen – wie bei dem Weltpokal beziehungsweise bei der Klub-WM. Der Fußball hier ist definitiv offensiver als in Europa, jedoch nicht so schnell und körperbetont. Fernab des Platzes ist das Drumherum im Stadion noch ursprünglicher und unkommerzieller. Ich glaube es gibt fünf Vereine mit einer Anzeigetafel. Außerhalb des Stadions ist er fast sogar noch kommerzieller als in Europa, das TV diktiert die Anstoßzeiten wie es will – die Fans sind froh, wenn sie eine Woche vorher wissen, wann ihre Mannschaft spielt. Für unterklassige Ligen kommen die Anstoßzeiten erst am Mittwoch! Das heißt, du erfährst Mittwochabend, dass du zwei Tage später spielen musst und das vielleicht noch an einem Ort, der circa 14 bis 15 Fahrstunden entfernt ist. Das ist schon alles unglaublich. Ich glaube ein Argentinier würde es für einen Scherz halten, wenn man ihm etwas von PRO 15:30 erzählen würde.

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<p class=Argentinien – das Land für Fußballfans schlechthin?
Bild: Rupert Bogensperger

Stadionwelt: Das Hauptaugenmerk des Heftes liegt auf der Fanszene Argentiniens, oder? Wie ist die dortige Szene organisiert?
Gruszecki: Ja, Argentinien ist sicherlich DAS Land für Fußballfans. Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, was der Fußball hier für eine Bedeutung hat. Zur Organisation: Es lassen sich kaum generelle Aussagen treffen. Bei den meisten Gruppen ist es jedoch so, dass sie viel viel unorganisierter sind als deutsche. In der Regel haben die Barras nicht einmal Mitglieder im eigentlichen Sinne. Wer dabei ist, ist dabei, wer nicht dabei ist, ist nicht dabei. So etwas wie Mitgliedsanträge, Mitgliederversammlungen gibt es in der Regel nicht. Von Dingen wie Kassenprüfern und so etwas will ich erst gar nichts sagen. Doch auch im Stadion ist es viel unorganisierter. Wie oft es vorkommt, dass die Blockfahne total verkehrt und verknotet abgerollt wird – unfassbar. Talleres Córdoba hat im November bei einem Spiel mal acht Versuche gebraucht, um eine kleine Blockfahne ordentlich über den Block zu bekommen, immer war etwas verknotet… (Stadionwelt, 30.03.2009)

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In Kürze folgt ein weiterer Teil des Interviews mit Jan-Henrik Gruszecki, Dabei geht es dann um die Fankultur in Südamerika.

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