Spitzenspiel auf Rasen und Rängen

Faszination Fankurve 15.05.2011 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Beim Klassiker zwischen den punktgleichen Erzrivalen FC Zürich und FC Basel war am 33. Spieltag eine Vorentscheidung im Titelkampf möglich.  Fans und Spieler gaben alles im Kampf um den Schweizer Meistertitel, Stadionwelt dokumentiert das packende Duell. Ein Bericht von Tobias Plieninger.
 
Mi 11.05.2011, 20:15 Uhr, FC Zürich – FC Basel 2-2
1. Liga Schweiz, Stadion Letzigrund, 22800 Zuschauer
 
Beim letzten Aufeinandertreffen in Basel hatten die FCZ-Fans vor Spielbeginn ein Transparent gezeigt "Jede Serie geht einmal zu Ende". Kurz vor Spielende zeigten die Basler die Antwort "Eure nie", Die Reihe der sieglosen Spiele gegen FC Basel hielt damit seit November 2006 an. Die 1-3 Niederlage am 6.3.2011 in Basel war das 19. Spiel in Serie ohne Sieg der Züricher. Danach lag der FC Basel sieben Punkte vor dem Verfolger FCZ und das Titelrennen war scheinbar entschieden. Doch die Basler leisteten sich einige Patzer. Daher konnte der FCZ bis zum 33. Spieltag den Rückstand aufholen und stand mit einem Tor Vorsprung an der Tabellenspitze. Vier Spieltage vor Schluss war bei dem ewigen Duell eine Vorentscheidung im Titelkampf möglich.
 
Das traditionsreiche Letzigrundstadion bildete den würdigen Rahmen für diese Begegnung. Dass es sich dabei um eines der bekanntesten Leichtathletikstadien handelt war der sehr guten Stimmung kaum hinderlich. Begünstigt dürfte dies sicherlich auch die Zuschauerresonanz haben: Desto näher das Duell rückte, desto knapper wurden die Karten bis letztendlich am Spieltag "ausverkauft" vermeldet wurde. 2200 Plätze blieben als Sicherheitspuffer leer. Vor den Fanblöcken standen zahlreiche Absperrgitter, um ein Eindringen in denn Innenraum oder gar einen Platzsturm zu verhindern. Vor dem Stadion wurde der Gästesektor mit Straßensperren abgeriegelt, die eher an einen Protestantenmarsch in Nordirland als ein Fußballspiel in der Schweiz erinnerten. Eher ins Bild passten die gemütlichen Biergärten im Stadionumfeld, die zwei Stunden vor Spiel bereits voll besetzt waren.
 

Zahlreiche Basler Fans reisten mit dem Extrazug an<br />Alle Bilder: Tobias Plieninger“ loading=“lazy“></p>
<p class=Zahlreiche Basler Fans reisten mit dem Extrazug an
Alle Bilder: Tobias Plieninger

Etwa achtzig Minuten vor Spielbeginn kam der "Extrazug" mit den Fans aus Basel am Bahnhof in Zürich-Altstetten an. Gleich nach der Ankunft wurden zahlreiche Böller und Bengalos angezündet. In einem sehr imposanten Corteo marschierten die Basler Fans zum Stadion. Dabei wurden wieder zahlreiche sehr laute Böller sowie Bengalos verwendet. Außerdem wurden auch Flaschen und Bierdosen geworfen. Die Schweizer Ordnungshüter reagierten erstaunlich gelassen und hielt sich sehr dezent zurück. Wie das in Deutschland wohl abgelaufen wäre?
 
Als die Basler dann am Stadion angekommen waren kam es zu zahlreichen Tumulten. Dabei gelangte ein Großteil der etwa 2000 FCB-Fans ohne Kontrollen in das Stadion. Im weiteren Verlauf der Ausschreitungen setzte die sogenannte Polizei den Wasserwerfer ein. Im Stadioninnenraum griffen einige Basler die Sicherheitskräfte vom privaten Sicherheitsdienst an, die daraufhin den Rückzug antraten. Des weiteren wurden Toiletten und Verpflegungsstände demoliert. Dabei ist ein ordentlicher Sachschaden entstanden: Erste Schätzungen gehen von ca. 150.000 EUR aus. Auslöser für den Ärger war laut einem Bericht der Schweizer "Tageszeitung" ein Rucksack mit Pyromaterial, der über den Zaun geworfen wurde, welchen die Ordner sicher stellen wollten. Laut Angaben aus Fankreisen haben die Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst Delta durch ihr sehr aggressives Auftreten genau das Gegenteil von Ihrer eigentlichen Aufgabe bewirkt. Bei den Randalen wurden zehn Personen leicht verletzt, darunter auch Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes.
 

Zu Beginn des Klassikers zeigten die aus Basel mitgereiste Muttenzerkurve...<br />“ loading=“lazy“></p>
<p class=Zu Beginn des Klassikers zeigten die aus Basel mitgereiste Muttenzerkurve…

Nach einer viertel Stunde war wieder Ruhe bei den Gästen und die Vorbereitungen auf das Spitzenspiel konnten beginnen. Denn außer dem "corpus delikti" hatten Sie noch eine Choreo sowie eine Konstruktion für Ihre Zaunfahnen im Gepäck. Die vor dem Block befindlichen Mülltonnen wurden umfunktioniert und dienten fortan als Podeste für die Vorsänger. Bereits fünf Minuten vor Spielbeginn starteten Sie den ersten Teil ihrer Choreographie: "DU UF EM RASE" über der Blockfahne mit einem Spieler -" ICH UF DE RÄNG" über der Blockfahne mit dem Fan. Der zeigte einen Schal mit der Aufschrift "FURE FCB". Die zwei Blockfahnen wurden bis zum Anpfiff gespannt. Danach folgte unten "BALD IN EXTASE WENN MIR ALLES GÄHN" untermalt von Tifo Fähnchen, Zettel in blau und rot sowie Rauchtöpfen in diesen Farben und einem Bengalo. Trotz des Chaos kurz davor lief alles sehr koordiniert ab.
 
Auf Züricher Seite gab es ebenso eine Choreo zu bestaunen. Bereits vor Anpfiff war vor dem Fanblock eine riesige Fahne "EPIZENTRUM" zu sehen. Zu Anpfiff wurde dann noch eine Erdplatte gezeigt. Dann wurden blaue und gelbe Papptafeln hoch gehalten und als eine Art LaOlaWelle bewegte sich der Block wie bei einem Erdbeben und aus der Erdspalte entwickelte sich ein FCZ-Wappen. Ein klarer Beweis dafür, dass man mit einfachen Mitteln auch eine geniale Choreo machen kann. Ausschlag für das Gelingen war sicherlich die gute Koordination und die einfallsreiche Idee. Ob das Thema Erdbeben nach den Ereignissen in kürzlich in Japan so glücklich war?
 
Zur Stimmung der Heimfans kann man sagen, dass die Züricher Südkurve einen sehr soliden Auftritt hinlegte. Der Stil ist ein willkommener Gegensatz zu den vielen ähnlichen Kurven im deutschsprachigen Raum. Was die Züricher Südkurve ablegte war wirklich einzigartig. Sowohl Melodie, Trommelrhythmen und Texte sind sehr speziell und wurden oft sehr ausdauernd und lang gesungen. Ihrem Liedtext "die Kurve explodiere" wurden sie völlig gerecht, denn nach den Toren brach ein wilder Torjubel los wie aus einem "EPIZENTRUM". Von dem her war der Choreotitel also doch passend? Auf der nach oben offenen Stimmungsskala liegt die Südkurve jedenfalls weit vorne im deutschsprachigen Raum. In der Halbzeit gab es etwas Bewegung innerhalb der Südkurve, Allem Anschein nach gab es interne Differenzen, die körperlich geklärt wurden, Die Ordner hielten sich hierbei völlig raus. Vor der ganzen Kurve hing nur eine der größten Zaunfahnen Europas "Zürcher Südkurve". Über dem Symbol hing eine kleine Fahne mit folgendem Spruch: Raus mit den Sitzen – Ausgesperrte rein – wir gewinnen sowieso!
 

...als auch die Zürcher Südkurve eine große Choreographie<br />“ loading=“lazy“></p>
<p class=…als auch die Zürcher Südkurve eine große Choreographie

Die Basler hatten das Motto ihrer Choreo wohl schnell verinnerlicht. Denn während ihre Mannschaft "AUF EM RASE" sehr wenig vom Spiel hatte zeigten sie auf "UF DE RÄNGE" einen ebenfalls soliden Auftritt. Besonders zu gefallen wussten die zahlreichen Klatscheinlagen und die hohe Mitmachquote. Es wurden aber auch längere Lieder gesungen, die zu gefallen wussten. Optisch machten die zahlreichen Zaunfahnen unten an der "Wäscheleine" und die vielen kleinen Fahnen und Schwenkfahnen ordentlich was her.
 
"AUF EM RASE" entwickelte sich ein spannender Schlagabtausch . Beim der letzten Heimniederlage gegen den FCB hatte Urs Fischer, der Trainer vom FCZ noch davon gesprochen, dass seine Spieler sich "dumm und dümmer" angestellt hätten. Dieses Zeugnis wollten sie unbedingt vermeiden und legten los wie die Feuerwehr. Von Anfang an hatte der FCZ das Spiel im Griff. Sie erarbeiteten sich zahlreiche gute Chancen. Völlig verdient gingen sie in Führung in der 43. Minute. Wie so oft griffen in der 69. Minute die grausame Gesetze des Fußballs und die Zürcher wurden durch den ehemaligen BVB-Spieler Alex Frei für Ihre Fahrlässigkeit bei der Chancenauswertung bestraft. Da die Heimspieler sogar zweimal den Pfosten trafen und der Franzose Alphonse immer mehr zur tragischen Figur wurde schien der Fußballgott ein Erbarmen zu haben und Zürich ging in der 75. Minute mit 2-1 in Führung. Wieder aus heiterem Himmel schoss Alex Frei das unverdiente 2-2. Während dem Spiel war Frei bereits ständig von den Zürcher Fans ausgepfiffen worden. Er antwortete mit einem Doppelpack und ließ es sich nicht nehmen nach seiner Auswechslung auch eine entsprechende Geste Richtung Südkurve zu zeigen.
 

Auf beiden Seiten kamen viele pyrotechnische Gegenstände zum Einsatz<br />“ loading=“lazy“></p>
<p class=Auf beiden Seiten kamen viele pyrotechnische Gegenstände zum Einsatz

Nach den Toren zündeten beide Kurven jeweils zahlreiche Bengalos. Außerdem zeigten die Zürcher zu Beginn der zweiten Halbzeit einige weiße Blinker.
Von Basler Seite gab es die bereits beschriebene farbige Rauchshow. Insgesamt wurde schätzungsweise fast soviel Pyromaterial gezündet wie in der vergangenen Bundesligasaison in allen deutschen Stadien.  Die Fackeln wurden in der Hand gehalten. Während der Pyroaktionen gab es die gewohnten Durchsagen des Stadionprechers. Aber sonst schien sich keiner daran zu stören. Im Gegensatz zu der deutschen Kampagne zur Legalisierung der Pyrotechnik wurde von Böllern massiv Gebrauch gemacht. Insgesamt war es sehr schön zu sehen wie sehr die zahlreichen Emotionen aus dem Spiel und der generellen Rivalität entsprechend in die Pyroaktionen einflossen. Ganz nach dem Motto der deutschen Kampagne Emotionen respektieren – Pyrotechnik legalisieren. (Stadionwelt, 15.05,2011)

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