Beim Istanbuler Derby zwischen Besiktas und Galatasaray kam es kurz vor dem Spielende zu einem Platzsturm. Das Spiel wurde daraufhin vom Schiedsrichter abgebrochen. Als Auslöser wird dabei der Platzverweis gegen einen Spieler der Gastmannschaft angesehen.
Über die Hintergründe dieser Ausschreitungen gibt es verschiedene Auffassungen. Faszination Fankurve sprach mit dem Besiktas-Anhänger Özgür, der am Sonntag im Atatürk Olimpiyat Stadyumu, wo die Partie ausgetragen wurde, anwesend war.
Faszination Fankurve: Du warst beim Derby im Stadion. Wie kam es zu den Vorfällen, die in Platzsturm und Spielabbruch gipfelten?
Özgür: Zunächst einmal muss man sagen, dass das Spiel gar nicht erst hätte angepfiffen werden dürfen. Das Stadion war total überfüllt, es waren deutlich mehr Zuschauer anwesend, als die Kapazität es zulässt. Die Leute standen teilweise auf den Treppen, Fluchtwege waren versperrt.
Faszination Fankurve: Wie war es denn möglich, dass zu viele Menschen ins Stadion gelangen konnten?
Özgür: Es war wohl so, dass sich bis zu 5.000 Personen ohne Eintrittskarten, über die Osttribüne Zugang zum Stadion verschafft haben, indem sie einfach die Absperrungen übersprangen. Ordnungsdienst, der hätte einschreiten können, gab es dort auch nicht.
Faszination Fankurve: Wie ist das möglich?
Özgür: Gute Frage. Bei normalen Ligaspielen sind rund 800 Ordner im Stadion, bei Derbys sogar 1.500 bis 2.000 vor Ort. Diesmal sollen es insgesamt nur 500 gewesen sein.
Faszination Fankurve: Was passierte dann im Stadion?
Özgür: Wie bereits angesprochen, das Spiel hätte eigentlich nicht angepfiffen werden dürfen. Allein die Ansetzung des Schiedsrichters war ein kleiner Skandal. Beide Vereine hatten im Vorfeld davor gewarnt, Firat Aydinus dieses Spiel pfeifen zu lassen und einen anderen Unparteiischen angefordert. Beim letzten Derby hatte er nach einer Schwalbe auf Elfmeter entschieden und damit Tumulte ausgelöst. Das Spiel selbst verlief eigentlich ruhig, bis zum Platzverweis für den Gala-Spieler Melo in der Nachspielzeit.
Faszination Fankurve: War es nicht sogar der Fall, dass gar keine Fans von Galatasaray anwesend waren?
Özgür: Tatsächlich ist es so, dass es zwischen den Vereinen bereits seit ein paar Jahren eine Vereinbarung gibt, keine Gästeanhänger zu Derbys und anderen besonderen Spielen, beispielsweise gegen Bursaspor, zuzulassen.
Faszination Fankurve: Kannst Du uns aus deiner Sicht schildern, wie es dann zu der Eskalation kommen konnte?
Özgür: Letztendlich ist zunächst nur ein einzelner Zuschauer nach der Roten Karte in Richtung Spielfeld gelaufen ist. Die Ordner haben ihn jedoch abfangen, sodass er den Platz gar nicht erst erreichen konnte. Dennoch sind der Schiedsrichter und die Spieler von Galatasaray sofort in Richtung der Katakomben geflüchtet. Die Ordner haben es ihnen gleichgetan. Daraufhin sind mehrere versprengte Gruppen, zunächst lediglich 10 bis 20 Personen, wie eine „Schafherde“ ebenfalls in Richtung des Feldes gelaufen. Man muss an dieser Stelle jedoch deutlich erwähnen, dass es sich zumindest bei den Ersten vermutlich nicht um Besiktas- Fans gehandelt hat. Sie trugen weder Trikots noch sonstige Merkmale, die sie als solche identifiziert hätten.
Faszination Fankurve: Du deutest ein Thema an, über das in Medienkreisen spekuliert wird. Waren es letztendlich gar keine sportlichen, sondern politische Hintergründe die zu dem Platzsturm führten?
Özgür: Während des Spiels gab es natürlich wieder politische Parolen, aber das ist nichts Ungewöhnliches, das ist auch bei anderen Spielen der Fall. Es gibt zwei verschiedene Szenarien die möglich erscheinen. Einerseits könnte es als Strafe für die Besiktas-Fans durch AKP-Anhänger, wegen der Beteiligung an den Protesten gegen Erdogan, gedacht gewesen sein. Andererseits ist es aber auch möglich, dass gezielt der Lauf von Besiktas, nach vier überzeugenden Siegen in vier Spielen, gestoppt werden sollte. Bei einer Niederlage hätte Gala neun Punkte Rückstand auf uns gehabt.
Faszination Fankurve: Aber Galatasaray führte zu diesem späten Zeitpunkt doch…
Özgür: Das stimmt, aber Besiktas wird als Veranstalter in Haftung genommen und es droht eine lange Platzsperre, beziehungsweise Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nichtsdestotrotz deuten die Umstände, beispielsweise der fehlende Ordnungsdienst an der Osttribüne, ob politisch oder sportlich, auf eine geplante Aktion hin, die einzig und allein darauf abzielt dem Verein zu schaden.
Faszination Fankurve: Welchen Verlauf hat die Situation eigentlich genommen?
Özgür: Nachdem die Polizei sich zunächst zurückgezogen hatte, bekam sie die Lage nach ihrer Rückkehr durch den Einsatz von Tränengas schnell unter Kontrolle. Außerhalb des Stadions gab es im Übrigen keinerlei Vorfälle mehr. (Faszination Fankurve, 25.09.2013)
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