„Seit Stunden werden Clubfans am Bahnhof Kiel von der Polizei festgehalten“

Faszination Fankurve 21.08.2023 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Im Nachgang des Auswärtsspiels des 1. FC Magdeburg im Holstein-Stadion bei Holstein Kiel wurden FCM-Fans über mehrere Stunden am Kieler Hauptbahnhof festgesetzt. Die Bundespolizei nahm dabei die Personalien von 280 FCM-Fans auf.

„Auswärtssieg in Kiel – aber nicht für alle ist das gerade ein spaßiger Abend. Seit Stunden werden Clubfans am Bahnhof Kiel von der Polizei festgehalten, einzeln gefilzt und kontrolliert. Die Polizei behandelt uns Clubfans wie Schwerkriminelle. Das kann nicht sein! Die Maßnahme der Polizei erfolgt übrigens ohne jede Begründung. Auch die eigentlich verbindlichen Rechtsbelehrungen durch die Polizisten finden bei den Kontrollen nicht statt. Es ist unfassbar! Während wir Magdeburger Fußballfans heute stundenlang im Polizeikessel im Kieler Bahnhof waren, machten sich die Beamten scheinbar einen Spaß aus der vollkommen überzogenen Maßnahme und fertigten Selfies im Gleisbett an. Unglaubliche Szenen…“, reagierte die Fanhilfe Magdeburg beim Kurznachrichtendienst X auf das Vorgehen der Polizei.

Die Bundespolizeiinspektion Kiel erklärte die Vorfälle aus ihrer Sicht wie folgt: „Nach dem gestrigen 2 Liga-Spiel zwischen dem KSV Holstein und dem 1 FC Magdeburg kam es zu Flaschen- und Dosenwürfen auf die eingesetzten Kräfte der Bundespolizei am Kieler Hauptbahnhof, dieser musste zeitweise gesperrt werden. Gestern Nachmittag (20.08.) sollte das bis dahin ruhige Verhalten der Fans des 1 FC Magdeburg eine plötzliche Wende nehmen. Die Eingangstüren des abfahrtbereiten Regionalexpresses wurden blockiert und Notbremsen gezogen, sodass dieser nicht abfahren konnte. Da sich noch Fans des 1 FC Magdeburg zu Fuß im Stadtgebiet aufhielten und so den Zug nicht mehr rechtzeitig erreichen konnten, wurde der Zug so aufgehalten. Da sich aber neben den 300 Fans weitere Reisende im Zug befanden, wurde die Fans durch die Bundespolizei zum Einstieg aufgefordert. Nach wiederholter Aufforderung schlugen und bewarfen die Magdeburger Fans die eingesetzten Polizeikräfte. Dabei wurden vier Beamte verletzt. Die Bundespolizei setzte anlassbezogen Pfefferspray gegen die Magdeburger Fans ein. Teile der Fans drängten im Rahmen. dieser Auseinandersetzungen über die Nachbargleise, sodass der Hauptbahnhof ab 16:45 Uhr gesperrt werden musste. Um die Strafverfolgung zu gewährleisten und um weitere Straftaten zu verhindern, wurde durch die Bundespolizei die Identitätsfeststellung aller Fans angeordnet und bei über 280 Identitäten wurden festgestellt. Dabei wurden erste Tatverdächtige festgestellt, einer von ihnen war stark alkoholisiert. Diese werden sich nun wegen des Verdachtes des tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und weiteren Straftaten verantworten müssen. Zwischenzeitlich wurden die Gleise 1,2, 5 und 6 wieder für den Zugverkehr freigegeben. Nach Abschluss aller Maßnahmen konnten alle Magdeburger Fans ihre Heimreise antreten.“ (Faszination Fankurve, 21.08.2023)

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Update: Faszination Fankurve dokumentiert die Pressemitteilung der Fanhilfe Magdeburg zum Thema:

Polizei in Kiel nimmt Clubfans in Sippenhaft – Fanhilfe fordert Aufarbeitung

Der gestrige Einsatz der Polizei am Kieler Hauptbahnhof war vollkommen überzogen. Stundenlang wurden über 250 1. FCM-Fans festgehalten und wie Schwerkriminelle behandelt. Die Fanhilfe prüft rechtliche Schritte gegen die Polizeimaßnahme.

Am gestrigen Sonntag wurden knapp 250 Fans des 1. FC Magdeburg über drei Stunden lang am Kieler Hauptbahnhof festgehalten. Vorangegangen waren Probleme bei dem Transport der Clubfans vom Stadion zum Bahnhof. Viele Fans konnten, auf Grund der chaotischen Ausgabe der Taschen am Stadion, nicht rechtzeitig zur geplanten Abfahrt des Zugs den Bahnhof erreichen. Der Zug sollte mit der Abfahrt warten. Die Polizei sah das anders und wollte die Clubfans mit Gewalt in den Zug bringen. Als Folge des daraufhin entstandenen Konflikts zwischen Fans und Polizei wurden alle Zugfahrer einzeln kontrolliert und deren Personalien festgehalten, was vollkommen unverhältnismäßig ist.

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Die Fanhilfe kritisiert diese Maßnahme. Obwohl Polizeieinsätze bei jedem Fußballspiel stabsmäßig geplant werden, setzt die Polizei bei aufkommenden Problemen auf Gewalt und Eskalation statt Kommunikation und Rücksichtnahme. Clubfans wurden wie Schwerkriminelle behandelt, ohne jede Begründung und Rechtsbelehrung festgehalten und kontrolliert. Das grenzt an Sippenhaft.

Ein entspannter Fußballnachmittag mit friedlicher Anreise und Auswärtssieg wurde so zu einem überzogenen Polizeieinsatz gegen Clubfans. Dem nicht genug, machten sich einige der Polizisten vor Ort einen Spaß aus der vollkommen überzogenen Maßnahme und fertigten Selfies im Gleisbett an, um dann den Clubfans die Schuld an der Sperrung des Bahnhofs zu geben. Mehr Kommunikation und Verständnis für Fankultur hätten diesen Einsatz und die Sperrung der Gleise im Vorhinein verhindert.

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