Im Nachgang des Auswärtsspiels des ESV Kaufbeuren in Selb kam es am 29. Oktober 2023 auf einem Autobahnparkplatz zu einem Angriff auf Jokeria und Buron Boys Kaufbeuren. Dabei wurde die Auswärtsfahne der Jokeria, die Zaunfahne der Buron Boys und eine weitere Szene-Fahne erbeutet.
„Leider konnten wir den völlig überraschenden Angriff aufgrund deutlich zahlenmäßiger Unterlegenheit nicht abwehren. Auch private Gegenstände (Jacken, Schlüssel, Geldbeutel, Reisetasche) kamen abhanden“, beschreiben die Ultras aus Kaufbeuren den Angriff, den sie einer niederbayrischen DEL-Fanszene zurechnen. Damit dürften somit Straubing Tigers-Fans gemeint sein.
Es sei die schmerzhafteste Erfahrung, die die Fanszene Kaufbeuren je gemacht habe. Die Nachwuchsgruppe Buron Boys habe sich nach dem Verlust der eigenen Zaunfahne sofort und unwiderruflich aufgelöst.
Für die Jokeria soll es jedoch weitergehen. Man habe nicht die Hauptzaunfahne verloren, sondern lediglich die Auswärtsfahne. Der Gruppe gehe es um mehr als um einen Ehrenkodex und eine Neugründung der gleichen Personen unter neuem Namen.
Die Jokeria fragt sich, ob sie als kleine Besatzung mit einem Neunerbus und einem Auto ihre Fahnen überhaupt gegen einen „großen Szenebus“ hätte verteidigen können. Man wolle nicht sofort wieder zum Tagesgeschäft übergehen und in den nächsten Wochen bei Heim- und Auswärtsspielen nicht als Gruppe auftreten. Danach will man aber gestärkt zurückkommen. (Faszination Fankurve, 03.11.2023)
Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der Jokeria & Buron Boys Kaufbeuren:
STELLUNGNAHME DER JOKERIA & BURON BOYS KAUFBEUREN
bezogen auf den Vorfall vom 29.10.2023 im Nachgang zum Spiel gegen Selb
Servus Jokerfans, Wegbegleiter & Ultras anderer Vereine,
nach unserem Auswärtsspiel am Sonntag, den 29.10.2023, in Selb kam es auf der Heimfahrt zu einem für uns schwerwiegenden Vorfall. Auf einem Autobahnparkplatz wurden wir von einer Eishockeyszene eines niederbayerischen DEL-Vereins angegriffen und verloren dabei unsere Gruppenzaunfahnen, JK auswärts und Buron Boys, sowie einen Szene-Banner. Leider konnten wir den völlig überraschenden Angriff aufgrund deutlich zahlenmäßiger Unterlegenheit nicht abwehren. Auch private Gegenstände (Jacken, Schlüssel, Geldbeutel, Reisetasche) kamen abhanden.
Der Materialverlust ist für unsere beiden Gruppen, aber auch für die gesamte Fanszene Kaufbeuren, die schmerzhafteste Erfahrung, die wir bislang machen mussten. Es wurde uns damit ein schwerer Dolchstoß mitten ins Herz verpasst. Unsere Nachwuchsgruppe, Buron Boys, musste infolge des Verlusts der einzigen Gruppenzaunfahne die harte Entscheidung treffen, die Gruppe sofort und unwiderruflich aufzulösen.
In der Vergangenheit kam es zu unterschiedlichen Auslegungen des “Ehrenkodex” der Ultras nach einem Zaunfahnenverlust. Zum einen stellt in unserem Verständnis weiterhin die Hauptzaunfahne das Herzstück einer Ultragruppe dar. Zum anderen kommt bei der Betrachtung der Ultraentwicklung in Deutschland die Frage auf, was es überhaupt mit diesem “Ehrenkodex” auf sich hat. Geht es um das aufgezwungene Selbstverständnis zur Auflösung oder dem Image, das man wahren möchte und sich dann nach kurzer Zeit mit den gleichen Leuten unter neuem Namen wieder in die Kurve zu stellen? Für uns nicht! Für uns geht es um mehr. Um andere Werte, die über all dem stehen. Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt und die Verbundenheit zu Stadt und Verein in 20 Jahren Jokeria. Auch durch solch eine Aktion lassen wir uns das nicht nehmen. Dennoch müssen wir unser eigenes Handeln in gewissen Situationen noch kritischer hinterfragen. Auch die Umstände des Verlustes spielen für uns eine nicht unwesentliche Rolle. Ob in unserem Fall eine realistische Chance bestand, das Material gegen einen übermächtigen Gegner zu verteidigen, der mit einem großen Szenebus auf einem Rastplatz aufschlägt und ohne jeden bisherigen Berührungspunkt gegen eine kleine Besatzung (9er + Auto) aufmarschiert, soll jeder selbst beurteilen. Uns ist natürlich bewusst, dass solche Aktionen nie zu 100% “fair” ablaufen. In unseren Augen wurde dabei aber eine Grenze in Eishockey-Deutschland überschritten. Auch dazu mag es sicherlich andere und gefestigte Meinungen geben, bis man selbst davon betroffen ist.
Der Schmerz sitzt natürlich sehr tief, und es wird seine Zeit brauchen, um das Ganze zu verarbeiten. Sofort wieder zum Tagesgeschäft überzugehen und die Mannschaft wie gewohnt zu unterstützen, ist in unseren Augen unmöglich und wäre der Situation auch nicht angemessen. Deshalb werden wir in den nächsten Wochen nicht als Gruppe im Stadion (heim und auswärts) auftreten, um dann hoffentlich wieder gestärkt zurückzukommen. Wir werden unseren Weg konsequent und zusammen mit unserer Jugend, auf die wir mächtig stolz sind, weitergehen. Wir mögen angeschlagen sein, am Boden liegen wir aber noch lange nicht! Keiner kann uns stoppen!
Jokeria Kaufbeuren & Buron Boys im November 2023



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