„DFL-Investor 2.0 – Gegen Erlössteigerung um jeden Preis!“

Faszination Fankurve 20.11.2023 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Nachdem die Pläne der DFL mit Investoren im Frühjahr 2023 scheiterten, nimmt der Ligaverband einen neuen Anlauf. Am 11. Dezember 2023 sollen die 36 Bundesliga-Clubs erneut eine Richtungsentscheidung zum Investor-Thema treffen.

Das Netzwerk Zukunft Profifußball nimmt die neuesten Pläne der DFL kritisch ins Visier und arbeitete dabei sechs wesentliche Kritikpunkte heraus. (Faszination Fankurve, 20.11.2023)

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Faszination Fankurve dokumentiert die Kritikpunkte des Netzwerks Zukunft Profifußball:

DFL-Investor 2.0
Gegen Erlössteigerung um jeden Preis!

Im Frühjahr 2023 ist die DFL mit ihren Investoren-Plänen in ihrer Mitgliederversammlung krachend gescheitert. Knapp sechs Monate später startet sie jetzt einen erneuten Anlauf. Bereits am 11. Dezember sollen die 36 Profiklubs in einer Richtungsentscheidung dafür grünes Licht geben.

Im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen im Juni hat sich einiges geändert und die Kommunikation der DFL scheint insgesamt etwas transparenter. Wir nehmen die aktuellen Pläne kritisch ins Visier und kommen auf sechs wesentliche Kritikpunkte: 

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  • Überkommerzialisierung führt zu noch mehr Entfremdung
    Auch im neuen Anlauf soll durch die Beteiligung eines Investors die Vermarktung des Profifußballs der Männer verbessert werden. Neben möglicherweise auch nachvollziehbaren Investitionen heißt das vor allem: Die Kommerzialisierung soll weiter vorangetrieben werden. Im Juni war dazu von dubiosen Fan-Token und anderen absurden Vermarktungsideen die Rede, die auch jetzt nicht ausgeschlossen sind.
  • Internationale Vermarktung lässt Schere zwischen DFL-Vereinen weiter auseinander gehen
    Die DFL plant vor allem die internationale Vermarktung  mit den Investoren-Geldern deutlich auszubauen. Die internationalen Vermarktungserlöse werden innerhalb der DFL jedoch besonders ungleich verteilt. Konkret heißt das: Nur drei Prozent dieser Einnahmen gehen an die 2. Liga. In der 1. Liga werden 65 Prozent des Geldes basierend auf den Teilnahmen und den Erfolgen in den UEFA-Wettbewerben verteilt (der Rest des Geldes geht gleichverteilt an die Erstligisten).
    Eine Stärkung der internationalen Vermarktung gegenüber der nationalen Vermarktung führt also unweigerlich dazu, dass die finanzielle Schere zwischen den DFL-Vereinen noch weiter auseinandergeht.
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  • Private-Equity-Mechanismen werden übernommen
    “Mitspracherechte sind das A und O”, so lässt sich einer der am Prozess beteiligten Private-Equity-Player zitieren. Auch wenn die DFL die Mitbestimmungsrechte des Investors begrenzen möchte, so kann und wird dieser bei ausbleibendem Wachstum direkt und indirekt versuchen, Einfluss zu nehmen. Private-Equity Investoren wollen Wachstum um jeden Preis. 
    Das Beispiel Ligue 1 und CVC zeigt zudem eindrücklich, unter welche Sachzwänge die Zusammenarbeit mit Investoren die Ligen setzt. 
  • Private-Equity: Geldquellen unbekannt
    Weiterhin gilt: Es gibt keine vollständige Transparenz darüber, woher das Geld der Private-Equity Investoren kommt. Das bedeutet: Keine umfassende Kontrollmöglichkeit inwieweit Gelder verwendet werden, die aus Verstößen gegen Menschenrechte, Waffenhandel oder sonstigen Problemfeldern generiert wurden.
  • Internationale Vermarktungsreisen untergraben Nachhaltigkeitspläne
    Mit rund 100 Mio. Euro plant die DFL zusätzlich zu bestehenden Anreizen Auslandsreisen von Vereinen zu unterstützen. Dies steht im enormen Widerspruch zur Ambition, endlich auch ökologisch nachhaltiger zu werden. Vermutlich ist dies ein Grund, warum die DFL sich noch immer keine verbindlichen Klimaziele gesetzt hat – man meint es einfach nicht ernst.
  • Schon wieder keine Mitglieder-Beteiligung
    Die Proteste Ende vergangener Saison haben eindrucksvoll gezeigt, dass viele Fans eine Investoren-Beteiligung und vor allem auch das intransparente Vorgehen der DFL ablehnen. Diese Kritik versucht die DFL nun mit etwas mehr Informationen zu entkräften. Gleichzeitig plant sie, das Thema im Eiltempo durchzusetzen. Bereits im Dezember soll bei der kommenden Mitgliederversammlung eine Richtungsentscheidung getroffen werden. Durch die straffe Zeitschiene ist eine Rückbindung an Mitgliederinteressen und Gremien in den eingetragenen Vereinen weiterhin nur schwer möglich. 

Endlich inhaltliche Ziele klären

Es geht nicht darum, sich Veränderungen im Profifußball per se zu verweigern. Auch wir sehen, dass sich die Mediennutzung und damit auch der Medienmarkt verändern. Sich hierfür angemessene Lösungen zu überlegen, ist Aufgabe der DFL. Dazu können auch neue Formate, wie eine Streamingplattform, gehören.

Der geplante Deal geht jedoch weit darüber hinaus. Er folgt dem typischen DFL-Motto “mehr Vermarktung – mehr Geld – egal für was”. Dies geht klar an den Erwartungen der Mehrheit der Fans vorbei. Das hat nicht erst, aber in aller Deutlichkeit, die Corona-Pandemie gezeigt. Fans wünschen einen nachhaltigen, basisnahen und zeitgemäßen Fußball statt eines blinden Ausverkaufs.

Wir sind der festen Überzeugung, dass die Klärung inhaltlicher Ziele innerhalb der DFL und davon abgeleiteten Maßnahmen den Fußball in Deutschland deutlich weiter bringen, als blind allen potenziellen Erlössteigerungen hinterherzulaufen. Es ist höchste Zeit, die Grundsatzfrage der inhaltlichen Ziele in der DFL verbindlich zu klären, bevor man weitere Hau-Ruck-Aktionen forciert, deren Effekte langfristig dem deutschen Fußball mehr schaden als nutzen.

Netzwerk Zukunft Profifußball
November 2023

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