Als ein Polizeibeamter „versehentlich“ auf einen Gladbacher Fantransporter schoss
Faszination Fankurve14.12.20230 Kommentare
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Im 14. Türchen des diesjährigen Adventskalenders blicken wir zurück auf den 19. August 2023. Am ersten Bundesliga-Spieltag der Saison 2023/24 empfing der FC Augsburg Borussia Mönchengladbach im Schwabenstadion, als ein Polizist kurz vor Ende der Partie auf dem Parkplatz vorm Gästeblock einen Schuss aus seiner Dienstwaffe abgab. Dabei traf er ein Auto des Gladbacher Fanprojekts.
Das Polizeipräsidium Nordschwaben teilte dazu in Absprache mit der zuständigen Staatsanwaltschaft mit: „Am heutigen Samstag (19.08.2023) kam es am Rande des Bundesligaspiels zu einer – ersten Erkenntnissen zufolge unbeabsichtigten – Schussabgabe aus einer Dienstwaffe durch einen Polizeibeamten. Dabei wurden keine Unbeteiligten verletzt. Gegen 17.30 Uhr löste sich nach derzeitigem Stand ein Schuss aus der Dienstwaffe eines Polizeibeamten in einem abgegrenzten Bereich auf dem Stadiongelände. Dadurch erlitten drei Beamte ein Knalltrauma, ein Beamter erlitt eine Schürfwunde. Weitere Personen wurden nicht verletzt. Bei dem Vorfall wurde ein Polizeifahrzeug und ein Fan-Bus beschädigt. Die näheren Hintergründe zum Ablauf sind derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Wie in solchen Fällen üblich ist auch das Bayerische Landeskriminalamt eingebunden.“ Aufgrund einer lange Nachspielzeit wurde um 17:30 Uhr im Stadion noch Fußball gespielt, wodurch sich noch keine Fans auf dem Parkplatz hinter dem Gästeblock aufhielten.
Die Fanhilfe Mönchengladbach schrieb auf Twitter zu dem Vorfall: „Der Schuss löste sich versehentlich und traf glücklicherweise niemanden. Das Auto war zum Zeitpunkt leer. Absicht unterstellen wir natürlich nicht. Mit Blick darauf, dass gerade die Polizei in Bayern Fans immer als großes Sicherheitsrisiko darstellt, entbehrt der Vorfall, bei dem der Schuss Richtung vollbesetztes Stadion abgegeben wurde, aber natürlich nicht einer gewissen Ironie.Das bayrische USK muss seine Beamten offensichtlich besser schulen und hat Nachholbedarf, wenn es darum geht, für Sicherheit zu sorgen.“
Am 24. August 2023 kam es wegen des Vorfalls zu einer Suspendierung. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass sich „vor der Schussabgabe Polizeibeamte auf Grund der hohen Außentemperaturen gegenseitig mit Wasser bespritzt“ hätten. „Während der zweiten Spielhälfte befanden sich Beamte des USK der Bayer. Bereitschaftspolizei mit ihren Fahrzeugen im Außenbereich der WWK Arena in Rufbereitschaft für den Fall etwaiger Vorfälle. Während dieser Zeit kam es zu einer Schussabgabe aus der Dienstwaffe eines USK-Beamten. Das Projektil durchschlug die Scheibe des Dienstfahrzeuges und die Scheibe eines unbesetzt dort abgestellten Transportbusses der Fanbetreuung Mönchengladbach. Im Innenraum des Transportbusses kam das Geschoss zum Liegen. Durch den Vorfall erlitten neben dem Schützen drei weitere Polizeibeamte ein Knalltrauma sowie ein Beamter eine oberflächliche Hautabschürfung im Gesicht durch Glassplitter. Im Umfeld des Ereignisses befanden sich nur Polizeibedienstete. Gegen den Schützen hat die Staatsanwaltschaft Augsburg ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Ermittlungen hierzu hat das für polizeiliche Schusswaffengebräuche und strafrechtliche Ermittlungen zuständige Dezernat im Bayerischen Landeskriminalamt unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Augsburg übernommen. Nach derzeitiger Kenntnislage haben sich unmittelbar vor der Schussabgabe Polizeibeamte auf Grund der hohen Außentemperaturen gegenseitig mit Wasser bespritzt. Warum der Schütze dann zur Waffe gegriffen hat und es zur Schussabgabe gekommen ist, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Parallel zu den strafrechtlichen Ermittlungen wird der Vorfall bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei dienstrechtlich geprüft. Gegen den Schützen wurde zwischenzeitlich ein Verbot der Führung der Dienstgeschäfte (Suspendierung) ausgesprochen. Zudem werden vier weitere Polizeibeamte zunächst nicht mehr im USK eingesetzt. Die Betroffenen inklusive des 27-jährigen Schützen stehen seit dem Vorfall unter Schock und werden betreut. Vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen werden auch nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Augsburg derzeit keine weiteren Auskünfte erteilt“, machte die Bayerische Bereitschaftspolizei die Suspendierung am 24. August 2023 öffentlich.(Faszination Fankurve, 14.12.2023)
Umstrittene Polizei-Einsätze im Jahr 2023 im Rückblick:
Im kommenden Sommer steht die Europameisterschaft 2024 in Deutschland an. Wie schon bei der Weltmeisterschaft 2006 beobachten Fußballfans im Ligaalltag eine Zunahme von Repressionen und überharten Einsätzen der Polizei in und um die Stadien. Im diesjährigen Adventskalender von Faszination Fankurve schauen wir auf die umstrittenen Polizei-Einsätze im Kalenderjahr 2023.
Zuletzt häuften sich Einsätze an Spieltagen, die von betroffenen Ultras, aber auch von anderen Fans in den Stadien als überhart, überzogen oder völlig daneben eingestuft werden. Bundesweit fanden solche Vorfälle zuletzt medial Beachtung. Weil, anders als im Jahr 2006, mittlerweile in vielen Fanszenen sogenannte Fanhilfen entstanden sind, findet die Sicht von aktiven Fußballfans in der Berichterstattung regelmäßiger Aufmerksamkeit. Wie schon beim letzten Großturnier in Deutschland vor über 17 Jahren sind von umstrittenen Einsätzen vor allem Fußballfans betroffen, die ihre Mannschaft zu Auswärtsspielen begleiten. Dieser Adventskalender zeigt, dass solch umstrittene Einsätze der Exekutive keine Einzelfälle sind. (Faszination Fankurve, 12.12.2023)
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