„Ein Teil der Gruppe soll sich dabei vermummt und den Zug verlassen haben“

Faszination Fankurve 26.08.2024 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Die Königsblaue Hilfe hat sich ausführlich zum umstrittenen Polizeieinsatz gestern am Bahnhof Magdeburg-Herrenkrug zu Wort gemeldet. Der etwa fünf Stunden andauernden Kontrolle von etwa 500 FC Schalke 04-Fans soll ein versuchter Angriff auf den Zug der Gästefans am Bahnhof Helmstedt vorausgegangen sein.

Ein Teil der Schalke-Fans soll sich in Helmstedt vermummt und den Zug verlassen haben. „Im Rahmen der Anreisephase kam es am Bahnhof Helmstedt zu einem polizeilichen Einsatz. Beim Halt eines Intercitys, welchen circa 560 Fußballsympathisanten des FC Schalke 04 nutzten, stiegen Teile der Gruppierung gegen 10:35 Uhr aus, vermummten und maskierten sich und stiegen anschließend wieder in selbigen Zug ein. Laut ersten Erkenntnissen sollen sie zudem Schutzbewaffnung mitgeführt und sich womöglich auf eine Drittortauseinandersetzung vorbereitet haben. Unter Begleitung von Einsatzkräfte der Bundespolizei fuhr der relevante Zug, mit zeitlicher Verspätung, in Richtung Magdeburg-Herrenkrug weiter. Im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen wurden über 180 Sturmhauben, 80 Mund-/ Zahnschutze, Handschuhe und Taschenmesser durch die Einsatzkräfte aufgefunden“, begründete die Polizei die Maßnahme. Die Bundespolizeiinspektion Magdeburg wirft den Gästefans vor, eine Drittortauseinandersetzung geplant zu haben: „Aufgrund der versuchten/geplanten Drittortauseinandersetzung wurden in Magdeburg Herrenkrug durch Kräfte der Landes- und Bundespolizei bei allen Schalker Fans aus dem betroffenen Zug die Identität festgestellt und diese durchsucht. Hierbei wurde eine Vielzahl an Fanaufklebern und zur Vermummung geeignete Textilien sowie ein Kartenmesser bei Männern im Alter von 20, 21, 24, 27, 28, 30, 31, 33 fest- und sichergestellt sowie entsprechende Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach erfolgter Gefährdungsansprache wurde durch die Landespolizei ein Betretungsverbot für das Stadtgebiet Magdeburg erlassen. Die überprüften Fans nutzten gegen 17:10 Uhr einen Intercity von Magdeburg-Herrenkrug in Richtung Hannover. Die Fans wurden bei ihrer Rückreise durch Einsatzkräfte der Bundespolizei begleitet“, so die Begründung der Bundespolizei weiter.

Am Bahnhof Magdeburg-Herrenkrug waren davon nicht nur Schalke-Fans aus besagtem Zug, sondern auch anders angereiste Gästefans betroffen. Die Königsblaue Hilfe kritisiert die Kontrollen, die teilweise auch den Intimbereich miteingeschlossen haben solle. Zudem sein es zu erkennungsdienstlichen Behandlungen gekommen. Die aktive Fanszene des FC Schalke 04 inklusive der Ultras verpasste das Auswärtsspiel im Heinz-Krügel-Stadion wegen der Polizeimaßnahme. Die Fanhilfe aus Gelsenkirchen prüft nun rechtliche Schritte gegen die Polizei. (Faszination Fankurve, 26.08.2024)

Mit der Bahn anreisende Schalke-Fans sollten über den Bahnhof Magdeburg-Herrenkrug anreisen.

Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der Königsblauen Hilfe:

[grau]Unverhältnismäßiger Polizeieinsatz

Die Polizei setzt 500 Schalke-Fans fest, verhindert Stadionbesuch und führt Großkontrolle durch!

Auf der Anreise zum gestrigen Spiel des FC Schalke 04 beim 1. FC Magdeburg soll es am Bahnhof Helmstedt zu einem versuchten Angriff auf den Zug der Schalker Fans gekommen sein. Ein Teil der Gruppe soll sich dabei vermummt und den Zug verlassen haben. Dies allein nahm die Polizei zum Anlass, den Zug zunächst eine Stunde am Bahnhof aufzuhalten, bis Verstärkung der BFE aus Magdeburg eingetroffen ist. Daraufhin leitete die Polizei den Zug zum Bahnhof Magdeburg-Herrenkrug um, der als offizieller Anreiseweg für Gäste ausgerufen war.

Nach langem Verharren auf dem engen Bahnsteig (bei laufendem Zugverkehr) wurden die angereisten Gästefans jedoch nicht – wie vorher angekündigt – zum Stadion, sondern unter verbalen und körperlichen Provokationen der Beamten in die Bahnhofsunterführung geleitet. Aus einem großen Polizeikessel heraus wurden diese nun nach und nach kontrolliert. Daran beteiligte sich auch eine Einheit des bayrischen USK. Bei der Maßnahme wurden Betroffene (auch im Intimbereich) durchsucht, abgefilmt und mussten ihre Personalien abgeben. Danach wurden sie in einen zweiten Polizeikessel geleitet und erhielten ein Betretungsverbot für die Stadt Magdeburg und speziell den Stadionbereich.

Nachdem sich durch das langsame Vorgehen der Polizei bei der Kontrolle andeutete, dass möglicherweise der von den Fans gebuchte Zug für den Rückweg nicht mehr erreicht werden könnte, wurden plötzlich mehr Beamte für die Kontrollen bereitgestellt und die Betroffenen nicht mehr gründlich durchsucht, sondern nur noch erkennungsdienstlich behandelt. Dadurch drängt sich der Verdacht auf, dass die Maßnahme auch darauf ausgerichtet war, die Fans möglichst lange festzuhalten, an einem Stadionbesuch zu hindern und Daten der Betroffenen zu sammeln.

Während der gut fünf Stunden andauernden Maßnahme, die mit einer vermeintlichen Gefahrenabwehr begründet wurde, waren die Fans der Sonne und den hohen Temperaturen ausgesetzt, was zu starken Kreislaufproblemen führte. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Versorgung mit Getränken erst nach endlosen Diskussionen und in viel zu geringer Menge ermöglicht wurde. Auch die Toilettensituation war problematisch. Besonders weibliche Mitglieder der Gruppe berichten, dass sie – begleitet von einer weiblichen und umstellt von sechs männlichen Beamten – hinter einem Polizeiauto ihre Notdurft verrichten mussten.

Ein weiterer Aspekt: Da der Bahnhof Magdeburg-Herrenkrug als offizieller Anreisebahnhof der Gästefans angegeben war, fanden sich im Polizeikessel auch zahlreiche Personen wieder, die weder als Teil der aktiven Fanszene angesehen werden können, noch jemals in besagtem Zug saßen. Auch sie mussten sich den lang andauernden und kräftezehrenden Kontrollen unterziehen. Auch und gerade diese Personen rufen wir dazu auf, sich zeitnah per Mail an info@koenigsblaue-hilfe.eu bei uns zu melden.

Im Augenblick stehen wir in Kontakt mit unseren Anwälten und dem FC Schalke 04, um rechtliche Schritte zu prüfen. Aus unserer Sicht stellen die Ereignisse des gestrigen Tages eine massive Form der Unverhältnismäßigkeit und Sippenhaft dar. Ein Dank geht an die S04-Fanbelange, die Fanhilfe Magdeburg sowie die Fanprojekte beider Vereine, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützten und sich solidarisch zeigten.

Übrigens:

Auch auf der Abreise der Gästefans wurden diese von massiven Polizeikräften begleitet, die verhindert haben, dass Fans sich beispielsweise an den Umsteigebahnhöfen mit Getränken und Speisen versorgen konnten.

https://twitter.com/fanhilfe_md/status/1827690631009063246

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