Ultras äußern Kritik an Schal von Influencern, der in offiziellen Fanshop aufgenommen wird

Faszination Fankurve 17.09.2024 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Unter dem Titel „Ein Schal – mehr als Marketing“ äußerten sich die Ultras der Coloniacs in ihrem Kurvenflyer Kallendresser kompakt beim Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg kritisch zu einem Schal, der von zwei Influencern gestaltet und vertrieben wurde und nun in den offiziellen Fanshop des 1. FC Köln aufgenommen werden soll.

Der Kurvenflyer Kallendresser kompakt der Coloniacs beim Heimspiel gegen den FCM.

Die Ultragruppe fragt sich, was mit den bisherigen Einnahmen passiert ist, die durch den Verkauf der selbstgestalteten „Allez FC“-Schals eingenommen wurden. Aus Sicht der Gruppe sollte sich nämlich keine Person am 1. FC Köln bereichern. Außerdem kritisieren die Coloniacs die Bewerbung des Schals auf „penetranteste Art und Weise via Instagram und Co.“.

Die Gruppe nimmt die Geschichte mit dem Schal, der es auch in die Lokalzeitung schaffte, zum Anlass, um Kooperationen des 1. FC Köln im Social-Media-Bereich zu kritisieren. Dabei gerät vor allem die der Plattform „Koelnistkool“ in die Kritik der Ultras.

Am Ende des Textes betonen die Coloniacs, dass wer diesen Schal tragen möchte, dies auch gerne tun könne. Mit verbalen oder körperlichen Angriffen seitens der Ultras sei nicht zu rechnen. Lob findet man sogar für den „Do it yourself“-Charakter des Schals. Der eigene Text sei vielmehr als Denkanstoß zu verstehen, um Kritik an Fehlentwicklungen zu thematisieren. (Faszination Fankurve, 17.09.2024)

https://www.instagram.com/reel/C-aOWv5NJLS/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA

Faszination Fankurve dokumentiert den Text der Coloniacs:

[grau]Ein Schal – mehr als Marketing

Hallo FC-Fans,

der Stellenwert eines Schals ist für Fans ungemein wichtig. Ohne in krasse Pathos-Zeilen zu verfallen, ist es für die Identifikation zum eigenen Verein einer der prägendsten FanUtensilien. Viele Menschen verbinden mit einem Schal Geschichten und Anekdoten, die auf das eigene Fanleben einen großen Einfluss hatten.

In der Vergangenheit haben wir uns zu Themen wie Onlinehandel von Kurvenartikel (primär Schals) positioniert oder einen lesenswerten Text der Schickeria München zu der Thematik geteilt (nachzulesen im Kallendresser Kompakt #111).

Es ist grundsätzlich natürlich jeder Person freigestellt, sich selbst einen Schal zu designen und diesen auch zu tragen. Dagegen spricht auch nix und ein nötiger DIYFaktor, abseits vom Mainstream, hat was. Wir schreiben keiner Person vor, was sie im Stadion zu tragen hat. Dennoch kann man sich je nach Zeit auch mal kritisch zu gewissen Dingen und Bewegungen äußern, welche in den vergangenen Wochen und Monaten in Verbindung mit Schals und dem FC so abgelaufen sind.

Um das Problem beim Namen zu nennen: Es geht um die Zusammenarbeit vom FC (bzw. WE:FC) und zwei „Influencern“. Kathi und Charly haben vor einigen Monaten einen „Allez FC“-Schal rausgebracht. So weit, so gut. Wer Social Media nutzt, kam nicht dran vorbei und hat mitbekommen, dass die beiden Personen ihr Produkt auf penetranteste Art und Weise via Instagram und Co. beworben haben. Schal hier, Schal da. Ja, wie toll.

Nun kommt es dazu, dass es eine offizielle Zusammenarbeit mit dem FC gibt und ihr Schal im Herbst in den Fanshops erhältlich ist. Im Vorfeld hatten die beiden schon einige Auflagen des Schals verkauft. Eine Frage die offen bleibt ist, wo die ganze Kohle, die die beiden dadurch schon gemacht haben, gelandet ist. Vielleicht kann es uns ja wer beantworten. Aus unserer Sicht sollte sich keine Person am 1. FC Köln bereichern. Dass die beiden sich für ihren Schal auch noch an einem Kurvenmotiv einer Choreo der Südkurve bedient haben, setzt der ganzen Nummer die Krone auf.

Neben den genannten Kritikpunkten, welche primär die beiden Personen betreffen, stellt sich aber auch die Frage, warum der FC in der Vergangenheit immer wieder auf eine Zusammenarbeit mit derart peinlichen Protagonisten aus Social Media setzt. Es ist ja kein Zufall, dass es gerade ein Schal, wo eine Person dran beteiligt ist, die Teil von der Plattform „Koelnistkool“ ist, in Zusammenarbeit mit dem FC auf den Markt kommt.

Koelnistkool war in der Vergangenheit unter anderem auch dafür bekannt, mit einer krassen Reichweite auf Instagram die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt in ihren Stories (ohne Einverständnis) durch den Kakao zu ziehen. Oder gerne mal dämliche Stereotypen zu jeweiligen Veedeln zu verbreiten. Ist ja auch mega witzig sich über sozioökonomische Benachteiligungen ganzer Stadtteile lustig zu machen. In der ganzen Kombination hat diese Seite jahrelang ein falsches Bild von Köln wiedergegeben und dies auch von sich aus immer weiter befeuert. Zum Beispiel an Karneval. Da konnte man ja schon erahnen, wie der Content dieser Seite über die Tage aussieht. Wer mit einer Baustellenabsperrung an der U-Bahn-Station am Friesenplatz im Vollsuff die Treppen runtergebrettert ist, hatte gute Chancen bei Koelnistkool in der Story zu landen. Hauptsache man animiert möglichst viele Menschen dazu, jeglichen Blödsinn in dieser Stadt zu filmen und im Netz zu verbreiten. Dazu dann auch noch die ganze Nummer um Stadion- und Spieltagsvlogs vom FC, in Zusammenarbeit mit Koelnistkool. Nervig, denn es befeuert ebenfalls eine Eventisierung der ganzen Nummer. Kritik in der Kommentarspalte wurde damit beantwortet, in dem man die Kommentarfunktion einfach dicht gemacht hat. Sehr gut.

Auch wenn wir uns natürlich über die Jahre mit gewissen negativen Mechanismen im modernen Fußball arrangiert haben, die gegen unsere Ideale sind. Wirklich Sinn macht aus unserer Sicht die ganze Zusammenarbeit mit solchen Strömungen nicht und es ist vermeidbar. Die Argumentation vom FC, warum man eine Zusammenarbeit trägt, ist uns unbekannt. Ist es die Reichweite und das Ziel, junge Menschen zu erreichen? Die Strahlkraft des FC‘s auf junge Menschen ist auch unabhängig von Koelnistkool, Kathi und Charly gegeben. Der 1. FC Köln ist eines der Aushängeschilder unserer Stadt und für viele Menschen ein Lebensgefühl, welches über Generationen weitergegeben wird. Und kein Marketingprodukt.

Diese ganze Präsentation rund um den Schal ähnelt eher einer beschämenden Marketingnummer und ist ein Trend in die falsche Richtung, welcher schon länger vom FC gerade via Social Media betrieben wird. Dennoch sollte betont werden, dass dieser Text nicht als Anlass dazu genommen werden sollte, Personen die diesen Schal tragen, verbal oder körperlich anzugreifen. Wer diesen Schal tragen möchte, kann dies auch gerne tun.

Vielmehr möchten wir auch die Zeilen und unsere Reichweite hier nutzen, einen Denkanstoß zu verpassen. Sowohl bei anderen FC-Fans, als auch bei den Verantwortlichen vom FC. Es gibt einfach Dinge, die sind vermeidbar und überflüssig. Eine Zusammenarbeit in dem Ausmaß mit solchen Strömungen fällt aus unserer Sicht in diese Kategorie. Raum für Kritik an dieser Nummer sollte vorhanden sein. Dafür ist unser Spieltagsheft da und wir werden auch in Zukunft weitere Missstände hier thematisieren.

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