„Sich solidarisch mit unserem größten Rivalen zeigen“: Ultra-Szene aus Braunschweig gibt Entscheidung bekannt
Faszination Fankurve21.09.20240 Kommentare
Foto: Faszination Fankurve
Die Ultras von Eintracht Braunschweig solidarisieren sich mit der Fanszene von Hannover 96. Weil beim Niedersachsen-Derby am 06. Oktober 2024 das Gästekontingent reduziert und Fanutensilien eingeschränkt wurden, verzichten die Ultras aus Braunschweig beim Derby auf organisierten Support und Choreografien.
Stattdessen soll das anstehende Derby genutzt werden, um gegen die Einschränkungen der Fankultur zu protestieren. Alle Eintracht-Fans werden aufgerufen, sich an den Protesten zu beteiligen. Die aktuelle Angelegenheit und der Konflikt mit dem Innenministerium von Niedersachsen sei größer als ein einzelnes Spiel.
Unter dem Titel „Organisierte Fanszene lehnt Derbybedingungen kategorisch ab“ teilte die aktive Fanszene von Hannover 96 zuletzt mit, dass man dem Niedersachsen-Derby am 06. Oktober 2024 im Eintracht-Stadion in Braunschweig fernbleiben wird, um gegen das reduzierte Gästekontingent und die Einschränkungen zu protestieren. (Faszination Fankurve, 21.09.2024)
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Faszination Fankurve dokumentiert die Ankündigung der Ultra-Szene von Eintracht Braunschweig:
Das wichtigste vorweg:
Die aktive Fanszene wird beim bevorstehenden Derby am 6.10.2024 NICHT wie gewohnt im Stadion auftreten. Keine organisierte Stimmung, keine Choreo! Die immer absurder anmutende Diskussion rund um vermeintliche Stadionsicherheit und eine sich in der Thematik suhlende Innenministerin führten schlussendlich zu Bedingungen, die für uns nicht hinnehmbar sind. Aufgrund des eingeschränkten Ticketkontingents im Gästeblock und weiteren Auflagen, die lebendige Fankultur in ihrem Kern beschneiden, werden wir nicht wie gewohnt auftreten. Heute sind es die Hannoveraner, die mit einem massiv gekürzten Gästekontingent auskommen müssen, bei nächsten Spiel droht uns eine ähnliche Situation. Dieser Entwicklung stellen wir uns entschieden entgegen!
Das Kontingent im Gästeblock wird um fast 1000 Tickets gekürzt, wodurch nur noch rund 1200 Gästefans zum Derby reisen dürften. Dazu gibt es strengere Auflagen für Fanutensilien, wodurch ein gewohnter Stadionauftritt massiv erschwert wird. Machen wir uns nichts vor auch bei der reduzierten Anzahl an Gästen könnten nahezu alle potenziellen Störer ihr Ticket erwerben und auch ohne Choreo entsprechend Rabatz im Gästeblock machen. Das große Problem besteht darin, dass eine Einschränkung des Gästekontingents Schule machen würde und zukünftig die goldene 10%-Regel für Gästefans beschnitten wird. Ein auch in entsprechender Anzahl vertretener Gästeanhang ist für uns ein Grundpfeiler aktiver Fankultur, der nicht sukzessiv den Sicherheitsfantasien einer karrieregeilen Innenministerin zum Opfer fallen darf. Denn schlussendlich reitet Daniela Behrens mit der Diskussion um Stadionsicherheit einen uralten und künstlich dramatisierten Gaul, der sich aber hervorragend eignet, um die eigene vermeintliche Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und sich für größere Aufgaben in Position zu bringen. Leider hat sich in der komplexen Situation auch unser eigener Verein nicht mit Ruhm bekleckert, indem er sich „kurz vor Ultimatum“ vom Innenministerium die Pistole auf die Brust setzen ließ und diesem Kuhhandel zustimmte. Aktuell kursieren unterschiedliche Versionen mit unterschiedlichen Sündenböcken. Wir halten es für Eintracht Braunschweig ratsam, ihre Sicht des Ablaufs öffentlich darzustellen.
Richtig ist, dass es auf beiden Seiten bei den letzten Derbys Grenzüberschreitungen gab, die schlussendlich Wasser auf den Mühlen derer sind, denen eine lebendige Fankultur ohnehin ein Dorn im Auge ist. Wir haben die Geschehnisse aufgearbeitet, innerhalb der Fanszene wurden Schlüsse daraus gezogen und im ohnehin bestehenden Austausch mit unserem Verein zur Sprache gebracht. Wir halten einen nachhaltigen und widerständigen Austausch dahingehend für zielführender, der gerade dann beibehalten werden muss, wenn es mal gerappelt hat.
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Unsere Konsequenz:
Wir werden im Stadion nicht wie üblich gestalten und schweren Herzens den Spieltag mit verschiedenen Protestformen begleiten. Wir rufen alle Eintracht-Fans auf, sich solidarisch mit unserem größten Rivalen zu zeigen. Diese Angelegenheit ist größer als ein einzelnes Spiel, denn es wird auch darüber entscheiden, wie lebendige Fankultur MIT Gästefans in Zukunft aussehen wird. Auch wir würden uns lieber mit Choreografien und Stimmung beschäftigen, allerdings zwingt uns diese Lage zum Handeln. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine widerspenstige Fankultur das Potential hat, für uns negative Entwicklungen zu behindern. Seien es die Proteste gegen Anstoßzeiten, Investoreneinstiege oder Kollektivstrafen: in den Kurven steckt eine Kraft, die sich tatsächlich Gehör verschaffen kann und muss. Diese Kraft wird umso größer, je mehr Leute sich trotz unterschiedlicher Auffassungen hinter einem Protest versammeln. Deshalb werden wir keine gute Miene zum bösen Spiel machen und unsere Entscheidung steht fest: PROTEST!
Durch den kurzen zeitlichen Ablauf zwischen der tatsächlichen Entscheidung des reduzierten Gästekontingents und dem heutigen Spieltag ist die endgültigen Form des Protests noch Gegenstand der Diskussion. In den nächsten Tagen erfolgen weitere Infos zum Vorgehen der aktiven Fanszene – seid also aufmerksam und schließt Euch dem Protest an
Uns ist die Komplexität dieses Protests bewusst, denn es ist verdammt schwierig all die Interessen der Stadionbesucher unter einen Hut zu bringen. Wer jedoch Freude an aktiver Fankultur und ihrem Fortbestand hat, muss die Tragweite des reduzierten Gästekontingents verstehen. Aktive Fankultur besteht nicht nur aus Choreos, Sommerfest und karikativen Veranstaltungen, sondern muss immer auch der Stachel im immer absurder anmutenden Profifußball bleiben. Deshalb fordern wir alle Eintracht-Fans auf, den Protest zu unterstützen und auch diese unpopuläre Maßnahme mitzutragen, denn es geht um die Zukunft auf den Tribünen.
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