„Populismus entgegentreten: Hannover 96-Fanszene läuft durch Braunschweig

Faszination Fankurve 03.10.2024 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Am heutigen Donnerstagvormittag zogen Hannover 96-Fans in einer angemeldeten Demonstration durch Braunschweig. „Populismus entgegentreten – Für eine freie Fankultur in Niedersachsen & anderswo“, stand auf den Botschaften geschrieben, die die Hannover 96-Fanszene mit dabeihatte.

Hannover 96-Fans laufen am 03. Oktober 2024 durch Braunschweig, um gegen ein reduziertes Gästekontingent beim Niedersachsen-Derby zu demonstrieren.

„Für eine freie Fankultur ohne politische Einflussnahme. Bewegungsfreiheit für Fußballfans in Braunschweig & überall“, lautete das offizielle Motto der Demo. Die Hannover 96-Fanszene reiste zuvor mit dem Regionalzug an, der um 09:55 Uhr ab Hannover Hauptbahnhof in Richtung Braunschweig fahren sollte. Dort kamen 96-Fans mit Verspätung an, bevor über die Route Willy-Brandt-Platz, Berliner Platz, Wolfenbütteler Straße, Heinrich-Büssing-Ring, John-F.-Kennedy Platz, Kurt-Schumacher-Straße zurück zum Willy-Brandt-Platz gelaufen werden durfte. Gegen 12:20 Uhr war die Demo der etwa 900 Hannover 96-Fans zu Ende.

Die Fanszene von Hannover 96 hatte sich im Vorfeld gerichtlich durchsetzen können. Behörden versuchten die angemeldete Demonstration der 96-Fans erneut in eine stationäre Kundgebung umzuwandeln, doch dieses Mal gingen die 96-Fans dagegen vor und bekamen Recht. Thomas Bodendiek, Leiter der Polizeiinspektion Braunschweig und Einsatzleiter erklärte im Anschluss an die Gerichtsentscheidung: „Unser oberstes Ziel ist die Versammlungsfreiheit für die Teilnehmenden zu gewährleisten. Trotz der bestehenden Rivalität werden wir für einen störungsfreien und weitgehend friedlichen Ablauf der Versammlung sorgen. Auf alles, was während dieser Versammlung geschieht, werden wir die passende Antwort haben.“

Die 96-Fans demonstrierten gegen ein reduziertes Gästekontingent beim anstehenden Niedersachsen-Derby, das vor allem auf Druck der Politik zu Stande kam. Auch die Fanszene von Eintracht Braunschweig protestiert deswegen heute vorm Innenministerium in Hannover. Die Polizei muss dadurch sowohl das Niedersachsen-Derby am Wochenende als auch zwei Demonstrationen am heutigen Donnerstag mit einem Großaufgebot absichern. Dies hätte durch ein reguläres Gästekontingent von zehn Prozent der Stadionkapazität einfach verhindert werden können. (Faszination Fankurve, 03.10.2024)

https://www.instagram.com/reel/DAqUOGeoanI/?utm_source=ig_web_copy_link

Die Demo der Eintracht Braunschweig-Fanszene in Hannover im Video: 

https://www.instagram.com/reel/DAqstuGIpt2/?igsh=Z2pkdTlzd3l1MWxh

Folgende Hinweise zur Demonstration veröffentlichte die Fanhilfe Hannover vorab:

[grau]Moin 96-Fans!

Unter dem Motto: „Für eine freie Fankultur ohne politische Einflussnahme. Bewegungsfreiheit für Fußballfans in Braunschweig und überall“ wollen wir am 03.10.2024 in Braunschweig demonstrieren und deutlich machen, dass wir mit den jüngsten Entscheidungen der niedersächsischen Innenministerin Daniela Behrens nicht einverstanden sind. Vorab haben wir noch einige Informationen, die sich alle Teilnehmenden durchlesen sollten:

1. Demonstrationsrecht
Das Recht auf Demonstration ist ein Grundrecht. Deshalb sind Demonstrationen rechtlich besonders geschützt, solange sie friedlich und ohne Waffen stattfinden.

2. Waffen, gefährliche Gegenstände und Vermummung
Als Teilnehmer einer Demonstration dürft ihr keine Waffen, gefährliche Gegenstände (z.B. einen Stock aus Bambus), Passivbewaffnung (z.B. einen Zahnschutz) oder Vermummungsgegenstände (z.B. einen Schlauchschal) dabei haben. Das Vermummen oder Beisichführen von Waffen bei einer Demonstration ist ein Straftatbestand und kann zur (gewaltsamen) Auflösung der Demonstration führen. Dies gilt auch bereits bei der Anreise!

3. Uniformierungsverbot
Das Versammlungsrecht untersagt das Auftreten in einheitlicher Kleidung. Dies könnte einen Eindruck von Gewaltbereitschaft vermitteln. Erscheint deshalb in eurer alltäglichen Kleidung.

4. Besondere Auflagen
Die Versammlungsbehörde, in unserem Fall die Stadt Braunschweig, kann Auflagen für eine Demonstration erlassen. Dies hat sie auch für Donnerstag getan: Das Konsumieren von alkoholischen Getränken ist verboten. Bitte haltet euch dran!

Die Stangen der mitgebrachten Transparente, Fahnen und Trageschilder dürfen eine maximale Länge von 2,00m nicht überschreiten. Der Durchmesser von runden Stangen an den Transparenten, Fahnen und Trageschilder darf maximal 2,50cm betragen. Bei der Verwendung von Kanthölzern darf eine maximale Kantenbreite von 2,50cm nicht überschritten werden. Transparente dürfen mitgeführt aber nicht zusammengeknotet werden.

5. Anreise und Durchsuchung
Auch während der Anreise zu einer Demonstration gilt schon der besondere grundgesetzliche Schutz. Die Polizei darf nicht durch Schikanemaßnahmen (zum Beispiel stundenlange Durchsuchungen und Kontrollen der Teilnehmer) faktisch verhindern, dass ihr an der Demonstration teilnehmen könnt. Durchsucht werden dürft ihr außerdem nur, wenn eine konkrete Gefahr vorliegt. Anlasslose, prinzipielle Durchsuchungen, wie zum Beispiel beim Zugang zum Stadion, sind nicht erlaubt.

6. Auflösung der Demonstration
Die Demonstration wird in der Regel durch den Anmelder aufgelöst. Nach Auflösung seid ihr verpflichtet, euch zu entfernen, ansonsten könntet ihr von der Polizei festgehalten werden. Außerdem gilt der besondere Schutz für Demonstrationen nicht mehr, sondern wieder das übliche Polizei- und Strafverfolgungsrecht mit allen Durchgriffsrechten.

7. Foto- und Videoaufnahmen
Die Polizei darf nicht anlasslos filmen, denn so könnten Teilnehmer abgeschreckt werden, von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen. Die Videokameras, die sich meist auf den Einsatzwagen befinden, dürfen erst ausgefahren werden, wenn eine konkrete, erhebliche Gefahrenlage vorliegt. Ansonsten müssen die Kameras eingefahren sein. Auch müssen die Kameras im öffentlichen Raum ausgeschaltet und vom Demonatrationszug weggedreht sein. Ihr habt ein Recht darauf, ohne Angst vor Videoaufnahmen an Demonstrationen teilzunehmen. Die Polizei darf erst filmen, wenn eine konkrete Gefahrensituation gegeben ist!

8. Generelle Verhaltensweisen
Ansonsten gilt wie immer: Lasst euch nicht provozieren und verhaltet euch ruhig und friedlich.

Am Donnerstag werden wir auch vor Ort sein, um euch im Notfall bei Problemen weiterhelfen zu können. Außerdem könnt ihr uns in Notfällen unter der 0160-99681711 erreichen. Auch bei Schikanemaßnahmen oder anderen fragwürdigen Vorkommnissen seitens der Polizei, könnt ihr uns im Anschluss eine Mail an fanhilfehannover@gmx.de schreiben.

Update:

An der Demo der Eintracht Braunschweig-Fanszene beteiligten sich etwa 500 Personen: „Am 03.10.2024 fand wie von der Blau-Gelben Hilfe angemeldet und angekündigt die Demonstration ‚Keine halben Sachen – Volles Gästekontingent – Fankultur Unverhandelbar!‘ in Hannover statt. Gegen 15 Uhr konnte sich die Demo mit 500 Eintracht-Fans zum Innenministerium wie geplant in Bewegung setzen. Mit kreativen Plakaten, Bannern und lautstarken Gesängen ging es friedlich durch Hannover und wir konnten unser Anliegen angemessen und öffentlichkeitswirksam auf die Straße bringen. Das gewünschte Zeichen konnte somit gesetzt werden und wir hoffen weiterhin, dass in Zukunft die Vernunft und der gemeinsame Dialog mit Fanvertretern vor populistischen Maßnahmen stehen. Fans sind kein Spielball von Politikern und Politikerinnen, die nur ihre eigene Karriere im Kopf haben und nicht an ehrlichen und nachhaltigen Lösungen interessiert sind. Wir bedanken uns hiermit für euer Erscheinen! Wir sind begeistert, dass sich trotz der größten Rivalität zu den Roten so viele solidarisch gezeigt haben und obwohl wir aktuell noch nicht direkt selbst betroffen sind, den Protest mit unterstützt haben. Beendet wurde die Demo seitens der BGH gegen 16:30 Uhr. Wir möchten erneut alle Eintracht-Fans dazu aufrufen, Mitglied in der Blau-Gelben Hilfe zu werden. Nur als starke Gemeinschaft können wir auch viel bewegen. Neben der persönlichen Hilfe, die jedes Mitglied im Ernstfall bekommt, ist die Arbeit an allgemeinen Themen, die uns alle betreffen, natürlich auch ein wichtiger Baustein unserer Arbeit“, blickt die Blau-Gelbe Hilfe auf die Demo in Hannover zurück.

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