Auf Einladung von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kamen heute in München Innen- und Sportminister und Ministerinnen der Länder mit dem DFB und der DFL zusammen. Personen, die Fans vertreten, waren nicht vor Ort. Politik und Verbände einigten sich in einem dreistündigen Gespräch auf die Einführung einer zentralen, bundesweiten Stadionverbotskommission.
Demnach soll über bundesweite Stadionverbote zukünftig zentral von einer noch zu gründenden Kommission entschieden werden. Wie die Kommission genau besetzt werden soll, steht noch nicht fest. Bisher können Stadionverbote sowohl von den Clubs als auch vom DFB ausgesprochen und verhängt werden. Die einheitlichen Vorgaben dafür finden sich in den „Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten“ des DFB.

Man habe sich heute in München somit mehr mit Individualstrafen als mit Kollektivstrafen beschäftigt. Im Vorfeld war auch über Kollektivstrafen (Blockschließungen und Fanausschlüsse) debattiert worden. „Grundlegend wurde ein Vorgehen gegen individuelle Störer in den Fokus gestellt, um die von DFB und DFL abgelehnten Kollektivstrafen zu vermeiden. Entsprechend soll eine zentrale, unabhängige Stadionverbotskommission geprüft werden. DFB und DFL werden sich an der Ausarbeitung eines passenden Konzepts beteiligen. Zusätzlich bestätigten die Minister die Vorschläge der AG Stadionsicherheit von DFB und DFL zum Ausbau und der Zertifizierung des Sicherheitsmanagements der Clubs. Weitere Präventiv- und Sanktionsmaßnahmen wurden in dem Gespräch offen und in Teilen auch kontrovers diskuttieet“, teilte die DFL dazu mit.
Stadionverbote sollen weiterhin präventiv und somit vor einer rechtsstaatlichen Verurteilung ausgesprochen werden. In der Vergangenheit waren von solchen Verboten regelmäßig Personen betroffen, die nie verurteilt wurden, aber dennoch für lange Zeit aus den Stadien ausgeschlossen wurden. Auf der heutigen Pressekonferenz wurde betont, dass der Stadionbesuch in Deutschland sicher sei. In der Saison 2022/23 besuchten 26,48 Millionen Menschen die Spiele im deutschen Profifußball. Nach den Zahlen der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) seien dabei 1.176 Personen verletzt worden. Dies entspricht etwa 0,005 Prozent. Bei der Pressekonferenz wurde Bayerns Innenminister Herrmann deshalb auch auf Zahlen beim Oktoberfest angesprochen, wo der Prozentsatz der verletzten Personen deutlich höher liege.
Bernd Neuendorf, Präsident des DFB erklärte heute: „Der Stadionbesuch in Deutschland ist sicher. Gemeinsam haben wir Konzepte erörtert, damit dies in Zukunft auch so bleibt. Ich begrüße den konstruktiven Dialog mit der Politik. Wir haben uns intensiv über verschiedene Optionen zur Weiterentwicklung unserer ohnehin hohen Sicherheitsstandards ausgetauscht. Grundsätzlich wird der Fußball auch weiterhin die Prävention in den Mittelpunkt seiner Bemühungen stellen. Um komplexe Herausforderungen zu lösen, benötigen wir eine gute Kommunikation und einen vertrauensvollen Umgang miteinander. In diesem Zusammenhang halte ich es für wichtig, dass bei künftigen Dialogen dieser Art alle Stakeholder des Fußballs – darunter insbesondere auch Fanvertreter – beteiligt werden.“
Hans-Joachim Watzke, Sprecher des DFL-Präsidiums, sagte zum heutigen Ergebnis: „Fußball in Deutschland heißt: Volle, sichere und stimmungsvolle Stadien und eine lebendige Fankultur. Dafür investieren unsere Verbände und die 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga erhebliche Mittel und personellen Aufwand, sowohl in präventive Fanarbeit als auch an jedem einzelnen Spieltag. Wir tragen jeden konstruktiven und erfolgversprechenden Ansatz aus der Politik mit, die Situation rund um die Spieltage weiter zu verbessern. Wir haben in der heutigen Sitzung hier einige Fortschritte erzielt und eigene Vorschläge einbringen und diskutieren können. Der Austausch war konstruktiv und wird gemeinsam mit Vertretern der Fans und der Polizei fortgeführt werden. Je praxisnaher und direkter die Kommunikation untereinander ist, desto besser. Fußball ist unser aller Spiel, entsprechend ist es eine gemeinsame Aufgabe, das Stadionerlebnis sicher zu halten.“ (Faszination Fankurve, 18.10.2024)
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