Die aktive Fanszene des TSV 1860 München verließ am Sonntag noch während des 3. Liga-Spiels bei Rot-Weiss Essen den Gästeblock im Stadion an der Hafenstraße. Hintergrund war ein 1860-Fan, der wegen Aufklebern des Stadions verwiesen wurde. Die Ultras der Löwen solidarisierten sich daraufhin mit dem Betroffenen.

Wegen einer Demonstration in Essen ging es für die Löwen-Fanszene mit Shuttlebussen nach Dellwig Ost und von dort weiter mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof in Essen. Von dort wollten die 1860-Fans mit dem ICE 727 zurück nach München reisen. Doch die Polizei wollte die Gästefans offenbar lediglich in einem Abteil des Zuges lassen, obwohl die Fans laut Angaben von Augenzeugen teilweise Reservierungen für andere Teile des Schnellzuges gehabt haben sollen. Daraufhin entwickelte sich eine Auseinandersetzungen zwischen der Bundespolizei und 1860-Fans am Hauptbahnhof in Essen. Die Einsatzkräfte der Polizei gingen dabei mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Fans vor. 31 Personen wurden verletzt.
Die vor Ort anwesenden Groundhoppers 1860 sprachen im Nachgang von „einem völlig unverhältnismäßigen, und absolut überzogenen Einsatz von Pfefferspray gegenüber Löwenfans am Bahnsteig“. Selbst gegenüber helfenden Fans sei noch Pfefferspray eingesetzt worden.
Die Bundespolizei erklärte hingegen, dass sich drei Fans den Anweisungen der Polizei widersetzt hätten und es zu Solidarisierungen gekommen sei: „Im Rahmen der Abreisephase der Fußballbegegnung Rot-Weiss Essen gegen TSV 1860 München richteten Einsatzkräfte der Bundespolizei am Bahnsteig zu Gleis 1 Absperrmaßnahmen ein, um den Einsteigevorgang von ca. 230 Münchener Anhängern in den ICE 727 nach München zu gewährleisten. Hierbei kam es gegen 16:50 Uhr zu Auseinandersetzungen mit randalierenden Fußballfans. Drei Unbekannte widersetzten sich dabei den Anweisungen der Polizeibeamten und versuchten die Absperrung mittels physischer Gewalteinwirkung zu durchbrechen. Dies verhinderten die Uniformierten. Ein Großteil der Personengruppe solidarisierte sich mit den Verdächtigen, schüttete Bier auf die Polizisten und attackierte diese mit Dosen und Flaschen. Dabei wurde eine Beamtin am Einsatzhelm getroffen. Des Weiteren wurden die Bundespolizisten mit Schlägen und Tritten angegriffen. Aus diesem Grund setzten die Beamten Reizstoffsprühgerät und Schlagstock ein. Es wurden zwei Polizeibeamte leicht verletzt. Nach Abfahrt des Schnellzuges klagten mehrere Reisende über Augenreizungen und oberflächliche Hautverletzungen, weshalb beim Halt im Hauptbahnhof Duisburg Rettungskräfte hinzugezogen wurden. Insgesamt wurden 31 Personen medizinisch versorgt, bevor der Intercity-Express seine Fahrt gegen 18:23 Uhr in Richtung München fortsetzte. Die Bundespolizisten leiteten ein Strafverfahren wegen Landfriedensbruch, tätlichen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Körperverletzung ein. Die Videoaufnahmen der Überwachungskameras wurden gesichert“, so die Einschätzung der Bundespolizei.
So beschreiben hingegen die Groundhoppers 1860 die Situation am Hauptbahnhof in Essen: „Leider kam es bei der Rückfahrt vom Auswärtsspiel bei Rot-Weiss Essen am Essener Hauptbahnhof zu einem völlig überzogenen und unverhältnismäßigen Polizei-Einsatz gegen dort wartende Löwenfans. Nachdem die Gästeanhänger aufgrund einer nicht angekündigten Veranstaltung in der Essener Innenstadt mit den Shuttlebussen nach Dellwig Ost und nicht direkt zum Hbf gebracht wurden, ging es von dort mit der S-Bahn weiter zum Essener Hbf. Dort kam es für einen Teil der Fans bereits zu einer völlig inakzeptabelen Einkesselung der Polizei am Bahnsteig. Bei der Einfahrt des ICE nach München war es wohl Ziel der eingesetzten Polizeikräfte, alle Löwenfans in einem Zugteil zu befördern. Viele Fans hatten aber Platzkarten über den gesamten Zug verteilt. Dies führte natürlich zu Unstimmigkeiten und endete in einem völlig unverhältnismäßigen, und absolut überzogenen Einsatz von Pfefferspray gegenüber Löwenfans am Bahnsteig. Selbst gegenüber helfenden Fans wurde noch Pfefferspray eingesetzt. In Summe waren mehr als 30 verletzte Löwenfans zu beklagen, die größtenteils mit schweren Augen- und Hautreizungen zu kämpfen hatten und noch immer haben. In Duisburg wurde der Zug gestoppt um die Verletzten zu behandeln. Sanitäter und Ärzte kümmerten sich um die Betroffenen. Ein Wagen wurde als eine Art Behandlungszimmer umgewandelt. Ich habe solche Szenen noch nie erlebt! Ich war und bin völlig schockiert. Mit mehr als 90 Minuten Verspätung wurde die Fahrt dann fortgesetzt. Von den Verursachern, der Polizei NRW war in Duisburg weit und breit nichts zu sehen. Wir wünschen allen Verletzten gute Besserung und schnelle Genesung. Ein Dank gilt besonders allen eingesetzten Sanitätern, Ärzten und dem sehr besonnen agierenden Bahnpersonal im ICE. Wir bitten die Verantwortlichen des TSV 1860 München jetzt nicht zur Tagesordnung über zu gehen. Dieses völlig unverhältnismäßige Verhalten der Polizei NRW muss Konsequenzen nach sich ziehen.“ (Faszination Fankurve, 10.12.2024)
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