„Wie sich die Saalefront eine Rivalität bastelt“

Faszination Fankurve 06.01.2025 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Unter dem Titel „Hass auf Wish bestellt“ reagierte die Barra Brawu aus der VfL Halle 96-Fanszene zu Jahresbeginn auf eine Veröffentlichung der Saalefront Ultras des Halleschen FC. Hintergrund der Veröffentlichungen ist die Fahnenklau-Aktion von HFC-Ultras beim Landespokalspiel gegen den VfL Halle 96 am 14. Mai 2024.

HFC-Ultras entwendeten damals mehrere Zaunfahnen der VfL Halle 96-Fanszene vom Zaun des Gästeblocks im Kurt-Wabbel-Stadion durch den Sprung in den Innenraum. Kurz nach der Halbzeitpause stürmten vermummte HFC-Ultras damals über die gesperrte Gegengerade Richtung Gästeblock, sprangen in den Innenraum und rissen die Zaunfahnen der VfL Halle 96-Fans vom Zaun. VfL Halle 96-Fans versuchten teilweise noch von innerhalb des Gästeblocks die Zaunfahnen festzuhalten. Doch dies blieb in mehreren Fällen vergeblich. Der Ordnungsdienst schritt in der Situation nicht ein. Anschließend traten die HFC-Ultras über die Gegengerade den Rückweg in die HFC-Fankurve an. Dort wurde im weiteren Spielverlauf im Bereich der Saalefront Ultras die Beute am Zaun präsentiert.

HFC-Ultras reißen Fahnen vom Zaun des Gästeblocks.

Im Saison-Rückblick von Blickfang Ultra äußerte sich die Saalefront kurz zu der Aktion. Begründet wurde die Aktion von „jungschen Jägern und Sammlern“ damit, dass VfL Halle 96 versucht habe den HFC „von der Bildfläche verschwinden zu lassen“, was man niemals vergessen werde. Deshalb sei es in den Augen der Saalefront Ultras logisch, den VfL Halle 96-Anhang „zu drangsalieren“.

Die Barra Brawu widerspricht den Darstellungen der Saalefront Ultras zu den Fusionsplänen beider Vereine einem knappen Vierteljahrhundert. Die Barra Brawu erklärte in ihrer Stellungnahme zum Jahresbeginn hingegen, dass ihr „Fanszene des HFC völlig egal“ sei. (Faszination Fankurve, 06.01.2025)

Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der Barra Brawu:

[grau]Hass auf Wish bestellt

Wie sich die Saalefront eine Rivalität bastelt.

Der Saisonrückblick von „Blickfang Ultra“ ist für viele deutsche Ultra-Gruppen das Forum, um sich als Gruppe in ein besonderes Licht zu rücken. Ein großer Schwanzvergleich, an dem einige der größten Szenen Deutschlands teilnehmen. Also nicht unbedingt das, was wir so lesen. Daher haben wir erst jetzt – dafür aber mit einer gewissen Erheiterung – festgestellt, dass die Saalefront-Ultras vom Halleschen FC sich gerade hier für ihren Fahnenklau im Pokalhalbfinale im letzten Mai rühmen.

Es ist durchaus amüsant wie man versucht Hass auf uns zu beschwören. Die Saalefront schreibt selbst, dass weder neutrale Beobachter noch die Gegenseite den „Hass auf die Affen nachvollziehen“ können, er aber immer existent sei. Ein Hass also, von dem niemand außer man selbst etwas weiß. „Begründet“ wird dieser Hass damit, dass beide Vereine vor 24 Jahren kurz vor einer Fusion standen, die zu unserem Glück nie stattgefunden hat. Allerdings werde man uns „nie vergeben“, dass der VfL angeblich „versucht hat, unseren HFC von der Bildfläche verschwinden zu lassen“. Die Mehrheit der Ultras dürfte zu Zeiten des Fusionsvorhabens im Kitaalter gewesen sein. Die Mär, der VfL habe den HFC übernehmen wollen, scheint da aber auch schon an den Wickeltischen der Kitas in der Silberhöhe und der Südstadt herum gegangen zu sein. Wahrer wird sie durch das permanente Wiederholen dennoch nicht.

Die Fusion war eher als Angliederung des VfL an den HFC angedacht. Man hätte in rot-weiß im Kurt-Wabbel-Stadion die Heimspiele ausgetragen. Vorangetrieben wurde sie wesentlich von Wilfried Klose, dem damaligen Präsidenten des VfL und Michael Schädlich, dem Vizepräsidenten des HFC. Schädlich, der später mit dem Posten des HFC-Präsidenten belohnt wurde, plauderte sein Vorhaben aus, dass nach der Vereinigung „der VfL von der Landkarte verschwindet und Herr Klose bringt die Sponsoren mit zu uns.“ Übrigens: auch Klose übernahm nach den gescheiterten Angliederungsplänen wichtige Ämter beim HFC, woran sich die unbeugsamen Fusionsgegner des HFC jedoch nie gestört hatten. Während die Mehrheit der HFC-Fanvertreter die Angliederung befürworteten, scheiterte die „Fusion“ letztlich an den Mitgliedern des VfL, die auf einem Sondertreffen gegen den Anschluss an den HFC votierten. Daraus eine Legende zu stricken, wonach der VfL den HFC verschwinden lassen wollte, benötigt schon eine gehörige Portion Phantasie und Opfermythos (Nähere Infos siehe unten).

Tatsächlich resultiert die Abneigung gegen den VfL nicht aus den gescheiterten Fusionsplänen, sondern entstand bereits in den Jahren zuvor, als der VfL sportlich und eine Zeit lang auch wirtschaftlich am Ortsnachbarn vorbeizog. In den Jahren vor der Wende war man beim HFC die Unterstützung der SED gewohnt, wohingegen der VfL als bürgerlich galt. Mit der Wende und dem Ende der Partei verlor der HFC seinen wichtigsten Förderer, es folgte der sportliche Abstieg. Die daraus resultierenden Minderwertigkeitsgefühle beim HFC-Anhang mündeten in das DDR-endemische Gefühl, ewig belogen und betrogen worden zu sein und schlussendlich in ein konstruiertes Feindbild.

So legitimiert sich die Saalefront aus ihrer Phantasievorstellung über den Hergang der Fusionspläne, „den VfL-Anhang zu drangsalieren, wo es nur geht“. Nun gibt es in Halle nicht gerade Belgrader Verhältnisse zwischen den Fanszenen. Uns ist die Fanszene des HFC völlig egal. Und das Einzige, womit uns die Saalefront richtig drangsaliert, ist die Orthografie in ihrem Zehnzeiler.

Aber irgendwie muss man dem Fahnenklau, der unter freundlicher Mitwirkung der Ordner stattfand (es ist in Halle ein offenes Geheimnis, dass die Security-Strukturen von HFC-Anhängern unterwandert sind), eine höhere Weihe geben. Einfach zuzugeben, dass man sich blamiert hat, indem man sich sein Mütchen an einer Fanszene kühlte, die mit Ultra so gar nichts am Hut hat, wäre wohl etwas viel verlangt. Während man beim HFC gegenüber Vereinen mit größeren Fanszenen stets großspurig (vom eigenen Block aus) auftritt, ohne dass tatsächlich irgendwas passiert, lässt man es beim kleinen VfL krachen, während der eigene Verein den roten Teppich dazu ausgerollt hat. Das ist ungefähr so, als würde ein erwachsener Mann einen Siebenjährigen umhauen, was schon peinlich genug ist. Wenn er dann aber vor anderen Männern damit rumprotzt und nicht mitbekommt, dass die anderen das eher belächeln bzw. verlegen nach unten schauen, dann kommt man in den Bereich der Fremdscham.

Wer es unbedingt braucht. Uns ist euer bemüht konstruierter Hass egal. So lange ihr Euren Hass heimlich auslebt, so dass weder wir noch neutrale Beobachter diesen schnallen, dürft Ihr uns gerne auch in Zukunft in Euren präpubertären Träumen behalten und abgrundtiefen Hass herbeilabern. Wir haben andere Werte. Einer steht auf einer von Euch geklauten Fahne, die Ihr Euch nochmal in Ruhe durchlesen könnt: Love Football. Hate racism! Wir gehen zum Fußball, weil wir es lieben. Und nicht, um mühselig herbeiphantasierte Feindbilder zu pflegen.

Ganz. Halle. Liebt den VfL!
 

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