Die Fanszene des 1. FC Magdeburg drückte im Nachgang des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt am 20. Dezember 2024 ihre Anteilnahme aus. In der Stadt wurden Spruchbänder der FCM-Fans verteilt, die den Opfern und Angehörigen gewidmet waren. An der Sternbrücke kam es deshalb zu einem Polizeieinsatz. (Faszination Fankurve, 07.01.2024)

Faszination Fankurve dokumentiert die Pressemitteilung der Fanhilfe Magdeburg vom 7. Januar 2025:
[grau]Unverhältnismäßig und pietätlos: Polizei-Einsatz an der Sternbrücke
Die tragischen Ereignisse vom 20. Dezember haben Magdeburg tief erschüttert. In diesen schweren Tagen herrschte eine Atmosphäre der Trauer und Solidarität. Auch die aktive Fanszene des 1. FC Magdeburg wollte ihre Anteilnahme zeigen – mit Spruchbändern, die den Opfern und Angehörigen gewidmet waren. Während diese Geste an vielen Orten mit Dankbarkeit aufgenommen wurde, kam es an der Magdeburger Sternbrücke zu einem völlig überzogenen Polizeieinsatz, der uns wütend und fassungslos zurücklässt.
Am Sonntag nach den Ereignissen verbrachten Mitglieder der aktiven Fanszene des 1. FC Magdeburg den gesamten Tag in kalten Hallen, um die Spruchbänder zu gestalten. Es war ihre stille und respektvolle Art, den Opfern zu gedenken, der Trauer Ausdruck zu verleihen und allen Helfern zu danken. Am selben Tag wurden die Spruchbänder an verschiedenen Orten in Magdeburg angebracht – unter anderem an den Krankenhäusern in Olvenstedt und an der Universitätsklinik. Dort wurden sie mit großer Dankbarkeit aufgenommen. Krankenhauspersonal und sogar Polizeibeamte applaudierten, drückten ihre Anerkennung aus und hielten die Geste mit ihren Smartphones fest.
An der Sternbrücke, wo ein weiteres Spruchband mit der Aufschrift „In tiefer Trauer“ über der Elbe angebracht wurde, eskalierte die Situation ohne erkennbaren Grund. Trotz der großen Entfernung zum viel befahrenen Schleinufer und ohne erkennbare Gefahr rückte ein massives Polizeiaufgebot an. Neben dem bayrischen USK aus Bamberg waren auch Einsatzkräfte aus Brandenburg vor Ort – insgesamt rund 15 Fahrzeuge.
Die Beamten nahmen die Personalien der Anwesenden auf, sprachen Platzverweise aus und entfernten das Spruchband. Dieses wurde schließlich an den ebenfalls vor Ort anwesenden Staatsschutz übergeben. Die Begründung? Zunächst wurde eine „politische Botschaft“ vermutet, später hieß es, das Spruchband könne eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen. Diese Unterstellungen sind nicht nur absurd, sondern angesichts des Anlasses schlicht pietätlos. Während an den Krankenhäusern die Geste als Ausdruck von Solidarität begrüßt wurde, führte sie an der Sternbrücke zu einem verstörenden und völlig unverhältnismäßigen Polizeieinsatz. Dieses Vorgehen macht uns wütend. Der Einsatz war unangemessen, respektlos und zeigt einmal mehr, dass die hiesige Polizei offensichtlich immer wieder große Schwierigkeiten mit einer realistischen Einschätzung von Situationen hat.
Wir als Fanhilfe Magdeburg stehen den Betroffenen dieses Einsatzes zur Seite. Derzeit prüfen wir rechtliche Schritte, darunter die Einreichung einer Dienstaufsichtsbeschwerde. Uns ist es wichtig, diesen Vorfall öffentlich zu machen, um auf den Polizeieinsatz aufmerksam zu machen. Gleichzeitig möchten wir betonen, wie wichtig uns der Respekt vor der Trauer und der Aufarbeitung dieses unfassbaren Anschlags ist. Sechs Menschen haben ihr Leben verloren, Hunderte wurden verletzt bzw. traumatisiert. Unser Mitgefühl gilt allen Opfern und ihren Angehörigen. Diese Tragödie hinterlässt tiefe Wunden in unserer Stadt. Deshalb haben wir bewusst darauf verzichtet, direkt nach den Ereignissen Stellung zu beziehen, um die Trauer nicht zu stören. Dennoch halten wir es für notwendig, diesen Vorfall jetzt anzusprechen – nicht, um von der Tragödie abzulenken, sondern um auf ein Verhalten aufmerksam zu machen, das in so einer Situation keinen Platz haben darf.


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