Vergangenes Wochenende fand anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau erneut der „!Nie wieder“-Erinnerungsspieltag statt. So auch in Hamburg, wo es im Rahmen des 20. Spieltags der zweiten Liga zum Duell zwischen dem Hamburger Sport-Verein und dem Hannoversche Sportverein kam.
Das Volksparkstadion füllte sich gestern (02.02.2025) bis auf den letzten Platz. Insgesamt waren 57.000 Zuschauer zugegen, darunter etwa 6.000-7.000 Gästefans. Beide Fanszenen verbindet seit Jahren freundschaftliche Kontakte. Einst gab es die Freundschaften zwischen Poptown Hamburg und Rising Boys Hannover bzw. Chosen Few Hamburg und Ultras Hannover, die jedoch noch vor CFHH-Auflösung beendet wurde. Einzige offizielle Freundschaft besteht heute zwischen den Gruppen Hamburg Süd und Hannover West. Zwischen dem Rest der Szenen aber mindestens hoher Respekt, so dass die Zeichen gestern auf einen entspannten Spieltag hindeuteten. Dem entgegen stand eine merklich hohe Polizeipräsenz inkl. BFE-Einheiten vor und im Stadion, die auch polizeiliche Maßnahmen gegen einzelne Fans bedeutete.
Wie eingangs bereits erwähnt, stand auch bei dieser Partie der Spieltag unter dem Motto „!Nie wieder“. Entsprechend gab es vor dem Spiel bis zum Einlauf der Mannschaften ein großes Banner im B Rang der Nordtribüne, in Kombination mit einer Schalparade. Auf dem Spielfeld wurde zudem ein Spruchband „Gemeinsam gegen das Vergessen.“ präsentiert.

Zuvor hatten Vertreter von Nordtribüne e.V. und Verein einen Kranz an der Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Stadion niedergelegt. Die Tafel war 2020 – ebenfalls im Rahmen des Erinnerungstages im deutschen Fußball – eingeweiht worden. Inhaltlich leistete außerdem das Netzwerk Erinnerungsarbeit sowie der Nordtribüne e.V. Aufklärungsarbeit im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des HSV sowie der ermordeten HSV Mitglieder. Dies geschah zusätzlich in Form von Spruchbändern mit dem Wortlaut „Nie wieder Faschismus“ sowie von der Gruppe Forza mit Wortlaut „Jedes Gedenken beginnt vor der eigenen Haustür – Aufarbeitung bei K+N jetzt!“, die sich damit zur kritischen Aufarbeitung der NS-Zeit bei Kühne und Nagel äußerten. 60.000 Infoflyer wurden im gesamten Stadion auf allen Plätzen im Stadion verteilt, die das Thema ebenfalls in den Fokus rückten und zusätzlich eine Ausstellung mit Infotafeln auf der Osttribüne zum Gedenken bewarben. Zudem gab es auf der vereinsinternen Plattform „Volksparkett“ entsprechende Wortbeiträge. Auf dieser offenen Bühne, die von HSV Fans für Fans ist, wurde darüber hinaus das Thema „modernes Stadionerlebnis“ diskutiert, da im Volksparkstadion immer öfter eine vom Verein organisierte Lichtershow zum Einsatz kommt. Bereits bei den letzten Heimspielen wurde dieses Thema mittels Spruchbändern aufgegriffen. Neben den erwähnten Botschaften gab es gestern außerdem seitens der Castaways ein Spruchband gegen den VAR („Scheiß VAR – Ende der Durchsage“) inkl. dem dazu passenden „Anti VAR“-Banner. Clique du Nord zeigte das selbsterklärende: „Hoffmann, Hopfen & Co.: Kein Platz in unseren Gremien für Aktionäre, Verbände und die Medien“. Seitens Hannover West gab es zudem ein Freundschaftsspruchband, was wie eingangs berichtet, auf die freundschaftlichen Kontakte anspielte.
Weitere Details zu diesem Spiel inkl. Stimmen der Szenen gibt es in einem der nächsten Ausgaben vom 45° Kurvenheft.

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