Zwei Choreos, Spruchbänder und eine Stellungnahme der KBU zu den Vorfällen in Verl (25.01.2025) machten das Freitagabendspiel zu einer interessanten Begegnung. Faszination Fankurve blickt darauf zurück.
Vergangenen Freitag (31.01.2025) kam es im Aachener Tivoli zum Duell zwischen Alemannia Aachen und Energie Cottbus. Über 14 Jahre ist der letzte Gastauftritt der Lausitzer in Aachen her – damals noch in Liga 2. In der Saison 2006/2007 trafen beide Teams sogar in der Bundesliga aufeinander. Das Interesse an Alemannia ist in Aachen groß – der Tivoli füllte sich in dieser Saison stets mit mindestens 21.100 Fans. Zum vorhergehenden Heimspiel gegen Rot-Weiss Essen (19.01.2025) war der Tivoli sogar mit 31.500 Zuschauer ausverkauft. Auch heute gegen Energie Cottbus kamen beachtliche 24.500 Zuschauer. Die große Distanz zwischen beiden Städten (730 km) hielt die Anhänger aus Cottbus am 59. Geburtstag ihres Vereins ebenfalls nicht davon ab, zahlreich zu erscheinen. Entsprechend gab es eine Choreo samt Pyroeinlage. Außerdem widmete man sich per Spruchband der „Verbandsstrafen abschaffen“-Thematik, die den ganzen Spieltag über in verschiedensten Stadien präsent war und auch auf Heimseite Beachtung fand.
Auf der Werner Fuchs Tribüne leitete man das Spiel auch mit einer Choreo ein: Schwarze und gelbe Papptafeln füllten die Stehtribüne in Gänze. Vor dem Block kamen drei Seilzugelemente mit besonderen Ereignissen der Vereinsgeschichte zum Einsatz, welche Plakate im typischen 80er-Jahre Stil bereithielten. In der Mitte war außerdem die Gründungsmannschaft der Alemannia abgebildet. Ein „Nie vergessen diese Zeit – der Glanz bis in alle Ewigkeit“-Spruchband oberhalb der Tribüne rundete diese Aktion ab.

Ebenfalls für Gesprächsstoff sorgte die im Infozine „Karlumne“ veröffentlichte Stellungnahme zum vorherigen Auswärtsspiel in Verl. Dort kam es nach dem Spiel zu einem Polizeieinsatz. 7 Menschen wurden bei den Vorfällen nach Angaben der Polizei Gütersloh verletzt. Eine Person mit schwereren Verletzungen musste von einem Rettungshubschrauber abtransportiert werden. Laut Polizeiangaben wurde ebenfalls ein Beamter leicht verletzt. Vorausgegangen waren Auseinandersetzungen innerhalb des Gästeblocks auf Grund des Tragens von rechtsextremer Kleidung. Per Spruchbändern wurden die Ereignisse auf Heimseite aufgegriffen. So übten Karlsbande Ultras Kritik an der Einsatztaktik der Polizei und die Gruppe Domwacht zeigte ein: „Alemannia ist schwarz-gelb nicht schwarz-weiß-rot“.
Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der Karlsbande Ultras:
[grau]Aus gegebenem Anlass – insbesondere vor dem Hintergrund der Vorkommnisse in Verl, aber auch einzelnen Situationen der vergangenen ein bis zwei Jahre geschuldet – wollen wir uns zwar nicht anmaßen hier den Moralapostel zu spielen, aber sind uns dennoch sicher, dass es Zeit ist auch nach außen klarer und deutlicher Farbe zu bekennen, so wie wir es szene-intern bereits tun. Dass der vermeintliche Leitsatz „Fußball ist Fußball und Politik ist Politik“ aus der Zeit gefallen und schlicht unrealistisch ist, ist eine Erkenntnis, die wir bereits vor Jahren gemacht haben. Gleichzeitig zeigen Situationen wie die derzeitige, dass eine politische Positionierung – selbst bei scheinbar grundlegenden Werten des gesunden Menschenverstandes – immer noch nötig zu sein scheint. Daher geben wir hiermit deutlich zu verstehen, dass wir keinerlei politisch-extremistische Aktivitäten und Bekleidungen tolerieren werden – weder auf der Werner Fuchs Tribüne noch im Stadion-umfeld oder in unseren Gästeblöcken. Wir sind nicht gewillt hinzunehmen, dass unser Verein ausgenutzt wird, um politische Propaganda zu betreiben und die eigene menschenverachtende Weltanschauung zur Schau zu stellen. Personen, die diesen Weg nicht mitgehen und absichtlich provokativ rechtsextreme Kleidung und sonstige Artikel tragen, werden wir entgegentreten. Nach wie vor wünschen wir uns, dass der Tivoli (und sonstige Spiele der Alemannia) ein Raum bleibt, wo sich alle Alemannen wohlfühlen. Der geringste gemeinsame Konsens sollte allerdings sein, dass Personen mit menschenverachtender, extremistischer politischer Einstellung keinen Platz bei uns haben. Karlsbande Ultras
Auch Alemannia Aachen selbst bezog mit einer offiziellen Mitteilung Stellung. Unter dem Motto „Klare Kante gegen Rechtsextremismus“ arbeitete der Verein in Zusammenarbeit mit dem Fanbeirat (dieser setzt sich aus 7 Personen unterschiedlichster aktiver Gruppen/Fanclubs zusammen) die exakten Vorfälle in Verl noch einmal auf und kündigt sofortige Maßnahmen an.
Sportlich trennte man sich Unentschieden, womit die Alemannia weiter im Mittelfeld der Tabelle und Energie (auch nach dem Spieltag) Platz 1 verteidigte – auch wenn Dynamo Dresden nun punktgleich dahinter zu finden ist.
Mehr zu dem Spiel in einer der kommenden Ausgaben vom 45° Kurvenheft.
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