Lok & Halle – wie aus Feindschaft ein Bündnis wurde

Faszination Fankurve 13.02.2025 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Das Gipfeltreffen in der Regionalliga Nordost steht unmittelbar bevor: Halle „gegen“ Lok. Mit einem Auswärtssieg kann Lok der Konkurrenz weiter enteilen, gewinnt Halle, schmilzt der Lok-Vorsprung auf 3 Punkte. Egal wie es ausgeht, auf den Rängen wird man sich auch weiterhin die Hand reichen, denn seit über 30 Jahren besteht ein Bündnis beider Fanlager. Doch das war nicht immer so. Wie aus Feindschaft eine Freundschaft wurde, erfahrt ihr anlässlich des bevorstehenden Aufeinandertreffens auf den kommenden Zeilen.

Auswärtsspiele waren in der DDR nicht ohne, gefahren wurde ausnahmslos mit dem Zug und der Fahrtantritt musste gut überlegt sein. Nach Halle ging es für Lok durch die kurze Distanz – nur 30km trennen beide Städte – oft mit mehr als tausend Fans. Trotzdem war der Weg zum Stadion nicht ohne. Einmal fand das Spiel gar ohne Gästeblock statt, da dieser vor Anpfiff von den Hallensern gestürmt und der Lok-Anhang auseinandergetrieben wurde. Kurzum: in der Vorwendezeit bekämpften sich beide Lager. Dennoch gab es seit August 1985 vereinzelt Kontakte. Damals lernten sich Hools im Ostsee-Urlaub kennen, weil sie sie dort gegen Hansa zusammenhalten mussten. Die drei Hallenser durften dann auch gleich nochmal kräftig mitmischen, als Lok im Rahmen dieses Urlaubs im Ostseestadion spielte (24.08.1985, 1:1). Die Freundschaft zwischen den damaligen Hool-Chefs ließ das zu, und sorgte dafür, dass immer wieder auch Hallenser bei den EC-Spielen von Lok mit dabei waren. Dies bedeutete aber noch keine offizielle Freundschaft, wie weitere Randale-Spiele gegeneinander bewiesen. Trotzdem fuhren Hools beider Seiten weiterhin zusammen in den Urlaub und machten die Freundschaft für sich 1988 fest. Besiegelt wurde dies mit der gemeinsamen Auswärtsfahrt, als 20 Lok-Hools den HFC das erste Mal auswärts begleiteten. Diese Freundschaft und die Besuche liefen damals allerdings immer noch unter der Kategorie „inkognito“, zu groß die allgemeine Abneigung zwischen beiden Vereinen. Im Jahr 1991 fand dann die letzte Schlacht zwischen beiden Fanlagern statt, ehe sich die Wege beider Mannschaften für eine Weile trennen sollten. Die normalen Besucher hatten sich nach der Wende weitestgehend abgewandt – der Übergang zwischen dem Zusammenbruch der DDR und der Anfangszeit im neuen „System“ war für die Hool-Szenen dagegen eine Blütezeit. Die Freiheiten schienen im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos. Und das Spielfeld wurde größer, denn dem FCL Nachfolger VfB Leipzig, gelang der Aufstieg in die Bundesliga, wo abseits des Rasens die Hools weiter für Schlagzeilen sorgten. Eine dieser Aktionen sollte die Halle-Lok-Kontakte festigen: Im Herbst 1991 stürmten 1860-Hools den Heimbereich der Lok Anhänger, diese wiederrum rächten sich dafür beim Spiel des HFC gegen 1860 (in der Saison 91/92 spielte der HFC noch 2. Liga Süd). Das erste Mal bildeten beide Hool-Lager zu diesem Spiel eine Art Allianz. Die HFC-Hools ließen sich fortan immer öfter bei Lok-Spielen blicken, denn ihr Verein war im freien Fall und rutschte ins sportliche Niemandsland der 5. Liga ab. Die Hools aus Halle fuhren fortan beim VfB mit, was die Freundschaft quasi offiziell werden ließ. Vertieft und erweitert wurden die Kontakte auch auf gemeinsamen Länderspielreisen. Auf dem Weg nach Budapest, wohin man zusammen im Bus fuhr, entstand der Schlachtruf „Leipzig und Halle – Fußballkrawalle“, der zum Synonym des Bündnisses wurde. So war es auch nicht verwunderlich, dass mit Aufkommen der Ultras die Freundschaft von den neuen Fanstrukturen übernommen wurde. Fortan waren es Gruppen wie Inferno Lok Leipzig und Saalefront, die das Bündnis weiter ausbauten. Neben gegenseitigen Spielbesuchen folgten gemeinsame Choreografien, Feierlichkeiten und Angriffe auf rivalisierende Gruppen. Die Freundschaft wurde dabei stets an die nachfolgenden Generationen weitergegeben, so dass man sich heute kaum noch daran erinnern mag, dass es auch mal andere Zeiten gegeben hatte. Zelebriert wurde letztes Jahr gleich zweimal gemeinsam. Zum einen beim Halplus-Cup, anlässlich des 30-jährigen Freundschaftsjubiläums und zum anderen beim Hinspiel der laufenden Saison, was unter dem Motto: „Vom Ultra bis zur Kutte, Lok und Halle nur Kaputte!“ gestellt wurde, wobei sich die dazugehörige Choreo über Heim- und Gästebereich streckte. Die 8.100 Zuschauer (davon 2.000 Hallenser) sahen damals ein 1:1. Nun werden über 13.000 Zuschauer erwartet, wofür man den Freunden aus Leipzig die komplette Hintertortribüne (neben dem Gästeblock) zur Verfügung stellt.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

weitere Beiträge