In der bosnisch-kroatisch geteilten Stadt Mostar kommt es seit fast einem Jahr nicht mehr zu Ruhe. Die Ultras von FK Velež und die Ultras von Zrinjski Mostar teilt seit Jahren eine Feindschaft, die nicht nur auf sportlicher Ebene basiert. Die Fans von Velež bzw. Red Army besteht zum größten Teil aus muslimischen Bosniaken, während die Fans von Zrinjski bzw. die Ultras eher katholische Kroaten sind. Die Rivalität und die Abneigung tragen sie seit Jahren auf die Straßen der größten Stadt der Herzegowina aus. So kam es im April vergangenen Jahres zum ersten großen Knall: nach dem Auswärtsspiel von Zrinjski bei FK Zvijezda 09 nahmen als Maler getarnte Anhänger der Red Army einem Mitglied der Ultras alle Fahnen ab, die bei diesem Auswärtsspiel hingen. Daraufhin sammelten sich in der Nacht mehr als 100 Mitglieder der Red Army auf den Straßen Mostars und feierten diesen Erfolg, der sich wenige Tage vor dem 30. Geburtstag der Ultras von Zrinski Mostar ereignete. Für das anstehende Derby bei Zrinjski wurde aufgrund dieser Geschehnisse ein Gästeverbot verhängt. Die Red Army rief derweil per provokantem Video zum gemeinsamen Schauen im eigenen Clubhaus auf. Im Video waren Fahnen der Ultras zu sehen, hinterlegt wurden die Szenen mit einem Fangesang gegen den Stadfrivalen („Jetzt wo alles vorbei ist, verschluckte die Nacht die Fahnen. Es blieb nur eine Frage – bei welchen Namen soll ich die nennen? Olé Olé Olé, alles ist jetzt vorbei, die Tribüne hat keinen Glanz, eure Gruppe nur ein Versuch“). Die Ultras von Zrinski versammelten sich zum Spiel im gewohnten Sektor, ließen die Heimzaunfahne aber eingepackt und standen hinter einer „Ljudi od Puta“-Zaunfahne (übers. „Menschen der Straße“), die fortan bei Heimspielen hing. Die Reaktion auf der Straße ließ auch nicht lange auf sich warten. Einen Monat später kursierte ein Video im Internet, in dem 50 Fahnen der Red Army in ihren Händen zu sehen waren. Wie die Red Army später in einem Video öffentlich machte, sollen die Angreifer in das Haus einer Einzelperson eingedrungen sein und dort Taschen samt aller Fahnen mitgenommen haben.
https://www.instagram.com/reel/C6luqJjMEza/?igsh=MmF5YzlmZ3FkZDUx
„Wir werden nie aufhören“ („Prestati nećemo nikada“) steht seitdem auf einem Transparent, hinter dem sich die Red Army bei Heimspielen versammelt. Der beiderseitige Raub von Zaunfahnen drehte die Gewaltspirale weiter, so dass es in der stark umkämpften Stadt zu weiteren Aufeinandertreffen kam. Öl ins Feuer wurde zudem durch die Präsentation der Fahnen gegossen. Im Derby am 29.09.2024 zeigte Red Army die Beute und brannte sie ab. Gäste waren wieder verboten. Zwei Wochen später ereignete sich der nächste große Vorfall: Die Ultras arbeiteten mit großer Zahl an einem Graffiti, was die Red Army nutzte und sie angriff. Es folgte eine Massenschlägerei, bei der die Polizei machtlos zusah. Und die Serie an Übergriffen ging weiter. So kam es am Vorabend der letzten Woche ausgetragenen Stadtderbys (01.03.2025) zu einem brutalen Angriff durch vier maskierte Personen der Red Army, die einen Mann mit Metallstangen zusammenschlugen, ihm Handschellen anlegten und dann verschwanden. Der Mann erlitt lebensgefährliche Verletzungen und wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er auf der Intensivstation liegt. Im Derby wurde dieser Person das Spruchband „Zela, halte durch, die Ultras stehen zu dir!“ gewidmet.

Wie erwartet fand im Stadion auch die Reaktion auf die von der Red Army verbrannten Fahnen statt. Die Hauptbanner der Red Army wurden über und im Block hochgehalten, sämtliche Doppelhalter und Fahnen wurden mit weiterem Material am Zaun präsentiert und abgefackelt. Die Ultras, die bis dahin hinter einer Fahne ohne Gruppenbezug standen (mit Aufschrift „Alles vergeht, alles verändert sich, Tage und Jahre vergehen, nur Zrinjski bleibt der Stolz meiner Herzegowina“), waren erstmals nach dem Materialverlust im vergangenen April wieder hinter ihrem Haupttransparent postiert.


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