Proteste & Spielunterbrechungen beim Niedersachsenderby

Faszination Fankurve 10.03.2025 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Vergangenen Sonntag (09.03.2025) trafen im Niedersachsenstadion Hannover 96 und Eintracht Braunschweig aufeinander. Wie schon im Hinspiel, stand auch dieses Derby unter besonderen Vorzeichen. Das Gästekartenkontingent wurde durch polizeiliche Verfügungen um 40 % reduziert, mit weitreichenden Folgen für die jeweiligen Szenen. So verkündete das Bündnis Hannovereint auf ihrer Website: „Es wird keinen Derbymarsch, keine Choreo und keinen organisierten Support an diesem Spieltag seitens der aktiven Fanszene geben“. Und die Braunschweiger Ultraszene rief zum Boykott des Spiels auf. In den Wochen vor dem Spiel kam es zu weiteren Protesten, wie bspw. auf dem Braunschweiger Karnevalsumzug. Trotz der problematischen Vorzeichen wurde der BTSV-Mannschaft beim Abschlusstraining die Wichtigkeit des Spiels nochmal verdeutlicht. 3.000 Eintracht Fans, Gesänge, Pyro und abschließende Worte bildeten dafür den Rahmen.

Der Boykott-Aufruf seitens der Braunschweiger Szene fand hohe Anteilnahme, nur wenige BTSV-Fans bevölkerten den Gästeblock in Hannover. Stattdessen wurde das Spiel in der eigenen Stadt im TV geschaut. Eigentlich planten Fans & Verein eine groß angelegte Live-Übertragung im eigenen Stadion. Doch TV-Rechtinhaber SKY stellte sich quer und stellte das Signal nicht zur Verfügung. Stattdessen wurde seitens der Stadiongastronomie auf dem Stadionvorplatz der Haupttribüne eine Leinwand aufgebaut, wo ca. 500 Personen das Spiel schauen konnten. Die Szene traf sich derweil am Fanhaus mit 600 Leuten und schaute dort. Wer zusätzlich noch Lust auf Fußball hatte, konnte auf dem Nebenplatz das Spiel der Zweiten Mannschaft von Eintracht Braunschweig schauen. Das Spiel wurde dafür extra vom Nachwuchsleistungszentrum auf das Stadiongelände gelegt. Außerdem hatte der Verein ein Angebot für Kinder geschaffen (Kinderparcours, Hüpfburg), um das Zusammenkommen für möglichst viele Eintracht-Fans attraktiv zu gestalten.

Nachdem im Hinspiel beide Szenen den Protest auf die Straße legten, wollten die Hannoveraner im Rückspiel den Heimvorteil nutzen, um das Spiel in den Medien zum Thema zu machen. Per Flyer gab es für die 96-Fans Informationen.

Die Szene informierte zudem vorab die restliche 96er Anhängerschaft über ihren Standortwechsel auf die Westtribüne. Die beiden angestammten Blöcke im Ober- und Unterrang der Nordkurve blieben entsprechend frei und etwa 2.000 Leute zogen gen Westtribüne um. Die Polizei konnte hierbei nur zusehen, besaßen alle gültige Tickets. Unmut machte sich derweil an den Eingängen der Nordkurve unter den normalen Fans breit. So hatte Hannover 96 auf Anraten der Polizei das Einlasskonzept kurzfristig geändert und nur zwei Eingänge geöffnet. Der Ordnungsdienst konnte dem Andrang nicht Herr werden, so dass sich der Einlass verzögerte und letztlich hunderte Zuschauer ohne Kartenkontrolle von dort ins Stadion gelangten. Im Nachhinein vermeldete die Polizei in ihrer Pressemitteilung einen verhinderten Angriff auf den Gästeblock. Die Fanhilfe Hannover veröffentlichte heute in ihrer Stellungnahme gegenteiliges und kritisierte die Berichterstattung der Polizei Hannover. „Auch nach mehrfacher intensiver Videoanalyse müssen wir hier klar festhalten, dass zu keinem Zeitpunkt die Behauptung der Polizei Hannover aus deren Pressemitteilung gestützt werden kann. Im Gegenteil. Der gegen die behördliche Maßnahme geplante Protest seitens der Hannoverschen Fanszene erfolgte komplett autark von den wenigen anwesenden Gästefans. Statt hier bei den Fakten zu bleiben, versucht die Polizei Hannover in ihrer Pressemitteilung den martialischen Aufzug mehrerer Einsatzhundertschaften und zweier Wasserwerfer im Innenraum des Stadions zu legitimieren. Es ist beängstigend und beeindruckend zu gleich, wie hier seitens der Medienvertreter offensichtlich leicht zu prüfende Sachverhalte ungeprüft übernommen werden.“, so die Fanhilfe Hannover in ihrer Stellungnahme. Auch sei keine Fackel während des Spiels in Richtung Gästeblock geflogen, wie als Fehlinformation mancherorts verbreitet wurde.

Die Szene der 96er präsentierte zu Spielbeginn auf der Westtribüne das Spruchband: „10 % Gästekontingent unverhandelbar!“, gefolgt von „Grenzüberschreitende Maßnahmen können wir auch!“ und „ein schwarzer Tag für den deutschen Fußball!“. Anschließend wurde zur 10. Minute allerhand Pyro auf den Rasen geworfen, so dass das Spiel vom Schiedsrichter für wenige Minuten unterbrochen werden musste. Nach Wiederanpfiff wiederholte sich die Szenerie weitere Male u.a. mit auf den Platz geworfenen Tennisbällen und dem Spruchband „Gästekontingente sind nicht euer Spielball!“ sowie einem Transparent, was die die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens im Fadenkreuz zeigte. Das Spiel stand kurz vor dem Abbruch.

Die Polizei zog derweil mit einem massiven Aufgebot ins Stadion. Auch zwei Wasserwerfer bezogen im Innenraum Stellung. Auf den Tribünen folgten weitere Protest-Spruchbänder, wie „Populismus bekämpfen, fick dich D. Behrens!“ und „Freie Fankultur bleibt unverhandelbar in Hannover, Niedersachsen und überall!“.

Auf dem Platz gingen die Gäste in der 77. Spielminute durch Lino Tempelmann in Führung. In der Nachspielzeit gelang den Gastgebern durch Josh Knight allerdings noch der Ausgleich. Somit trennten sich beide Rivalen mit einem 1:1 Unentschieden. (Faszination Fankurve, 09.03.2025)


 

 

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