Frankreich: 128 Ultras-Gruppen sprechen sich in einem gemeinsamen Kommuniqué gegen die geplante Auflösung der Gruppen in Saint-Étienne und Nantes aus

Faszination Fankurve 21.03.2025 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

In einem gestern veröffentlichten Statement fordern die französischen Fanszenen das Innenministerium auf, von den geplanten Gruppenauflösungen abzusehen, und sprechen den betroffenen Gruppen ihre unerschütterliche Unterstützung aus. Faszination Fankurve hat das Wichtigste zusammengefasst.

Die Unterzeichner des Kommuniqués zeigen sich zutiefst besorgt und sehen die gesamte Fankultur in Frankreich bedroht. Sie betonen, dass die Umsetzung dieser Maßnahmen Gruppen verbieten würde, die sich dem Dialog verschrieben haben und über Jahre viel Arbeit in den Aufbau eines respektvollen Miteinanders in den Stadien gesteckt haben.

Mit ihrem Vorgehen würde die Politik die Gruppen übergehen und den Dialog ignorieren. Statt auf die Gruppen zuzugehen, entscheidet die Politik von oben herab und verweigert sich jeder Kommunikation mit den Gruppen.

Die Gruppen distanzieren sich sogar ausdrücklich von Gewalt und diskriminierendem Verhalten und betonen, dass dies natürlich bestraft werden müsse.

Des weiteren warnen die Gruppen vor den katastrophalen Folgen, die die Maßnahmen der Politik mit sich bringen könnten. Die Auflösung dieser Gruppen sei keineswegs eine Lösung, sondern würde katastrophale Folgen haben. Sie würde die Gefahr bergen, dass Spannungen wieder aufflammen und sich die Zahl der Zwischenfälle vervielfacht, da den Leuten die Ansprechpartner in den Kurven fehlen. Die Kurven würden ihre Führung und Ordnung verlieren. So könnten insbesondere Individuen mit radikalen Ansichten profitieren und sich in den Kurven ausbreiten. Diese seien dann viel schwerer zu kontrollieren

Die Gruppen erinnern das Innenministerium an die Grundfreiheiten der Französischen Republik und daran, welch großen sozialen Stellenwert die Gruppen in Frankreich haben. Seit fast 40 Jahren dienen diese als Umfeld für ein respektvolles Miteinander und den Dialog unter den Menschen.

Frankreich sei die Heimat der Menschenrechte und der Versammlungsfreiheit, eine Nation, die es sich nicht leisten dürfe, in autoritäre Muster zu verfallen, nur um angeblich die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.

Der angebliche Verlust dieser Ordnung entspreche nicht der Realität und sei an den jeweiligen Standorten der betroffenen Gruppen nicht zu erkennen – weder von der Bevölkerung, noch von den Vereinen oder gar der lokalen Politik. Es sei einzig und allein das Innenministerium, angeführt von Innenminister Bruno Retailleau, der der konservativen Partei Les Républicains angehört, welches dieses Verbotsverfahren forciere, um Stärke zu demonstrieren. Vielleicht ein Manöver, um von den Misserfolgen bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität und dem Drogenhandel abzulenken.

Die französischen Gruppen sind sich ihrer Verantwortung bewusst und sehen sich in der Pflicht, den Weg des Widerstands weiterzugehen. Schließlich könnte das aktuelle Vorgehen des Innenministeriums nur der Anfang sein und weitere Verbote oder gar Auflösungen könnten folgen. Sie rufen  daher jeden dazu auf seine Stimme zu erheben und für die Rechte der Fans in Frankreich einzustehen.

„NOTRE PASSION NE SE DISSOUT PAS“ – Unsere Leidenschaft löst sich nicht auf

Am vergangenen Wochenende gab es zudem viele Spruchbänder in den französischen Fankurven zum Thema. Auch in Deutschland schickten Gruppen solidarische Grüße nach Frankreich. (Faszination Fankurve, 21.03.2025)

 

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