Kaskadenmodell greift nach Auseinandersetzungen zwischen Fans von FC Zürich und FC Basel – Muttenzerkurve zum nächsten Heimspiel gesperrt

Faszination Fankurve 18.04.2025 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Vergangenen Samstag (12.04.) trafen im Zürcher Letzigrund zwischen dem FC Zürich und FC Basel. Weit nach Abpfiff des Schweizer Klassikers ereignete sich im Stadionumfeld eine Auseinandersetzung zwischen Fans aus Zürich und Basel. Dies hat nun zur Folge, dass das stark kritisierte Kaskadenmodell greift und die Muttenzerkurve ein Spiel geschlossen wird. Jedoch nicht ohne Widerstand des Vereins aus Basel.

In der Saison 2016/2017 gewann der FC Basel das letzte Mal die Schweizer Meisterschaft. Zuvor holte man zwischen 2010-2017 gleich 8x in Folge den Titel. Mit 20 bisher errungenen Meisterschaften steht man auf den zweiten Platz der ewigen Tabelle. Der Grasshoppers Club aus Zürich steht weiter mit 27 Titel an der Spitze der ewigen Tabelle, während die Mannschaft aus Genève mit 17 Meistertiteln auf Platz 3 der ewigen Tabelle steht.

Seit 2017 warten die Fans vom FC Basel also auf den nächsten Titel. Die letzten Jahre waren sportlich keine einfachen. Doch in dieser Saison steht der FC Basel nun wieder an der Tabellenspitze – mit 6 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten, Servette Genève. Noch ein Spieltag der regulären Saison steht in der Schweizer Super League an, bevor sich die Liga in Meisterschafts- und Abstiegsrunde aufteilt.

Vergangenen Samstag gastierte der FC Basel beim FCZ im Zürcher Letzigrund. Der Schweizer Klassiker endete mit 4:0 für die Gastmannschaft, die an diesem Abend auf die Unterstützung mehrerer Tausend Basler zählen durfte. Glei zwei Extrazüge machten sich auf den Weg in die größte Stadt der Schweiz.

Medien- und Polizeiberichten zur Folge, trafen etwa eine Stunde nach Abpfiff im Stadionumfeld Fans beider Vereine aufeinander. In einem Video sieht man eine große Gruppe Fans in blauen und roten Shirts, die auf eine etwas kleinere Gruppe vermeintlicher FCZ-Fans trifft. Es folgte eine intensive Schlägerei mit eindeutigem Ende für die Basler. Die Polizei begleitete derweil die Mehrheit der Gästefans zurück zum Bahnhof Altstetten, von wo aus die Extrazüge gen Basel zurückfuhren.

Obwohl sich dieses Aufeinandertreffen weit nach Abpfiff ereignete und nur wenige Zuschauer davon mitbekamen, reagierten die Schweizer Behörden prompt mit einer harten Strafe. So wurde für das kommende Heimspiel am Ostermontag (21.04.) gegen Yverdon Sport FC eine Kollektivstrafe in Form des geschlossenen Unterrangs der Muttenzerkurve ausgesprochen.

Der FC Basel wehrt sich allerdings gegen die Anwendung des Kaskadenmodells, ein seitens Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) seit der Saison 2024/2025 eingeführtes Modell zur Bekämpfung von Ausschreitungen im Sport.

In einer Stellungnahme kritisiert der Verein die Anwendung des Kaskadenmodells. Insbesondere, weil der Kanton Basel diesem Konkordat nicht beigetreten ist. So heißt es in der Stellungnahme: „Die nun von den Behörden verhängte Kollektivstrafe der Teil-Sektorsperre lehnt der FCB – wie das Kaskadenmodell als Ganzes – aus rechtlicher, ethischer und moralischer Sicht entschieden ab. Da es gemäss Medienberichten bei den Ausschreitungen keine Verletzten gab, wäre die Stufe 3 des Kaskadenmodells im Übrigen nicht einmal dann einschlägig, wenn das Modell verfassungs- und gesetzeskonformle Kriminalisierung von Fussballfans, Kausalhaftung sowie Kollektivstrafen und ist deshalb nicht akzeptabel. Es ist weder mit der FCB-Club-Charta vereinbar noch verhältnismässig oder zielführend. Absolut zu verurteilende Einzelfälle wie jener am Samstagabend in Zürich lassen sich mit solchen Strafen nicht verhindern – auf öffentlichem Grund ist dies die Aufgabe der Polizei. Und die Täterermittlung sowie die Strafverfolgung obliegen ausschliesslich den Strafverfolgungsbehörden. Da es gemäss Medienberichten bei den Ausschreitungen keine Verletzten gab, wäre die Stufe 3 des Kaskadenmodells im Übrigen nicht einmal dann einschlägig, wenn das Modell verfassungs- und gesetzeskonform wäre.“.

Weiter sieht man die Entscheidung als rechtswidrig an: „Die in diesem Fall erneut angewandte Kausalhaftung ist stossend, weil nach Schweizer Recht in der Regel ein Verschulden für das Begründen einer Haftung vorausgesetzt ist. Der FCB hat aber als Club ausserhalb seines Stadionperimetersr Verfehlungen von Dritten vollständig auf den FC Basel abgeschoben. Der FCB hat aber als Club ausserhalb seines Stadionperimeters keine Einflussmöglichkeiten auf das Verhalten einzelner Personen und verfügt zudem weder über die Mittel noch über die notwendigen Kompetenzen, um gegenüber irgendjemandem ausserhalb seines rechtlichen Herrschaftsbereiches Anweisungen zu erteilen oder Massnahmen durchzusetzen… Das Abschieben dieser Verantwortung auf die Clubs erachtet der FCB als verfassungswidrig und unfair.“

Die Einführung von Kollektivstrafen sorgte seit der Debatte 2023 allgemein für viele kritische Stimmen. So formierte sich eine Achse des Widerstands unter den Schweizer Fanszenen. Unterschiedliche Aktionen und Communiqués folgten.

Es bleibt also abzuwarten, wie die Fanszene vom FC Basel kommenden Montag mit der Kollektivstrafe umgeht. Der Kampf der Schweizer Fussballverrückten um die eigenen Rechte wird sicherlich noch nicht zu Ende sein.

(Faszination Fankurve, 17.04.2025)

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