Das Derby della Capitale zwischen der AS Roma und Lazio Rom (13.04.2025) zeigte einmal mehr, dass es sich beim Duell der beiden Stadtrivalen um weit mehr als nur ein Fußballspiel handelt. Die Partie endete 1:1 – doch wie so oft stand das Sportliche im Hintergrund. Im Fokus lagen vor allem die beeindruckenden Choreografien der beiden Kurven und die Ausschreitungen vor dem Spiel.
Schon früh war zu spüren, dass dieser Sonntag in Rom kein gewöhnlicher werden würde. Im Laufe des Tages sammelten sich die Laziali rund um die Ponte Milvio, dem traditionellen Treffpunkt der Biancocelesti in der Nähe des Stadio Olimpico. Auch die Fans der Roma versammelten sich an ihren gewohnten Orten und Stammlokalen. Die Atmosphäre war angespannt, doch zunächst schien die Polizei die Lage unter Kontrolle zu haben.
Am Nachmittag eskalierte die Situation jedoch: Eine Gruppe von Roma-Fans versuchte, sich in Richtung der Lazio-Anhänger zu bewegen. Die Polizei stoppte die Giallorossi und verhinderte so ein direktes Aufeinandertreffen. Als Reaktion darauf formierten sich die Lazio-Fans und gerieten dabei selbst in heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Tränengas wurde eingesetzt, mehrere Personen wurden verletzt, es kam zu zahlreichen Festnahmen.
Pünktlich zum Anpfiff beeindruckten beide Kurven mit großen Choreografien. Die Curva Sud gedachte unter dem Motto „Eine Stadt, ein Trikot“ der Vereinsgeschichte der AS Roma. Im Mittelpunkt stand eine riesige Darstellung von Agostino Di Bartolomei, der als sportliches und menschliches Vorbild unvergessen bleibt.
Di Bartolomei, 1955 in Rom geboren, trug schon als Jugendlicher das Trikot der Roma und führte die Giallorossi 1982/83 zur ersten Meisterschaft seit 1942. Besonders in Erinnerung bleibt das bittere verlorene Europapokalfinale 1984 gegen den FC Liverpool im heimischen Olympiastadion. Nach dem Finale teilte Trainer Sven-Göran Eriksson Di Bartolomei mit, dass man in Zukunft nicht mehr mit ihm plane. Schwer enttäuscht verließ er die Roma in Richtung AC Mailand – sehr zum Unmut der Fans, deren Proteste den Wechsel jedoch nicht verhindern konnten. Tragischerweise nahm sich Di Bartolomei 1994, auf den Tag genau zehn Jahre nach dem verlorenen Finale, das Leben.
Unter dem Konterfei Di Bartolomeis wurden drei Spieler abgebildet, die die Trikots der Vereine trugen, aus deren Fusion 1927 die AS Roma entstand: SS Alba-Audace Roma, Fortitudo-Pro Roma und der Football Club di Roma. Ein emotionaler Rückblick auf die Wurzeln des Klubs, untermalt von gelb-roten Papptafeln und Bannern, die legendäre Trikots der Vereinsgeschichte zeigten.
Die Curva Nord der Laziali antwortete mit einer weitläufigen Choreografie, die sich über die gesamte Nordkurve und Gegengerade erstreckte. „Lazio ist dort, wo die Laziali sind“ lautete ihre Botschaft. Mit Papptafeln und Transparenten wurden verschiedene Wahrzeichen der Stadt dargestellt und die Verbundenheit zum Verein zum Ausdruck gebracht.
Nachdem die Emotionen im Stadionumfeld bereits vor dem Spiel hochgekocht waren, verlief der Abend im Stadion vergleichsweise friedlich. Beide Kurven zeigten starke Auftritte und unterstützten ihre Mannschaften leidenschaftlich. Das 1:1 bedeutete schließlich eine gerechte Punkteteilung – sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen.
Nach dem Spiel blieb es auf den Straßen Roms ruhig. Doch wie so oft begannen wenige Stunden nach Abpfiff die politischen und medialen Diskussionen. Der italienische Innenminister kündigte noch am Montag an, dass alle restlichen Derbys dieser Saison unter Ausschluss der Gästefans stattfinden sollen. Zudem soll das Römer Derby ab kommender Saison nur noch am Nachmittag ausgetragen werden.
Weitere Infos zu diesem Derby, u.a. über die vielen gezeigten Spruchbänder, gibt es in einer bald erscheinenden Erlebnis Fußball-Ausgabe.
(Faszination Fankurve, 19.04.2025)
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