Polizeieinsatz gegen FCM-Fans: Fanhilfe kritisiert Vorgehen

Faszination Fankurve 20.04.2025 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Am vergangenen Wochenende (12.04.2025) sorgte ein Polizeieinsatz bei Schnaittach für großes Aufsehen. Auf dem Gelände eines Autohofs griffen Einsatzkräfte massiv gegen eine Reisegruppe von Fans des 1. FC Magdeburg durch, die sich auf dem Rückweg vom Auswärtsspiel in Ulm befand. Anlass waren laut Polizeiangaben der Vorwurf eines gemeinschaftlichen Diebstahls sowie respektloses Verhalten gegenüber einer Tankstellenmitarbeiterin. In der Folge kam es zu einer umfangreichen Maßnahme gegen nahezu 250 Personen, die unter anderem stundenlang festgesetzt und erkennungsdienstlich behandelt wurden.

Die Fanhilfe Magdeburg äußert nun deutliche Kritik am Vorgehen der Polizei, stellt die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes infrage und verweist auf rechtliche Bedenken. Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme im Wortlaut.

Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der Fanhilfe Magdeburg

[grau]Am vergangenen Wochenende kam es auf dem Gelände eines Autohofs bei Schnaittach zu einem massiven Polizeieinsatz gegen eine Reisegruppe von Fußballfans, die sich auf dem Rückweg vom Auswärtsspiel des 1. FC Magdeburg in Ulm befand. Hintergrund war laut Polizeiangaben der Vorwurf eines gemeinschaftlich begangenen Diebstahls von Waren im Wert eines niedrigen dreistelligen Betrags sowie ein respektloser Umgang einzelner Personen mit einer Angestellten der Tankstelle.

Ohne das konkrete Verhalten einzelner Beteiligter in Schutz nehmen zu wollen – insbesondere gegenüber der betroffenen Kassiererin, das wir ausdrücklich nicht gutheißen –, möchten wir als Fanhilfe Magdeburg dennoch die eingesetzten Maßnahmen in ihrer Gesamtheit einordnen und hinterfragen. Wie der Polizeibericht selbst einräumt, richtete sich der Anfangsverdacht gegen maximal 20 Personen.

Tatsächlich aber wurden fast 250 Fans über viele Stunden hinweg festgesetzt, durchsucht, fotografiert und einer erkennungsdienstlichen Behandlung unterzogen – inklusive der Dokumentation ihrer Personalien. Diese Maßnahme dauerte bis zu sechs Stunden und erfolgte unter freiem Himmel bei teils kühlen Temperaturen. Aus unserer Sicht stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und damit der Rechtmäßigkeit dieses massiven Eingriffs in die Grundrechte einer Vielzahl unbeteiligter Personen. In vergleichbaren Fällen – etwa bei einem Ladendiebstahl im Supermarkt mit vergleichbarem Schaden – würde es kaum vorkommen, dass alle Anwesenden über Stunden hinweg festgehalten und behandelt werden, als seien sie potenzielle Straftäter. Dieses Vorgehen erscheint in einem anderen gesellschaftlichen Kontext vollkommen undenkbar – im Bereich der Fußballfans jedoch ist es leider zur Routine geworden.

Das Amtsgericht Bremen hat in mehreren Urteilen zudem bereits deutlich gemacht, dass Maßnahmen wie die anlasslose Kontrolle oder das massenhafte Abfotografieren von Fußballfans nur dann zulässig sind, wenn ein konkreter individueller Anfangsverdacht vorliegt.

Nachzulesen ist das u.a. hier. Dies war in Schnaittach nach bisherigem Kenntnisstand nicht der Fall. Wir werden die rechtliche Aufarbeitung dieses Einsatzes unterstützen und prüfen lassen, ob gegen einzelne Maßnahmen rechtlich vorgegangen werden kann. Als Fanhilfe sehen wir uns in der Pflicht, auf diese systematische Ungleichbehandlung von Fußballfans hinzuweisen und uns für deren Rechte einzusetzen – ohne dabei unangemessenes Verhalten zu relativieren, aber auch ohne Fans unter Generalverdacht zu stellen.

Fanhilfe Magdeburg

April 2025

(Faszination Fankurve, 20.04.2025)

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